• Der deutsch dänische Bierkrieg

    May 4 in Germany ⋅ ☀️ 9 °C

    Liebes Tagebuch, als ich aufwache scheint die Sonne durch das Fenster. Ich freue mich. Zum einen über das Wetter und zum anderen darüber, dass ich Sylt verlassen werde. Aber vorher erst noch Frühstück. Dann geht es auch schon zum Bahnhof wo ich schweren Herzens von Phoenix Abschied nehmen muss. Ach weh. In ca zwei Wochen sehen wir uns vermutlich erst wieder. Sie bleibt noch ein paar Stunden, um die Strände unsicher zu machen. Ich steige in den Zug. Sie wird mir fehlen. Jetzt beginnt das Train Blazing. 🤣 Von Morsum ans Festland kann man nur mit dem Zug kommen. Nix mit wandern. Nach 20 Minuten erreiche ich Klanxbül. Der Trail ist die Landstraße. Ich treffe die Wanderin von gestern wieder (auch hier bei den Pinguinen als Himmelskind zu finden). Wir schnacken kurz in einer Bushaltestelle. Vermutlich werden wir uns erst nicht wiedersehen. Von daher alles gute für deine Reise, falls du das liest.
    Dann geht es auf einen kurzen Abstecher nach Dänemark. Auf einem Deich geht es kilometerlang durch eine weite Landschaft. Als ich am Grenzübergang zu Deutschland vorbeikomme und einen dänischen Supermarkt sehe, freue mich riesig auf ein leckeres IPA, aber vor Ort die große Enttäuschung: Verkauf nur an Dänen, wegen Dosenpfand. Danke Merkel. Ich bin kurz davor den Deutsch Dänischen Bierkrieg anzuzetteln. In letzter Zeit wurden ja schon aus nichtigeren Gründen Konflikte entfacht. Ich reisse mich zusammen. 🤣 Geknickt ziehe ich weiter. Auf Asphalt. An einer Schutzhütte mache ich eine Pause und esse etwas und dann geht es kurz durch etwas wie eine Art Wald. Wie ich das vermisst habe. Einfach mal wieder ein paar Bäume. Die Freude ist von kurzer Dauer und wird von mehr Asphalt abgelöst. Ich wusste was auf mich zukommt und somit akzeptiere ich es schlicht und einfach. Ich erreiche Süderlügum. Es ist Nachmittag und sämtliche Supermärkte (so sieben Stück) werden von Dänen geplündert. Ich hoffe, dass ich noch ein einziges Jever für den Tagesabschluss abbekomme. Pustekuchen. Eine einsame zerbeulte Dose steht halb ausgelaufen im Regal. Visionen von Krieg erscheinen erneut vor meinem inneren Auge. Von wegen The Trail Provides. Ich kapituliere. Rückzug nach vorne. Mein Unmut ist schnell verflogen, als ich einen heidebewachsene Dünenlandschaft quere. Nur kurz, aber eine Wiedergutmachung. Besonders die zwei dicken Ringelnattern, die ich sehen durfte haben mich versöhnt. Jetzt ist es nicht mehr weit zum Trekkingplatz "Mückenparadies". Hier kann man umsonst und legal zelten. Ein wunderschönes Areal im Wald mit einer Schutzhütte, Bänken und einem kleinen Teich mit Insel. Auf der Insel eine Sitzgruppe, die man per Floß erreichen kann. Hammer.
    Ich gehe noch kurz zum nahegelegenen Jugendwaldheim, um mein Wasser aufzufüllen. Ein paar Kids stehen an der Tür eines Schuppens. Ich mache mich bemerkbar und sie drehen sich um und geben den Blick in das Innere des Verschlags frei. Von der Decke hängt ein Reh. Links daneben ein dicker Jäger und rechts ein Mädchen, welches an dem Reh rumfiletiert. Er guckt mich verdutzt an. Ob ich mein Wasser auffüllen könnte, frage ich ganz lieb. "Da um die Ecke ist der Hahn". Er wendet sich wieder dem Mädchen zu erklärt ihr wo sie jetzt am besten rumschnippeln müsse. Die gute norddeutsche Art. Bloß kein Wort zu viel. Ich lasse sie ihr blutiges Handwerk verrichten und hole mir Wasser. Immerhin zerlegen die Kids ihr Abendessen selbst. Dann geht es zurück zum Platz. Schnell alles aufbauen und dann was essen. Nebenbei lese ich das Hüttenbuch der Initiative NST. Einfach toll, dass sich nach ein paar Jahren eine richtige Community gebildet hat. Daumen hoch. 👍
    Ab und zu kommen ein paar von den Schlachterkindern am Teich vorbei ansonsten passiert nichts und ich erkläre den Tag für beendet. Peace. ✌️
    Read more