• Poullan-sur-Mer

    Feb 27–28 in France ⋅ 🌬 9 °C

    (English Version Below)

    Während es in der Bretagne untenherum schon frühlingt, ist in Baumhöhe noch tiefster Winter. Die Landschaft hat sich verändert und wirkt trist und langweilig. Entlaubtes Baumwerk presst seine nackten Stämme so aneinander, dass es den Eindruck macht, sie müssten sich wärmen. Die Straßen sind gesäumt von niedrigen Hecken mit Bäumen, deren Zweige vom Stamm weg in alle Richtungen wachsen. Dahinter eingezäunte Wiesen, Gras bis zum Abwinken.

    Keine kleinen einladenden Spazierwege zwischendrin, lediglich lehmige Parkbuchten, in denen die Pfützen Vorrang haben. Immer wieder fegt eine Böe den Regen über die Windschutzscheibe, wenn nicht gerade der große Wolkenschieber mal dem Blau und Gelb einen freien Raum beschert hat.

    Viele leerstehende Häuser, die dem Laufe der Zeit nicht widerstehen können. Vernagelte Fenster, aufgebrochene Türen. Als ein schickes, blaues Auto uns lautstark überholt, bin ich überrascht, so was Glänzendes zu sehen.

    Ein kleiner Mann schlägt vielfach eine Matte an die Hauswand, er trägt eine Kappe und einen Schnurrbart, ich denke, ihn habe ich überall schon mal gesehen. Die Kirchen wirken wie die Menschen, als haben sie harte Zeiten ihr Leben lang gehabt. Aber sie haben überlebt.

    Auf einer viel zu kleinen Wiese am Straßenrand steht eine viel zu große Menge schwarzweißer Kühe. Ein Fohlen stupst spielerisch die Mutter mit einem Bein an, während diese sich gerade im Lehm ausruht.

    Gegenüber des immer verschlossenen Tourismusbüros, tanke ich günstig bei Intermarché, während der Regen schräg unter der Überdachung durchfegt. Die Orte haben schwierige Namen, die ebenfalls in einer anderen Sprache bezeichnet werden. Bretonisch. Waren nicht die Gallier in dieser Gegend beschäftigt.

    Wir sind in Douarnenez mit Thomi verabredet, dessen Segelboot hier den Winter verbringt. Günstige Mietpreise, kostenlose Duschen, angenehme Temperaturen, eine Bäckerei mal eben den Berg hoch. Supermarkt, Wäsche waschen, nette Menschen.

    Ein Ort mit einer interessanten Geschichte, so erzählt es Thomi auf seinem Homeblog. Es gibt spannende Beiträge in den verschiedenen Internetauftritten, die ich hier mal verlinke. Thomi lebt mit Britti im Sommer auf dem Boot, sie macht wunderschönen Schmuck, und arbeitet im Winter in Deutschland.

    https://www.instagram.com/arche_de_noe_sailing?…

    https://www.arche-de-noe.de/?

    https://youtube.com/@arche-de-noe-sailing?si=W4…

    https://www.facebook.com/share/1F1PqYbaYt/

    Wir haben ein gutes Gespräch, bis Hilde unruhig wird. Es ist achtzehn Uhr, sie möchte raus, und dann Abendessen, aber erstmal brauchen wir einen Schlafplatz.

    Poullan-sur-Mer ist eine Viertelstunde entfernt. Ein kleiner Ort mit einem gemischten Parkplatz im Kern, einige Camper, viele Pkw, in der Festhalle findet gerade eine Veranstaltung statt. Wir drehen eine schöne Runde, die Kirche hat gerade sieben Mal geläutet, dann wird der Wind stärker, der Regen heftiger.

    Hilde liegt heute wieder in der Reisetasche. Mir fällt eine kleine Geschichte dazu ein. Vor einigen Wochen waren wir bei lieben Menschen im Harz, wo wir im Gästezimmer übernachten. Wir sitzen in der Küche, Klaus hat seine Sporttasche offen auf den Boden gestellt, und wir können Hilde grade noch davon abhalten, es sich darin gemütlich zu machen.

    Die kleine Maus. Jetzt zuckt ihre Pfote im Traum.
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    While spring has already arrived in the lower parts of Brittany, it's still the depths of winter at treetop level. The landscape has changed, appearing bleak and monotonous. Leafless trees press their bare trunks together so tightly that they seem to be trying to keep warm. The roads are lined with low hedges of trees whose branches grow in all directions from the trunk. Beyond them lie fenced meadows, grass stretching as far as the eye can see.

    No inviting little walking paths here and there, just muddy parking bays where puddles take precedence. Every now and then, a gust of wind sweeps the rain across the windshield, unless the great cloud-shrouding force has granted the blue and yellow a clearing.

    Many empty houses, unable to resist the ravages of time. Boarded-up windows, broken doors. When a sleek, blue car loudly overtakes us, I'm surprised to see something so shiny.

    A small man repeatedly beats a mat against the house wall; he wears a cap and a mustache. I think I've seen him everywhere before. The churches, like the people, look as if they've endured hardship all their lives. But they've survived.

    On a far too small meadow by the roadside, there's a far too large number of black and white cows. A foal playfully nudges its mother with its leg as she rests in the mud.

    Opposite the perpetually locked tourist office, I fill up cheaply at Intermarché while the rain sweeps diagonally under the awning. The towns have difficult names, also written in another language: Breton. Weren't the Gauls active in this area?

    We're meeting Thomi in Douarnenez, where his sailboat spends the winter. Affordable rents, free showers, pleasant temperatures, a bakery just a short walk up the hill, a supermarket, laundry facilities, and friendly people.

    A place with an interesting history, as Thomi describes it on his home blog. There are fascinating posts on various websites, which I'll link to here. Thomi lives on the boat with Britti in the summer; she makes beautiful jewelry, and works in Germany during the winter.

    https://www.instagram.com/arche_de_noe_sailing?…

    https://www.arche-de-noe.de/?

    https://youtube.com/@arche-de-noe-sailing?si=W4…

    https://www.facebook.com/share/1F1PqYbaYt/

    We have a good conversation until Hilde gets restless. It's 6 p.m., she wants to go outside, and then have dinner, but first we need somewhere to sleep.

    Poullan-sur-Mer is a quarter of an hour away. A small town with a mixed parking lot in the center, a few campers, lots of cars, and an event is taking place in the community hall. We take a nice stroll; the church bells have just rung seven times, then the wind picks up, the rain gets heavier.

    Hilde is back in her travel bag today. A little story comes to mind. A few weeks ago, we were staying with some lovely people in the Harz Mountains, in their guest room. We're sitting in the kitchen, Klaus has left his sports bag open on the floor, and we just barely manage to stop Hilde from making herself comfortable in it.

    The little darling. Now her paw is twitching in her sleep.
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