• Cheech und Chong fahren zur See

    May 14 in Germany ⋅ 🌙 8 °C

    Liebes Tagebuch. Heute war Vatertag. Das reicht eigentlich schon.
    Aber er hatte auch seine Momente. Zum Beispiel als ich, nach tiefem erholsamen Schlaf aufwachte, duschte und dann von Björn mit einem mächtigen Frühstück verwöhnt wurde. Alles zusammengepackt und dann los. Björn kam mit. Er musste auch zur Fähre, wo er sich mit seiner Laufgruppe traf. Irgendwann wurde es etwas knapp und er musste schonmal lossprinten. Ich würde entspannt die nächste nehmen. Wir verabschiedeten uns. Hier nochmals dickes DANKE. 🙏
    Die nächste Fähre sollte meine sein und so schipperte ich hinüber nach Wellingdorf (oder so). Und Schwupsdiwups ging es auf schmalen Wegen an der Schwentine entlang. Wunderhübsch. Jedoch kamen nun immer mehr bereits besoffene Leute mir entgegen. Hinter ihnen eine Spur aus Pfand und Kippenstummeln. Man hörte sie schon aus der Ferne gröhlen und Ballermann Hits hämmerten aus ihren Boomboxen. Im Vorbeigehen sah ich ihre gekreuzten glasigen Blicke. Nicht schlecht für halb zwölf. Auf einem kleinen Stück auf einem Fahrradweg kam mir eine Gruppe von Laufer*innen entgegen. Darunter auch Björn. Wir umarmten uns kurz. Die anderen wünschten mir eine gute Reise. Motivierend.
    Dann hatte ich eine Rentner Wandergruppe vor mir. Nicht motivierend. Ich gehe selbst ja kaum schneller, aber so dicht auf ihnen zu laufen machte mich ganz wuschig. Zum Glück bogen sie rechtzeitig ab. Ihr Ziel war wohl die Oppendorfer Mühle. Es roch nach Fett und dieselbe Rotzmucke plärrte aus einer Anlage. Haben die noch nie was von Disclose gehört? Jetzt diel mir auf, dass ich noch nicht einmal Musik gehört hatte. Das unvorhersehbare Gezwitscher reichte mir eigentlich als Unterhaltung. Nach der Mühle wurde es ruhiger. Nur ein paar Leute gingen spazieren und ich konnte endlich abschalten. Bis ich Preetz erreiche. Hier flogen die Löcher aus dem Käse. Es war mächtig was los. Sogar Fahrgeschäfte wurden aufgebaut. Ich hielt mich abseits und war dann plötzlich völlig allein auf schmalen Pfaden unterwegs. Die Landschaft war wirklich toll. Überall Wasser, schöne saftig grüne Wälder. Gänse und anderes Federvieh zierten das Bild. Nur der Müll... ich sammelte einen ganzen Beutel an Kippenstümmeln, Snickerspapier und Kronkorken ein. Was mit den Leuten los? Die haben doch Bollerwägen dabei. Aber nichts anderes hatte ich leider heute erwartet. Ich nahm es hin. Ein paar der Orgs heute waren eh nur noch mit den primitivsten Funktionen ausgestattet.
    Mehr als ein paar Brunftschreie, die ins leere hallen, war nicht zu holen.
    Nicht mehr weit bis zu meinem Ziel: der Biwakplatz Walstorfer Mühle. Anbei war ein Kiosk, welcher wohl gerade Feierabend gemacht hat. Die letzten zwei Gäste verließen das Gelände. Schade. Die ganzen Saufgelage heute hatten mir Durst gemacht.
    Ich meldete mich beim Haus nebenan, welches zu dem Kiosk gehörte. Ein Mann öffnete die Tür. Ich sagte, dass ich gerne dort schlafen würde. "Ja machen sie doch." war die Antwort. Knapp und direkt. Na dann mache ich mal. Der Platz war direkt am See mit einer Picknick Bank. Ich panschte mir meine Cold Soak Pampe zusammen und ließ sie quellen. Aber so schlimm wie es sich anhört ist es wirklich nicht. In den Couscous ne Gurke, Parmesan und Olivenöl rein. Et Voila. Bon Appetit. Aus der Ferne sah ich zwei Kanus auf den Platz zusteuern und hörte: "Da! Da können wa noch schön nen kaltes Bier saufen!" Vater, Söhne, nen Oppa, eine Frau und so eine Art Zimmermann. Der Oppa saugte an einer Bierpulle. Ich witterte schon jetzt meine Chance. 😂
    Sie landeten an. Der Oppa kam auf mich zu, nachdem er beim Aussteigen über ein aufblasbares Pferd im Boot gestolpert war und angefangen hatte zu fluchen. Er fragte mich "Jibbet hier wat to freten"
    "Nee hier jibbet nüscht mehr. Aber habta mal ne Pulle Bier?"
    Er fackelte nicht lange und holte ein Bier für mich aus dem Boot. Die anderen waren jetzt auch dazu gekommen. Die Frau fragte in die Runde, ob sie nochmal einen bauen solle. "Na klar! Lass mal einen bauen" antwortete der Oppa. Dabei sah ich wie er bereits an seiner Haschpfeife rumnuckelte. Ich kam mit dem Vater ins Gespräch. Er war interessiert was ich hier so treibe und schenkte mir einen Aufkleber "Für deine Essensdose."
    'Holstein für Alle steht' stand darauf. Stabile Leute hier. Wir stießen an. Die Frau, der Oppa und der Zimmermann löteten das Horn von Gondor, während ich weiter mit dem Vaddi übers Wandern redete.
    Die beiden Kinder kamen wieder und wollten los. Schnell packten sie alles zusammen und wollten ablegen. Als Dank für das Bier schob ich sie mit ihren Booten zurück in den See. Der Zimmermann wünschte mir eine gute Reise. Ebenso. Immerhin trugen die Kinder Schwimmwesten. 🥸 Der Vater rief zu mir rüber "Wandersmann wie heisst du eigentlich?" Magpie. Er guckte irritiert. Dann verschwand sein Gesicht hinter dem Schilf am Ufer.
    So schön der Platz auch war. Er lag direkt am Wasser und das hiess es würde nass und kalt werden. Alsbald machte ich mich fertig fürs Bettchen.
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