• El Calafate: Nix gelernt

    Jan 2–5 in Argentina ⋅ ☁️ 14 °C

    Auf den ersten Blick müssten Städte und Regionen, in denen es sowas wie die Iguazu Wasserfälle oder einen riesigen Gletscher gibt, extrem gut dastehen. Naturwunder, eine Menge Touristen, eigentlich könnten alle profitieren. Aber beide Städte haben strukturelle Ähnlichkeiten. Regelmäßige Stromausfälle, eine überschaubare Menge vernünftiger Restaurants und eine karge Innenstadt.

    Wir haben die Zeit hier auf 2 Tage begrenzt. In Puerto Iguazu hatten wir überlegt, ob wir den Perito Moreno Gletscher nicht einfach ausfallen lassen. Aber der gehört halt auch wieder zu den Sachen, die man machen "muss". Hin- und Rückfahrt (je ~1 Stunde) sowie Parkeintritt (für etwa 4-5 Stunden) liegen pro Person wieder bei so 90 Euro. Das Aufkommen an Menschen ist relativ überschaubar, das Areal ist aber auch ziemlich groß. Kilometerweit geht es über Metallgitter, Treppen hoch und runter. Vor 5 Jahren noch drückte der Gletscher noch gegen die Brüstungen der Balkone, die weiter vorne aus den Metallwegen herausragen. Als die Eiswand noch direkt vor einem in den Himmel ragte war das hier wahrscheinlich noch eine andere Nummer. Heute geht der Gletscher zurück und die Eiswand ist weit von den Brüstungen entfernt. Wie viel? 200 Meter vielleicht. Alle paar Minuten bricht ein Stück ab und sendet einen lawinenartigen Hall zu den Besuchern. Der Perito Moreno Gletscher gehört einem patagonischen Eisfeld an, das sich über eine riesige Fläche erstreckt. Das drittgrößte Süßwasserresevoir der Erde. Alleine die riesigen Massen an Eis, die man von hier aus sieht sind unglaublich.

    Es ist ein wahnsinnig beeindruckender Ort. Schade ist, was die hier wieder draus gemacht haben. Die Busunternehmen karren die Leute direkt bis an den Ausblick oder an den Hafen. Für Wanderungen auf dem Eisfeld hat ein einziges Unternehmen das Monopol, ein Apfelsaft kostet 9€. Da alles fließt augenscheinlich nicht in die nachhaltige Entwicklung der Region, nicht in die Bevölkerung und auch nicht in den Schutz des Parks. Das liegt in den Händen lokaler Eliten. Da ist man in Deutschland und Europa sehr verwöhnt - Egal ob in den Alpen, im Elbsandsteingebirge oder an der Müritz.

    Tja, wir verpassen unseren Bus zurück, weil der tatsächlich nur unten am Hafen hält und nicht die Schleife zur Zentralhaltestelle fährt. Pech gehabt. Ich quatsche ein italienisches Pärchen an, ob sie uns mitnehmen, Benedictino und Nina. Liebe und schlaue Leute, die ist Projektmanagerin in einem Kunstmuseum, er promoviert zu Milieuabhängigkeiten zum Bildungsaufstieg. Aus seiner Sicht hat übrigens Kanada das beste Bildungssystem, da hatte meine Recherche für meine Partei VOLT aus dem letzten Jahr also einen Punkt.

    In El Calafate selber gibt es einen sehr guten Italiener, dem wir 2 Besuche abstatten. Eine Insel von Respekt und Liebe in einer failed City.
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