• Tagesbericht No. 12

    June 13, 2024 in Ecuador ⋅ ☁️ 13 °C

    Heute ist wieder Reisetag. Und zwar für eine riesen Etappe bis nach Cuenca.
    Also bestätigen wir um 05:00 unsere Wecker und stehen auf, um unsere Rucksäcke zu packen.
    Und, wie das immer so ist, passen die Sachen irgendwie mit jedem Mal schlechter in den Rucksack. Zumindest bei mir.

    Die Hauptstraße des aufwachenden Ortes entlang laufen wir ein Stück bis zum Busbahnhof und sogar überpünktlich kündigt der Bus zurück nach Latacunga seine Ankunft an.
    Wir springen rein und verbringen die nächsten 2,5 Stunden mit Menschen, dir zur Arbeit und Schule müssen, in dem Bus.
    Hier ist alles weit auseinander und eher traditionell.

    Am Busbahnhof haben wir nach dem Ticketkauf für unsere Weiterfahrt nach Cuenca noch drei Stunden Zeit und nutzen diese, um uns mit Snacks einzudecken und die Menschen in ihrem Treiben zu begutachten.

    Viele der Frauen tragen traditionell die bekannten Panamahüte, einen Poncho aus mehreren Schichten von bunten Schals und Tüchern, Röcke (oder auch Wolldecken, die gewickelt werden), Kniestrümpfe und recht elegante Schuhe.
    Diese Schals dienen übrigens nicht nur zum Wärmen, sondern auch als Gurt, um verschiedenste Dinge und/oder Kinder zu transportieren.
    Heute ist Viehmarkt in Latacunga. Das wird uns bewusst, nachdem mehrfach Hühner zuhauf an den Beinen gepackt durch das Bahnhofsgebäude getragen werden.
    Die Szenerie wird begleitet von dem alles übertönenden Rufen der Angestellten der Reiseunternehmen, die wie immer lautstark die Zielorte der Busse verkünden. „Quitoooo! Sigchos! Riooooobambaa!!“
    Auf dem Vorhof werden ausgestopfte Ziegen in halb liegender Position verkauft, die aussehen, als hätte der Präparator noch nie eine lebendige Ziege gesehen.

    Um nach Cuenca zu gelangen, muss unser Bus die Panamericana entlangfahren. Diejenige Autobahn, die Alaska mit den Feuerlandinseln verbindet.
    Große Abstecher gibt es nicht. Also müssen wir zur Autobahn. Wir gehen zum Office, um zu fragen, wo genau auf dem mehrspurigen Kreisel der Bus hält und einer der Mitarbeitenden bietet uns an, uns in wenigen Minuten die Viertelstunde Autofahrt dorthin zu bringen, er komme da eh lang.
    Nagut. Also quetschen wir uns zu dritt in den Mini- LKW - unsere Backpacks verschwinden im Laderaum- und los geht‘s.
    Der Verkehr stockt auf ein Mal etwas. Der Grund: eine riesen Sau ist ihrer Familie am Straßenrand entwischt und etwa fünf Menschen versuchen nun, sie wieder einzufangen. Was für ein Spektakel!

    Kurze Zeit später biegen wir in den Kreisel ein, nehmen die dritte Abfahrt und genau dort, wo diese auf die Autobahn trifft, steht ein Pavillon der fliegenden HändlerInnen und zwei Busse.
    Der Fahrer gibt uns noch letzte Instruktionen, wann unser Bus kommen wird und setzt seine Fahrt dann fort.

    Da wir viel zu früh sind und unser Bus 30 Minuten Verspätung haben wird, werden wir also etwas mehr als eine Stunde lang den ankommenden unf abfahrenden Bussen und den Passagierwechseln zusehen. Sophie wird etwa 4 Mal erklären, dass wir schon Tickets haben und keine neuen benötigen. Ein Hund muss in die Gepäckablage eines Busses, um mitfahren zu dürfen.
    Und dann kommt er endlich.
    Unser Transportmittel für die nächsten 7-8 Stunden. Es gibt dankenswerterweise Wlan!

    Wir machen also die Augen zu, während sich Menschen die Eis, Armbänder gegen negative Energien, Parfum und Snacks verkaufen, die Klinke in die Hand geben.

    8 Stunden können ganz schön lang sein. Wie fahren mitten durch die Anden, was die Aussicht zauberhaft macht. Das Bild der Berge ist dem der letzten Tage recht ähnlich. Nur die Bäume sind andere und zeitweise erwarten wir, einer Gruppe Hobbits zu begegnen. Die Berge setzen sich zusammen aus kugelartigen, grasbewachsenen Hügeln und Feldern, die mit einer uns unbekannten, gelblich violetten Pflanze bestellt werden.
    Und nebenbei passieren wir eine kalbende Kuh. Wild!

    Nach der Hälfte der Fahrtzeit gibt es eine Pinkelpause, die auch bitter nötig ist. Und danach folgen wir den Serpentinen weiter in die Höhe. Ab jetzt mitten durch die Wolken. Das war‘s dann wohl mit der Aussicht.
    Kein Thema, denkt sich der Ticketier und schmeißt gleich 3 Filme nacheinander an. Alles sehr sicher Raubkopien. Stört bei der Auswahl aber vermutlich niemanden, denn Kassenschlager waren es bestimmt nicht. (Bello & Sebastien; Megalodon 2; Retribution)
    Die letzte Fahrtstunde zieht sich wie Gummi, wenn wir ehrlich sind.

    Aber nun, um 9, ist es geschafft!
    Das Taxi hält am kitschigsten Hostel der Stadt, das die süßeste Flauschkatze und den süßesten dreibeinigen Chihuahua beherbergt. Und nun auch uns.
    Noch schnell zum Hühnchenladen um die Ecke und skeptisch beäugt werden, dass wir Pommes ohne Huhn bestellen und dann ab in die Falle!
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