Tag 0
August 3, 2021 in Germany ⋅ ☁️ 19 °C
Schon einige Zeit beschäftigte ich mich mit dem Gedanken die Alpen zu Fuß zu überqueren und nun war es soweit. Allerdings musste ich von Gritti etwas angeschubst werden, da ich mich vor lauter Arbeit nicht richtig um die passende Tour gekümmert hatte. Also stundenlang das Internet befragt und festgestellt, dass ich zu spät dran war mit einer Buchung. Klar, ich hätte die Tour allein machen können, aber für das erste Mal ist eine geführte Tour wohl doch besser, was sich dann später auch so herausstellte. Nachdem ich noch einen Anbieter (aus dem Kleinwalsertal) gefunden hatte, der zu meiner zeitlichen Verfügbarkeit passte, wurde die Vorfreude angestoßen.
Tja, was nehme ich mit und wie schwer soll der Rucksack sein? Auch hier gibt es ohne Ende gute und weniger gute Informationen im Internet. Jedenfalls war klar, dass ich einen neuen Rucksack brauche, da der bisher genutzte doch zu klein war. Ich habe mich dann für den Gregory Katmai 55 entschieden. Nun noch schnell einen Hüttenschlafsack (bis 15°C) gekauft, der Rest der Ausrüstung war ja vorhanden. Ist ja schließlich nicht die erste Alpenwanderung und die eine oder andere Hüttenübernachtung hatten wir schon durchgeführt.
Gritti konnte diesmal nicht dabei sein, aber sie hat ganz doll mitgefiebert: ob es mir gefällt und ob ich heil wiederkomme.
Kurz vor dem Beginn der Reise kam die Nachricht der Bergschule, die Tour musste mangels Teilnehmern abgesagt werden. Och nee, nun wieder suchen, um irgendwo noch rein zu kommen. Und tatsächlich habe ich noch einen Platz bei der Bergschule „Aktiv am Berg“ bekommen. Puh, Glück gehabt. Schließlich habe ich mich darauf gefreut. Die Tour ist die klassische Tour von Oberstdorf nach Meran, auch wenn es davon wohl sehr viele unterschiedliche Varianten gibt. Die von der Bergschule gewählte Variante hat mir gefallen, nur die dazwischenliegenden Fahrstrecken hätten kürzer und die Tour dafür einen Tag länger sein können.
Diesmal bin ich mit dem Zug nach Oberstdorf gefahren, auf die lange Autofahrt hatte ich keine Lust. Es hat auch alles geklappt, mit einem Sparticket konnte ich zum ersten Mal im ICE nach München in der ersten Klasse fahren. Von München ging es mit einem Regionalzug nach Oberstdorf. Leider wurde mit jedem Kilometer das Wetter schlechter. Es war ja so angesagt, aber müssen denn die Meteorologen diesmal richtig liegen?! Nun gut, nach der Ankunft mein Hotel gesucht. Die Tour ging erst am nächsten Morgen los und da wollte ich ausgeschlafen sein. Das Gästehaus „Haus Immenhof“ war sehr nett, vor allem der Gastwirt. Beim Einchecken stellte er fest, dass wir am gleichen Tage Geburtstag hatten, und somit war ich ihm gleich sympathisch. Das Frühstück war lecker, so kann der Tag beginnen. Super fand ich, dass man sich am Tisch belegte Brötchen für die Tour machen konnte, was in vielen Hotels nicht gern gesehen wird.Read more
Tag 1
August 5, 2021 in Germany ⋅ ☁️ 11 °C
Oberstdorf – Spielmannsau – Kemptener Hütte
Bus nach Spielmannsau (1.002 m), Aufstieg durch den Sperrbachtobel zur Kemptener Hütte (1.846 m). Höhe aufwärts 870 m, Gehzeit 3 Stunden
Nach dem Frühstück ging es zur Bergschule , welche etwas am Rand von Oberstdorf liegt. Treffpunkt war 9 Uhr, eine gute Zeit. Dort angekommen hat man sich mit den anderen Teilnehmern erstmal „beschnuppert“ und den Bergführer (Johannes) kennengelernt. Unsere Truppe bestand aus 7 Personen + Bergführer. Stefan und Kathrin (ein Pärchen) kamen aus Köln und Düsseldorf, Anne (aus Köln) und Julian (aus Fulda) sind Geschwister. Raimund (aus einem Ort bei Ravensburg), Romy (aus Leipzig) und ich (aus Berlin) waren Einzelkämpfer. An der Bergschule bekam noch jeder sein Klettergeschirr und einen Regenschirm bevor es los ging. Zum Schluss war das Wiegen der Rucksäcke angesagt, es sollten nicht mehr als 10 kg sein, eher weniger. Ich hatte 11,5 kg an der Waage, somit hieß es auspacken. Schnell einen Pullover, ein paar Socken und Unterwäsche ausgepackt, damit das Gewicht stimmt. Es war auch gut so, gerade an den ersten Tagen merkt man, was es bedeutet, 10 kg den ganzen Tag zu tragen.
