• Tagesbericht No. 14

    June 15, 2024 in Ecuador ⋅ ☁️ 14 °C

    Zu behaupten, unser Hostel sei hellhörig, wäre eine maßlose Untertreibung.
    Die dünnen Spanholzplatten, die unseren Schlafplatz vom Flur abteilen, wackeln des Nachts regelrecht, als immer wieder Gäste ankommen, zur Toilette müssen oder in der Früh abreisen. An einer bestimmten Stelle auf dem Holzboden macht es laut: „Pock-pock!“, sobald man einen Schritt daraus setzt.
    Der Bewegungsmelder taucht über ein Oberlicht über unserer Tür das Zimmer in charmantes Neonlicht.
    Zudem prasselt der Regen in deutlichem Getrommel auf das Wellblechdach.
    Dementsprechend sind wir schon längst wach, als um 07:00 der heutige Wecker klingelt.
    Wir nehmen es mit Humor. Wer wollte denn unbedingt Aktivurlaub machen?

    Aktiv - das ist ein gutes Stichwort. Ganz, wie es der Regenradar voraussagt, ist es ab kurz vor 08:00 trocken und wir, bepackt mit trockenen Brötchen vom Vortag machen uns auf den Weg zum Terminal Terrestre (für außerstädtische Verbindungen), um von dort aus den Bus nach Ingapirca zu nehmen.
    Aber zunächst gibt‘s noch ein schnelles Frühstück auf der Essens-Plaza. Der Nescafé steht bereits auf dem Tisch und es gibt eine Tasse heiße Milch dazu. Voilá! Außerdem einen erstaunlich leckeren Melonensaft zum Rührei und Käsetoast.

    Von der zweieinhalbstündigen Busfahrt zurück Richtung Norden bekommen wir nicht so viel mit. Endlich ein Mal weder Verkaufsstopps, noch laute Musik und wir haben definitiv Schlaf nachzuholen.
    Und dann kommen wir an.

    Ingapirca - das ist Ecuadors größte Inka- und Cañari-Ausgrabungsstätte.
    So ganz ist nicht klar, was alles in Ingapirca geschehen ist. Aber der ovale Tempel (Sonnentempel) war eine wichtige Kultstätte. Auch stehen hier Grundmauern eines Palastes, Lagerhöhlen und ein Grab einer wichtigen Prinzessin ist zu sehen.

    Die Inka, die es übrigens bis ca 1520 n. Chr. gab, haben sich unter anderem hier niedergelassen und das Volk der Cañari, die bereits an diesem Ort gesiedelt hatten, beherrscht. Nichtsdestotrotz haben beide Völker Teile ihrer Autonomie und kulturellen Bräuche beibehalten und so auch nebeneinander her gelebt. Bis die Cañari sich im Rahmen der Kolonialisierung mit Spanien gegen die Inka zusammengetan haben.
    Teile des Volkes der Cañari leben bis heute in dieser ecuadorianischen Provinz.

    Wir kaufen also unsere Tickets und wollen durch die Stätte schlendern, als auf ca. der Hälfte der Geländerunde ein Security-Mitarbeiter auf uns zukommt und uns fragt, wo unser Guide sei, wir dürften uns nicht ohne auf dem Gelände aufhalten. Das war uns neu. Einige Erklärungsversuche später zeigt er auf eine Gruppe, die am Ende der Führung ist und sagt, wir müssen zu dieser dort. Trotz Unmutsbekundungen auf gebrochenem spanisch, geleitet er uns in diese Richtung. Wir dürfen immerhin noch die kurz gehaltenen Infotafeln lesen. Sobald er außer Sichtweite ist, schauen wir uns etwas gehetzt um und verlassen nach 45 Minuten die Ausgrabungsstätte.
    Im Anschluss machen wir noch einen 20-minütigen Spaziergang im anliegenden Gebiet, in dem noch einzelne Steinskulpturen und das „Inka-Gesicht“, ein in den Berg gehauenes Männergesicht, an. Um all die Kunstwerke zu erkennen, benötigt es einiges an Fantasie.
    Überall grasen Lamas auf den Feldern rund um Ingapirca. Das Gras ist super grün und ein Fluss ist im Tal zu hören.
    Spannend ist auch, dass die Aloe Vera-Pflanzen, die hier wild wachsen, offenbar für Liebesbotschaften und „ich war hier“-Bekundungen verwendet werden. Eingeritzt in die Blätter, so wie wir es von Baumrinden kennen.

    Am Mittag nehmen wir die zweite Runde Schlaf im Bus, der uns zurück nach Cuenca bringt, dankend an.
    Um 16:00 ist hier strahlender Sonnenschein und unsere Mägen leer. Also machen wir einen mittelgroßen Spaziergang durch die belebten Straßen bis zum Mercado 10 de Agosto, wo wir heute gut einheimisch zu Abend essen wollen.
    Wir finden Humitas (im Maisblatt gebackener Teig aus Maismehl mit Käse) und O-Saft. Der Rest ist Fleisch. Mist.

    Leicht angesättigt schauen wir noch Mal an den Plätzen vorbei, die wir gestern schon gesehen haben und bewundern Kolonialstil-Gebäude, bis wir in einem sehr hippen und sehr leeren Restaurant jeder eine Bowl bestellen. Mit viel Dressing.

    In sehr satt und zufrieden schlendern wir entlang des beginnenden Nachtlebens die knappe halbe Stunde zurück zu unserem Hostel, wo wir schon Mal Sachen packen und früh ins Bett gehen.
    Denn morgen steht die letzte große Etappe an!
    Read more