• Tag Drei

    Apr 21–22 in France ⋅ 🌙 10 °C

    (English Version Below)

    Tag 3.584
    21/04/2026
    Allerheiligen (D) -
    Passe à Poissons (F) -
    Betschdorf (F)

    Das Wasser hat grade gekocht, als sich rechts eine Schneise anbietet. Vermutlich ein Holzlagerplatz, eventuell die einzige Wendemöglichkeit auf der Bergstraße zum Allerheiligen Wasserfall. Eine kleines 'Ehre Gott' zwischen den Bäumen, die von der Sonne angestrahlt werden.

    Hinter uns zwei Fahrzeuge, doch als wir parken ist es still. Ein einzelner Vogel in den Bäumen. Absolut kein Internet. Ich mache Frühstück.

    Hilde hatte schon gegessen. Der Morgen war anders als sonst. Bin ich um halb fünf wachgeworden und dankbar über so viele Stunden Ruhe, macht sich Hilde um halb sieben bemerkbar.

    Ein Fiepen, ein Blick zur Seitentür, die Botschaft ist eindeutig. Schnell die Trainingshose an, einen Pullover drüber, Schuhe. Für Bandagen ist keine Zeit mehr.

    Das rächt sich gleich, weil ich nicht laufen kann, aber Schmerzen habe. Hilde rennt auf und ab dank der Leine, frisst Gras, erleichtert sich.

    Danach liegen wir im Bus, Kopf an Kopf. Sie schläft, ich erhole meine Knie. Wie man so sagt, schön wenn der Schmerz nachlässt. Mag auf jeden Fall erstmal nicht aufstehen.

    Aber da es Zeit für Hilde's Medizin ist, füttere ich sie. Jetzt hat sie sich eingerollt, während ich frühstücke. Aus dem Fenster schaue, dem Vogel zuhöre, Hilde's schwerem Atem.

    Wir überqueren den halben Rhein und stehen an der Grenze von Frankreich. Auf der einen Seite kräuselt sich anthrazitblaues Wasser, und jenseits der Staustufe ist ein blauer, stiller See.

    Unterhalb parken wir an grünen Bäumen im Schatten neben einer Wiese voll lebendigem Gras im leichten Wind. Ich habe staubige Kekse gegessen, le Sablés pur Beurres, die gebutterten Sandkörner. Frei übersetzt.

    Hilde liegt manchmal so tief im Schlaf, dass ich schaue, ob ihr Körper noch atmet. Ich habe gedacht, weil wir jetzt schon über ein Jahr unter dieser Situation reisen, wäre ich besser vorbereitet, als bei Blacky, der innerhalb von zwei Wochen von mir gegangen ist.

    Aber ich denke, es gibt keine wirkliche Vorbereitung, das Ende in jeglicher Hinsicht trifft uns Menschen unvorbereitet. Keiner ist cool genug, aber vielleicht kann es mancher besser verbergen.

    Unterhalb eines Spargelfeldes machen wir unseren letzten Spaziergang. Wir sind alleine, Hilde hat einfach die Wiese für sich und wälzt sich dementsprechend glücklich auf dem Löwenzahn.

    In Betschdorf ist ein schöner Stellplatz, unbenommen. Aber der Weg dahinter ist die Autobahn des Dorfes, in dem Töpfereien an allen Ecken sind. Fußgänger, Roller, Hunde, Kinderwagen, da bleibt wenig Entspannung.

    Die erste Boulangerie, ein Baguette für Hilde, ein Schoko-Eclaire für mich. Ein kalter Wind weht in Frankreich. Irgendwie kommt mir das bekannt vor.
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    Day 3,584
    April 21, 2026 Allerheiligen (Germany) - Passe à Poissons (France) - Betschdorf (France)

    The water had just boiled when a clearing appeared on the right. Presumably a timber yard, possibly the only place to turn around on the mountain road to the Allerheiligen Waterfall. A small wayside shrine to God was found among the trees, bathed in sunlight.

    Two vehicles were behind us, but when we parked, it was quiet. A lone bird in the trees. Absolutely no internet. I made breakfast.

    Hilde had already eaten. The morning was different than usual. I woke up at 4:30, grateful for so many hours of peace and quiet, but Hilde made her presence known at 6:30.

    A whimper, a glance at the side door—the message was clear. I quickly put on my sweatpants, a sweater, and shoes. There wasn't time for bandages.

    That immediately backfired, because I couldn't walk, but I was in pain. Hilde ran back and forth on her leash, munched grass, and relieved herself.

    Afterward, we lay in the van, head to head. She slept, and I rested my knees. As they say, it's nice when the pain subsides. I definitely didn't want to get up for a while.

    But since it was time for Hilde's medicine, I fed her. Now she's curled up while I eat breakfast. I looked out the window, listened to the bird, to Hilde's heavy breathing.

    We crossed half the Rhine and stood at the French border. On one side, anthracite-blue water rippled, and beyond the weir was a still, blue lake.

    Below, we parked in the shade of green trees next to a meadow full of vibrant grass, gently caressed by the breeze. I ate dusty biscuits, le sablés pur beurres, the buttered sand grains. (Freely translated.)

    Hilde sometimes sleeps so deeply that I check to see if she's still breathing. I thought that because we've been traveling under these circumstances for over a year now, I'd be better prepared than I was with Blacky, who left me within two weeks.

    But I think there's no real preparation; the end, in every sense of the word, catches us humans unprepared. No one is cool enough, but perhaps some are better at hiding it.

    Below an asparagus field, we take our last walk. We're alone; Hilde has the meadow all to herself and rolls happily on the dandelions.

    There's a nice campsite in Betschdorf, no doubt. But the road beyond it is the village's highway, with potteries on every corner. Pedestrians, scooters, dogs, strollers—there's little time for relaxation.

    The first boulangerie: a baguette for Hilde, a chocolate éclair for me. A cold wind is blowing in France. Somehow, this feels familiar.
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