Mit einem Kleinbus ging es ins Trettach-Tal nach Spielmannsau. Hier konnte man schon die Berge sehen, die wir besteigen wollten. Ein erstes Gruppenfoto wurde gemacht, damit wir am Ende der Tour wissen, wieviele Kilos wir abgenommen haben. Der Tag begann schon etwas verregnet, so dass wir unsere Rucksäcke mit einem Überzieher versehen mussten. Einen breiten Fahrweg ging es vorerst leicht bergan. Irgendwann bogen wir nach links in den Sperrbachtobel ein, um entlang des Sperrbachs steil bergan zu gehen. Am Anfang waren alle noch etwas schüchtern, so dass die Gruppe ruhig und gleichmäßig bergan stieg. Unseren Bergführer haben wir ab und zu schon etwas ausgefragt – was uns erwarten würde und ob Verletzte zurückgelassen werden. Johannes war diplomatisch und hat die Antwort offen gelassen… Irgendwann sind wir an der kleinen Kapelle „Maria am Knie“ vorbeigekommen, hier machte eine andere Gruppe, die wesentlich größer war und die ganze Zeit vor uns lief, gerade Rast. Für uns die Chance, an ihnen vorbeizukommen, wir waren nämlich etwas schneller. Trotzdem, ein Foto musste sein. Weiter ging es an Altschneefeldern immer weiter hoch, der Regen wurde nun noch etwas kräftiger, ich musste meine Regenjacke anziehen. Nass war ich irgendwann trotzdem, weil ich geschwitzt habe.
Drei Stunden Gehzeit klang am Anfang ja sehr wenig, aber durch viele Fotostopps wurden es nachher 4 Stunden.
Die Kemptener Hütte liegt am Talende, etwas unterhalb des Muttlerkopfes, auf einer kleinen Anhöhe. Die Hütte wurde gerade renoviert, daher war sie nicht voll belegt. Trotzdem war ordentlich Betrieb. Nur die Waschmöglichkeiten waren eingeschränkt, es war also Katzenwäsche angesagt. Wir hatten ein 4- und ein 3-Bett Zimmer bekommen. Im Gastraum hatten wir einen eigenen Tisch und nun die Gelegenheit uns kennenzulernen. Mit Raimund hatte ich mich gleich zu Beginn der Tour angefreundet, so dass wir unser erstes gemeinsames Bier/Radler am Tisch trinken konnten.
