• El Chalten: Fitz Royale

    Dec 25–Jan 2, 2026 in Argentina ⋅ ☁️ 10 °C

    Wir spielen mal wieder das Bermerkenswert-Spiel aus Buenos Aires. Wenn man durch die patagonische Steppe fährt, dann wirkt die Welt nicht mehr groß, sondern nur noch weit. Es gibt hier nichts. Hunderte Kilometer Staub, Asphalt und Zaun. Die 15km aus San Rafael sind nichts gegen die Wahnwitzigkeit, dass die gesamte Ruta 40 entlang rechts und links ein Zaun aufgespannt ist. Ein Zaun für was? Vieh?
    Skelette von Autos und Guanakos zieren den Straßenrand. Einige Abschnitte sind nicht asphaltiert, Schotterpiste. Unser Busfahrer repariert einen liegengeblieben LKW.

    Ich habe in Bariloche Schlafmasken gekauft, ein Gamechanger. Wir kommen am 2. Weihnachtsfeiertag gegen Mittag ausgeruht in El Chalten an. Ein zweites Frühstück, ein kurzer Nap und ein Spaziergang zum nahegelegenen Wasserfall. Die 7 Tage Eintritt in den Nationalpark kosten wirklich ein Scheißgeld.

    Wir kommen in einem Hostel unter, Patagonien ist teuer. Schön ist es hier, große Küche, nette Mitbewohner. Die ersten Tage teilen wir unser Zimmer mit dem Schweizer Patrick. Ein richtig netter Kerl, auch Softwareentwickler. Einen Abend gehen wir zusammen essen und spielen.
    Für Ivan und Enrika (argentinisch-italienisches Pärchen) kochen wir einmal und sie laden uns Neujahr zu einem Asado ein. Hätte ich nicht gedacht, dass wir ein zweites Mal daran teilhaben dürfen. 3 neue Freunde. Wir sichern uns zu, dass wir uns in Europa wiedersehen.

    Vor dem Jahreswechsel machen wir zwei eintägige Touren. Es heißt hier irgendwie alles "Laguna/Lago de Tres/Torres". Den ersten Tag nehmen wir uns eine mittelschwere Tour vor. 20km zu einem See mit Blick auf den Fitz Roy. Ich lauf diesmal ein bisschen weiter vor. Der Weg ist voller Menschen, Dana kommt schon klar. Am nächsten Rastplatz warte ich allerdings etwa eine halbe Stunde und gelange zur Einsicht, dass Dana wahrscheinlich einfach vorbeigestiefelt ist. Dana braucht für 1km nicht eine halbe Stunde länger als ich. Ich nehme die Verfolgungsjagd auf. Dana hat zum Glück entgegenkommende Wanderer auf einen gelbmützigen und -shirtigen jungen Mann angesetzt. "Only few minutes" ist Dana vor mir. Bei KM 7 hole ich sie ein und bald genießen wir unsere Sandwiches gemeinsam am Gletscherpanorama.

    Die zweite Wanderung haben uns Ivan und Enrika empfohlen. Es geht auf einen kahlen Gipfel, 360 Grad Panorama. Leider ist der Tag etwas stürmisch, regnerisch und nebelig. Das ist ein Nachteil an kahlen Gipfeln. Wir kehren ein paar Kilometer vorher um. Es wartet im besten Fall eine Erkältung auf uns. Wanderer, die uns entgegenkommen, berichten, dass sie eine Minute auf allen vieren oben ausgehalten haben. Und das Wetter wird eher schlechter. Der Weg ist aber wunderschön. Das Wetter ist ein echter Faktor hier. Es ist eben Patagonien und nicht das Phantasialand.

    Patrick hat uns den atemberaubendsten Blick El Chaltens empfohlen. Die Lagos de los Tres. Eine direkte Sicht auf den Fitz Roy und sie ist wohl besondere schön, wenn man zum Sonnenaufgang dort ist. Dafür ist Patrick um 01:15 losgewandert. 10 km sind es, auf den letzten Kilometer fallen 400 Höhenmeter. Man kann auch nahe des Sees campen, dann muss man nur 1.5 oder 2 Stunden vor Sonnenaufgang los. Also los. Wir starten am 30.12. um 16 mit einem geliehenen Zelt. Ein freundlicher Herr aus unserem Hostel entlässt uns väterlich auf unser erstes echtes Camping-Erlebnis und sichert uns die Unterstützung der Outdoor-Community zu. 3 Stunden geht es entweder eben oder seicht empor dem Fitz Roy entgegen. Eine Reihe an wunderschönen Ausblicken reiht sich auf. Immer wieder der Fitz Roy. Der Rucksack mit Zelt, Schlafsack, Wasser und ein paar Schichten für die kalte Nacht ist kein Problem. Rauscht da der Wind in den Bergen oder ist es der Fluss?

    Nach wie vor eine Frechheit, die nicht unerwähnt bleiben soll: Die Monetarisierung von dem Ganzen. Pro Person kostet der Campingplatz 15€ pro Nacht, das ist nochmal zusätzlich zu den 90€ Parkeintritt für 7 Tage. Und man fragt sich, für was überhaupt. Die Toiletten sind derart zugeschissen, dass Dana ihr Geschäft aufgrund von Würgereiz lieber ausfallen lässt.

    Naja, wir kommen um 19 Uhr an, bauen unser Zelt auf und sehen dann die Sonne hinter dem Fitz Roy untergehen. Übrigens: Man kann die Heringe mit Steinen in den Boden stampfen. Bin ich alleine nicht drauf gekommen. Brote mampfen, heißes Wasser besorgen (Tee zum Sonnenaufgang). Um 3 Uhr stehen wir auf. Es war ein unruhiger Schlaf für mich. Anziehen, packen, Stirnlampe und dann los. Das ganze Camp bricht auf. Der erste Kilometer ist recht eben, dann wird es richtig steil. Nachts ist das nochmal ein anderes Gefühl. Wir reihen uns in eine Kaskade von Stirnlampen über und unter uns ein. Dana fragt ständig, wie sie hier wieder runterkommen soll. Wird schon. Es zieht sich, aber um 5 Uhr sind wir oben. Ich ziehe alle verfügbaren Schichten an, eine halbe Stunde noch. Wir trinken unseren Tee, das ist richtig gut.
    Der Himmel spendet schon ziemlich viel Licht. Beim Aufstieg hat uns auch schon eine Morgenröte hinter uns gelauert. Und dann werden die Berge über dem See in rotes Licht getunkt. Wenn man lange auf das Massiv starrt, werden die Farben intensiver. Was für ein unvergesslicher Silvestermorgen. Abstieg, Zelt abbauen und dann Heimweg. Wir gönnen uns ein zweites Frühstück in El Chalten und ruhen uns dann ein bisschen aus.

    Am Abend gibt's Fondue und wir nehmen unseren Sekt aus San Rafael mit zum Eingang des Nationalparks. Um kurz nach 12 stoßen wir an. Feuerwerk gibt's hier nicht. Starke Winde, Funkenflug. Dafür Sterne. Im Hostel schauen wir nochmal die Fotos des letzten Jahres durch. Ein bermerkenswertes Jahr war es.
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