Tag Achtzehn
May 6–7 in Germany ⋅ ☁️ 11 °C
(English Version Below)
PILGERREISE INS LEBEN
Tag 3.599
06/05/2026
Oebisfelde -
Calvörde -
Damm-Mühle
Es regnet die ganze Nacht. Morgens um sieben Uhr geht Thomas netterweise kurz mit Hilde raus, weil er in seiner Regenbekleidung schon vorher mit seinem Hund draußen war.
Bevor ich mich überhaupt anziehen kann, sind die Fahrzeuge neben mir weg, die ganze Familie ist auf dem Weg zur Arbeit. Wir warten im blauen Bus.
Um kurz vor elf Uhr wird der Bus aufgeladen. Im Regen, während ein lieber Mensch kommt, um Hilde und mich abzuholen. Meine Hündin ist verwirrt und ungläubig. Was passiert nun schon wieder mit ihrem Zuhause.
Total ängstlich steigt sie zu mir ins andere Auto ein, dass uns zu meiner Tochter fährt, wo wir direkt hinterm Abschleppdienst ankommen.
Sonst ist sie immer ganz fröhlich, wenn wir hier sind. Aber heute überwiegt deutlich ihre Panik. Also schnell in den blauen Bus hinein.
Mich fragt öfter mal jemand, warum ich mir diesen ganzen Stress mit dem unsicheren Fahrzeug antue. Hilde ist die Antwort. Der blaue Bus ist ihr Zuhause, außer mir der andere sichere Fixpunkt in ihrem Leben.
Ohne mich und den blauen Bus wäre sie nur noch ein Häufchen Elend.
Jetzt bleiben wir etwa fünf Wochen bei meiner Tochter, wohnen nachts in einem kleinen Zimmer im Haus, und sind tagsüber im blauen Bus, und draußen zwischen Sonnenaufgang und ihrem abendlichen Untergang. Oder wie heute, im Regen.
Würde der Bus letztendlich gar nicht mehr fahren, wäre er aber unser Zuhause, solange wie Hilde lebt. Dann gäbe es vielleicht einen kleinen Pkw für Tagesreisen. Aber da sind wir noch weit entfernt. Hoffe ich zumindest.
Selbst meine Tochter wird nicht überschwenglich begrüßt, schnell ist Hilde wieder im Bus verschwunden.
Sie fährt mit uns einkaufen, wir holen die Enkelin von der Schule ab, weil sie dann bei Hilde im Auto bleibt. Erstmal die Schränke vollmachen, die Vorräte auffüllen für die nächsten Wochen.
Ich hatte Medikamente bestellt für ein halbes Jahr. Wegen der geplanten Verteuerung, der nächsten Reise im Sommer. Denn im Juni wird nochmal Tüv sein, das letzte Mal in seinem blauen Leben.
Der Einkauf ist im Bus, die Hilde auch. Heute finden keine großen Spaziergänge statt, aber vorhin ist sie mit dem großen Hund vom Hof um die Wette gerannt. Der würde auch noch gerne mehr mit ihr zusammen sein, aber das mag sie nicht leiden.
Gestern fiel mir der Begriff Lockdown ein. Das hatte die Ursache, dass ich grade die Beiträge auf Facebook löschen und dort diesem Begriff im Jahr 2020 begegnet bin.
Dieser Moment, in dem von einem Augenblick an, kein Reisen mehr möglich war. Ganz liebe Freunde hatten uns ein Appartement angeboten, und die Teilnahme an den Mahlzeiten im Altersheim nebenan. Also an der Küche mein Essen abholen zu dürfen, welches besondere Entgegenkommen das war, habe ich nie ganz in Worte fassen können. Aber es hat tiefe Spuren in meinem Herzen hinterlassen.
Damals begann der Frühling und ich hatte mir vorgenommen, an jedem Tag eine neue Blüte zu posten.
Seinen Facebook Account aufzuräumen würde ich jedem empfehlen. Was sich da ein Mist angesammelt hat, das glaubt man gar nicht. Und ja, man hat das alles gepostet, in vollem Bewusstsein, dass es jemand lesen würde, ja vielleicht sogar liken könnte.
Definitiv eine interessante Erfahrung. Für die letzten sieben Jahre waren es knapp 4.500 Beiträge. Für die ersten sieben Jahre sind es immer noch über 2.300 weitere Einträge.
Sehr langatmig der Job, aber gut. Gerade mit Hilde draußen gewesen, und endlich hat sie Lust, Ball zu spielen und Späßchen mit mir zu machen. Da geht mein Herz auf.
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PILGRIMAGE INTO LIFE
Day 3,599
06/05/2026
Oebisfelde -
Calvörde -
Damm-Mühle
It rained all night. At seven in the morning, Thomas kindly took Hilde out for a quick walk, having already been out earlier with his dog in his rain gear.
Before I could even get dressed, the vehicles next to me were gone; the whole family was on their way to work. We waited in the blue bus.
Shortly before eleven, the bus was loaded up. In the rain, while a kind person came to pick up Hilde and me. My dog was confused and incredulous. What was happening to her home again?
Completely terrified, she climbed into the other car with me, which took us to my daughter's house, where we arrived right behind the tow truck.
She's usually so cheerful when we're here. But today, her panic clearly overpowered her. So, we quickly got into the blue bus.
People often ask me why I put myself through all this stress with the unreliable vehicle. Hilde is the answer. The blue bus is her home, the only other stable anchor in her life besides me.
Without me and the blue bus, she'd be a miserable wreck.
We're staying with my daughter for about five weeks now, sleeping in a small room in the house at night, and spending our days in the blue bus, or outside between sunrise and sunset. Or, like today, in the rain.
If the bus were to eventually stop running altogether, it would be our home as long as Hilde lives. Then maybe we'd get a small car for day trips. But we're still a long way from that. At least, I hope so.
Even my daughter doesn't get a effusive welcome; Hilde quickly disappears back into the bus.
She comes shopping with us, and we pick up our granddaughter from school because she stays with Hilde in the car. First things first: stocking up on supplies for the next few weeks.
I ordered enough medication for six months because of the planned price increase and our next trip in the summer. The car's inspection (TÜV) is due in June, the last one in its lifetime.
The groceries are in the van, and so is Hilde. We're not going for long walks today, but earlier she raced the big dog from the yard. He'd love to spend more time with her, but she doesn't like it.
Yesterday, the word "lockdown" came to mind. This was because I was deleting posts on Facebook and came across the term in 2020.
That moment when, suddenly, travel was no longer possible. Very dear friends had offered us an apartment and the opportunity to join them for meals at the retirement home next door. Being able to pick up my food from the kitchen—I've never been able to fully put into words what a special gesture that was. But it left a deep mark on my heart.
Back then, spring was beginning, and I had resolved to post a new flower every day.
I would recommend cleaning up your Facebook account to everyone. You wouldn't believe the amount of junk that accumulates there. And yes, you posted all of it, fully aware that someone would read it, maybe even like it.
Definitely an interesting experience. For the last seven years, there were almost 4,500 posts. For the first seven years, there are still over 2,300 more.
It's a very tedious job, but good. I was just outside with Hilde, and she finally wants to play ball and joke around with me. That warms my heart.Read more