Als wir aus dem Fenster geschaut haben, konnten wir sehen, dass das Wetter immer mieser wurde und die Berge in den Wolken verschwanden. Es hat dann die ganze Nacht geregnet und die Vorhersage für den nächsten Tag war auch nicht besser…
Im Nachbarraum der Gaststube hatte sich am Abend eine Fußballtruppe niedergelassen, die ein Lied nach dem anderen trällerten. Mein Gott, waren die textsicher! Jedenfalls wurde der Gesang im Laufe des Abends immer lauter, dass wir Sorge hatten, die Nacht mit dem Kopfkissen über dem Kopf zu verbringen. Aber: Gesetz auf den Hütten – um 22 Uhr ist Nachtruhe. Sie haben sich alle daran gehalten.Read more
Tag 2
August 5, 2021 in Austria ⋅ ☁️ 9 °C
Holzgau – Modautal – Memminger Hütte
Über das Mädelejoch (1.974 m) nach Holzgau im Lechtal (1.070 m), weiter Fahrt ins Madautal (1.400 m) und Aufstieg zur Memminger Hütte (2.242 m)
Höhe aufwärts 1.200 m, abwärts 950 m, Gehzeit: 6 Stunden
Am Morgen hat man das Wetter schon gehört, der Regen trommelte aufs Dach. Na toll! Was soll’s, zuerst mal in den Waschraum. Zähneputzen mit gefühlt -20°C kaltem Wasser ist nicht schön, aber ich habe mich sogar nass rasiert. Wollte nicht aussehen wie ein alter Mann, auch wenn ich es bin. Da die Touren immer sehr früh losgingen, waren wir meist die Ersten, die los gewandert sind. Nach dem Frühstück, welches deutlich spärlicher als das Abendessen war, wurde alles zusammengepackt. Die Jacke aus dem Trockenraum war leider nur ansatzweise trocken. Keiner wollte so richtig vor die Tür, aber wir hatten unsere Regenschirme dabei, die wir auch wirklich brauchten. Also los! – mit gesenkten Köpfen stapften wir weiter bergan in Richtung Mädelejoch. Nach dem Erreichen des Mädelejochs (1.974 m) und somit dem Überschreiten der deutsch-österreichischen Staatsgrenze hörte der Regen langsam auf, um eine halbe Stunde später wieder einzusetzen. Zu früh gefreut. War jetzt auch egal, ich war durch. Meine Regenjacke war dann doch wohl keine richtige Regenjacke mehr. Nun hatte ich bereits Mühe mein altes iPhone trocken zu halten. Leider ist es mir nicht gelungen und erste Ausfallerscheinungen machten sich bemerkbar. Mist, dann kann ich gar keine Fotos machen.
Es ging immer weiter talabwärts (mit Blick auf einen auffallend spitzen Berg, den Namen habe ich leider vergessen) und der Regen lies dann doch tatsächlich nach. Vorbeikommend am Rossgumpen-Wasserfall, der meinem Handy den Rest gab, ging es weiter in Richtung Süden. Ein paar durchnässte Kühe standen am Wegesrand und ließen sich bereitwillig fotografieren.
Unterwegs fiel die Entscheidung die Hängebrücke bei Holzgau zu überqueren. Ein kleines Abendteuer ist immer gut. Die Seilhängebrücke ist 200 m lang und hat doch ein wenig geschwankt. Nach unten geschaut konnte man durchs Gitter in die Höhenbachtalschlucht hinabsehen. Man kann die Brücke umgehen, aber das war für uns keine Alternative. Von der Brücke konnte man unser erstes Zwischenziel an diesem Tag, die Ortschaft Holzgau, sehen. Unten angekommen, war eine kleine Mittagspause geplant, doch der Bus, der uns dann ins Parseiertal fahren sollte, kam eher. Die Zeit hat aber noch gereicht, damit der eine oder andere aus der Gruppe wichtige Telefonate machen konnte, da vorher kein Empfang war, während Raimund und ich einen Zirbenschnapsl getrunken haben. Gute Idee, Raimund!
Der Busfahrer muss wohl morgens irgendwas im Tee gehabt haben, denn er fuhr mit ordentlich halsbrecherischem Tempo ins Parseiertal, immer knapp am Abgrund lang. Mir macht das eigentlich nichts aus, diesmal habe ich doch tatsächlich selbst mitgebremst. Die Straßen waren meist unbefestigt und sehr kurvenreich, wir alle haben gehofft, dass er die Strecke wirklich kennt…
Im Parseiertal angekommen ging der Blick zur bewaldeten Steilwand hoch. Puh, da sollen wir hoch?! Das Wetter sah nun etwas besser aus, sogar die Sonne kam mal durch. Also mutig die Regenjacke in den Rucksack, um sie nach 15 min wieder anzuziehen. Irgendwie sollte ich mich nicht so aufregen, wenn es regnet… Mit dem steilen Anstieg hatte ich das Wasser trotzdem auf der Haut, weil ich geschwitzt habe, wie ein Elch.
