• Tag Eins

    Apr 19–20 in Germany ⋅ ⛅ 10 °C

    (English Version Below)

    Tag 3.582 abends
    19/04/2026
    Oppenau

    Brigitte schenkt mir den Rest von ihrem Wasserkanister, weil sie heute nach Hause fährt. Sie nimmt meine Post mit und unser Buch, das eine Leserin gekauft hat.

    Wir haben jetzt eine Thermoskanne heißes Wasser für den Tag, um Tee zu trinken. Gerade hat es kurz geregnet, der Himmel bleibt grau, die Erde ist trocken und staubig.

    Hilde legt ihren Kopf auf den meinen, sie stöhnt manchmal mit dem Atmen, vielleicht aus Schmerzen.

    Ich bin müde.

    Überlege, ob ich einen Pullover anziehen soll. Die Standheizung funktioniert nicht mehr, weil ich die Energie in den schwachen Batterien halten muss, um das Handy aufladen zu können.

    Keine Sonne, keine Energie über die Solarpanele.

    Gestern habe ich noch überlegt, ob ich bei der Hitze eine kurze Hose anziehe. Da fuhr der Bus noch.

    Habe Kinder-Bueno gekauft. Warum gibt es das nicht für Erwachsene. Aber ja, wer möchte nicht gerne manchmal ein Kind sein.

    Wie der kleine William von der brasilianischen Camperfamilie, die wir gestern kennengelernt haben.

    Achtzehn Monate alt, stromert er über den Platz und lernt seine Welt kennen.

    Am Ende der sechs Buenoriegel habe ich Bauchweh. Kindsein ist doch schwer.

    Habe geschlafen, eine Stunde vielleicht. Als ich aufwache, ist mir kalt, die Sonne scheint ins Fenster.

    Wir gehen spazieren. Hilde dreht um, wenn sie zurück will. Sie möchte in den Bus und will nicht, dass ich draußen sitzen bleibe. Also lasse ich die Tür auf.

    Hilde will spielen. Sie macht einen Purzelbaum, zeigt mir ihre Verletzung am Bauch. Ihre Ohren sind heiß, und sie lacht, während wir rumknuddeln.

    Die Vögel zwitschern. Neben uns parkt ein schrottreifes Auto, auf der anderen Seite ein Laster von DSV.

    Hilde quietscht wie eine Sirene, weil sie ein Leckerli möchte. Das ist nervtötend, und ich muss mal was Strenges sagen. Dann ist eine Weile Ruhe, bevor sie ihr Spiel wieder aufnimmt.

    Während Hilde an einem Knochen nagt, kann ich den Bus innen reinigen. Mir fällt auf, dass sie heute weniger haart. Das ist auch immer ein Zeichen von innerer Ausgeglichenheit, weniger äußeren Stress.

    So ein Knochenkracher macht durstig, da wird der Papa durch mehrmaliges, eindringliches Bellen dazu gebracht, den Wassernapf maulgerecht hinzustellen.

    Die Sonne ist ganz warm geworden, ich habe den Bus gereinigt. Wir gehen spazieren. Mir fällt das Tor auf, das zum Garten hin geöffnet ist.

    Ich bin mehrfach daran vorbei gegangen, und heute habe ich es zum ersten Mal gesehen. So ist das manchmal im Leben.

    Gestern die brasilianische Familie, heute eine Deutsche. Ich habe gefragt, ob sie mir heißes Wasser für die Thermoskanne machen können, und so sind wir ins Gespräch gekommen. Dieses Mal zwei kleine, aufmerksame Kinder, die unbedingt Hilde kennenlernen wollten.

    Ich habe wieder mein halbes Leben in zehn Minuten erzählt. Das ist furchtbar, dass mir die Worte so aus dem Mund laufen, als habe ich einen Quarkfrosch verschluckt.

    Der Abend kühlt runter, wir haben gegessen, der Wind hat nachgelassen, und die Vögel rufen einander den Gute Nacht Gruß zu.

    "Sei heute achtsam darauf, wie jetzt in der Frühlingszeit das Leben neu aufkeimt und aufblüht. Das Lebendige hat Kraft in sich. Es entfaltet sich, allen Widerständen zum Trotz." (Anselm Grün)
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    Day 3,582 evening
    April 19, 2026
    Oppenau

    Brigitte gives me the rest of her water canister because she's going home today. She's taking my mail and our book, which a reader bought.

    We now have a thermos of hot water for the day, so we can make tea. It just rained briefly; the sky remains gray, and the ground is dry and dusty.

    Hilde rests her head on mine, sometimes groaning with each breath, perhaps from pain.

    I'm tired.

    I'm wondering whether I should put on a sweater. The auxiliary heater isn't working anymore because I need to conserve the energy in the weak batteries to charge my phone.

    No sun, no power from the solar panels.

    Yesterday, I was still debating whether to wear shorts in this heat. The bus was still running then.

    I bought some Kinder Bueno. Why isn't there an adult version? But yes, who doesn't want to be a kid sometimes?

    Like little William from the Brazilian camper family we met yesterday.

    Eighteen months old, he roams the campsite, exploring his world.

    My stomach hurts after eating six Bueno bars. Being a child is hard.

    I slept, maybe an hour. When I wake up, I'm cold, the sun is shining in the window.

    We go for a walk. Hilde turns around when she wants to go back. She wants to get on the bus and doesn't want me sitting outside. So I leave the door open.

    Hilde wants to play. She does a somersault, showing me her injury on her belly. Her ears are hot, and she laughs while we cuddle.

    The birds are chirping. A wrecked car is parked next to us, and a DSV truck is parked on the other side.

    Hilde squeals like a siren because she wants a treat. It's annoying, and I have to say something stern. Then there's a bit of peace and quiet before she starts playing again.

    While Hilde gnaws on a bone, I can clean the inside of the bus. I notice that she's shedding less today. That's always a sign of inner balance, less external stress.

    All that bone-crunching stuff makes you thirsty, so Dad, with a few insistent barks, finally manages to put the water bowl down.

    The sun has gotten quite warm, and I've cleaned the bus. We're going for a walk. I notice the gate that opens onto the garden.

    I've walked past it many times, and today I saw it for the first time. That's life sometimes.

    Yesterday it was the Brazilian family, today a German one. I asked if they could make me some hot water for my thermos, and that's how we got talking. This time it was two small, attentive children who were eager to meet Hilde.

    I ended up telling half my life story in ten minutes again. It's awful how the words just pour out of my mouth like I've swallowed a lump of cheese.

    The evening is cooling down, we've eaten, the wind has died down, and the birds are calling each other goodnight.

    "Be mindful today of how life is reawakening and blossoming anew in springtime. All living things possess inherent strength. They unfold despite all obstacles." (Anselm Grün)
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