Nachdem wir den Anstieg geschafft hatten, kamen wir an einem tosenden Wasserfall vorbei, an dem wir eine Rast einlegten. Über den Wasserfall ging eine Aluminiumbrücke, die gern als Motiv für Fotos genutzt wurde. Die Memminger Hütte war von hier noch nicht zu sehen, aber laut Johannes war es nicht mehr weit. Eine Anhöhe weiter hatten wir das kleine Wasserkraftwerk erreicht, welches die Energie für die Hütte liefert. Johannes erzählte uns vom Wasserkraftwerk, gesehen haben wir es nicht, da es unter einer Abdeckung versteckt lag.
Nach weiteren 30 min kamen wir auf der Hochebene an, welche vom Seekogel (2.412 m) flankiert war. Die Memminger Hütte liegt auf 2.242 m Höhe und war erst aus der Ferne zu sehen, nachdem wir ein Stück über die Hochebene gewandert sind. Hier kam das Highlight des Tages: mehrere große Herden mit Steinböcken. Zuerst nur 3-4 Tiere, die sich die Hörner zaghaft gegenseitig an die Rübe gehauen haben, aber ein Stück weiter ca. 20-30. Und so nah, wie man sie fast nur im Zoo sehen würde. Nachdem wir uns satt gesehen haben und jeder gefühlt 100 Fotos gemacht hat, ging es weiter zur Hütte, die wir doch alle etwas fußlahm erreichten, obwohl es erst 14 Uhr war. Eigentlich hatten wir noch einen halben Tag Zeit.
Egal, wir haben unsere Nachtlager bezogen, wir hatten Glück und unser Matratzenlager war etwas abgetrennt am Ende der Hütte. Leider waren wir dann in der Nacht doch nicht unter uns, da noch weiteres Pärchen eingezogen ist. Beide waren etwas unruhige Gesellen mit schwacher Blase und der Vorliebe ständig zu stöhnen. Naja, auf der Hütte soll man ja nicht schlafen, sondern nur die Nacht verbringen.
Während Raimund und Johannes ihren Schnelltest machen mussten, haben wir es uns im Gastraum der Hütte gemütlich gemacht und uns gegenseitig jeder einen Schwank aus der Jugendzeit erzählt. Allerdings mussten wir später in einen Zeltanbau umziehen, da die Belegung der Hütte wohl doch stark war.Read more
Tag 3
August 6, 2021 in Austria ⋅ ☀️ 19 °C
Memminger Hütte – über die Seescharte – Zams (Inntal) – Piller (Pitztal)
Aufstieg zur Seescharte (2.664 m) und gaaanz langer Abstieg durch das Lochbachtal und das Zammer Loch nach Zams im Inntal (800 m)
Höhe aufwärts: 450 m, Höhe abwärts: 1.900 m, Gehzeit: 6 Stunden
Bereits um 7:15 Uhr waren alle Tourteilnehmer wieder abmarschbereit. Es war sowieso schön, dass niemand getrödelt hat und wir auf jemanden warten mussten. Vorbei an den 3 Bergseen (Unterer, Mittlerer und Oberer Seewisee) – im Unteren war am Abend zuvor tatsächlich jemand baden (nichts für mich – Warmduscher!) – haben wir wieder eine Herde Steinböcke gesehen. Der Aufstieg zur Seescharte lag vor uns und nach ca. 1 Stunde hatten wir den steilen Anstieg über Geröllfelder bis zur Seescharte (2.599 m) geschafft. Das war dann auch der Übergang zum Ötztal.
Der Blick auf die Oberlochalm und den dahinfließenden Bach, sowie auf die Silberspitze mit ihrer sehr markanten spitzen Spitze (!) ist wunderschön. Kurz hinter der Scharte haben wir Pause gemacht und die Aussicht genossen. Leider nicht lang, es fing wieder an zu regnen. Och menno! Der Abstieg von der Seescharte bis zur Oberlochalpe führte hinab über steiles Geröll und dauerte in etwa 1 Std. So richtig steil wurde es aber erst dann, als wir über den sogenannten „Schweinerücken“ abgestiegen sind. Mit jedem Meter abwärts wurde das Wetter besser, so dass man wieder die Regenjacke verstauen konnte. Etwas später wurde der Weg leichter und führte uns über Wiesen und lichte Wäldchen zur Oberlochalm, an der wir Rast machten. Johannes meinte, dass die Unterlochalm heute bewirtschaftet sein würde. Wir mussten nur dem Lochbach folgen. Gesagt getan, Raimund und ich freuten uns schon auf ein schönes Bierchen/Radler. Etwas leckeres für eine Brotzeit gab es natürlich auch.
Das war aber noch nicht mal die Hälfte des Tagesmarsches, denn wir mussten erst noch durch das Zammer Loch. Rechts und links waren die Silberspitze und der Raue Kopf. Es wurde immer wärmer und Johannes berichtete von einer Tour bei der er schon 30°C während der Wanderung hatte.
Wir stiegen immer weiter in die Schlucht ab, mit ihren Fichten, Föhren und Lärchen. Nachdem wir das Zammer Loch durchquert hatten, öffnete sich ein wunderbarer Blick über Zams oberhalb der Ortschaft. Die Sonne brannte nun schon ordentlich, ohne Sonnenschutz hätte man auf dieser Tour am Abend einen schönen Sonnenbrand gehabt. Am Aussichtspunkt hat sich jeder erst mal einen Schattenplatz gesucht. Die Füße haben schon gut gequalmt und dabei waren wir noch nicht mal am Ziel. In nicht endenden Serpentinen schlängelte sich der steile Pfad durch viel loses Gestein entlang der Steilwand hinab. Um nach Zams zu gelangen mussten wir eine überdachte Autobahn überqueren. Der Weg führt alsbald zu einer kleinen hübschen Kapelle (Burschelkapelle). Yeah – geschafft! An der Kapelle war ein Brunnen mit herrlich klarem Wasser. Anne und ich kühlten uns im Wasser erstmal die Arme, war das schön. Während alle wieder ihre Handy zückten, um Nachrichten zu lesen oder zu telefonieren, haben wir auf unser Taxi gewartet, welches uns kurze Zeit später ins Bergdorf Piller zum Gasthof Sonne fahren sollte. Unterwegs konnte keiner eingeschlafen – obwohl es doch anstrengend war. Immerhin wurden heute 2.300 Höhenmeter (450 m aufwärts, 1850 m abwärts) bewältigt. Aber der Taxifahrer muss im früheren Leben Formel 1 gefahren sein. Der alte VW-Bus ohne Klimaanlage wurde ganz schön getreten, so dass alle froh waren, als wir heil am Gasthof ankamen.
Hier wurden schnell die Zimmer bezogen, ich teilte mir eins mit Raimund. Die Zimmer waren klein, aber in Ordnung. Das Wetter war noch schön, so dass wir uns was Leckeres zu trinken gönnten. Natürlich durfte auch ein Zirbenschnapsl nicht fehlen. Einige von uns hatten eine Massage gebucht, ich habe mir die Beine massieren lassen. Das tat vielleicht gut! Nur meine Knie waren durch die lange Abwärtstour etwas in Mitleidenschaft gezogen. Blöd, wenn man alt wird.
Das Abendessen war nicht der Brüller, obwohl sich das ältere Gastwirtspaar viel Mühe gegeben hat, um uns zufrieden zu stellen. Es gab Schnitzel mit Pommes und Ketchup.Read more
Tag 4
August 7, 2021 in Austria ⋅ ☁️ 10 °C
Piller (Pitztal) – Mittelberg – Braunschweiger Hütte
Mit dem Taxi in Richtung Mittelberg (1.734 m) und Aufstieg zur Braunschweiger Hütte (2.760 m) Höhe aufwärts: 1.100 m, Gehzeit: 5 Stunden
Am nächsten Morgen meinte Raimund, dass ich wohl etwas schnarche, was ich natürlich abstreite.
Nach dem Frühstück ging es dann ganz sanft aus dem Ort hinaus in Richtung Wald. Wir haben uns sozusagen eingelaufen. In der Ortschaft Wenns angekommen haben wir ein Taxi bestiegen, um nach Mittelberg (1.734 m) am Ende des Pitztals gefahren zu werden. Für meinen Geschmack sind wir zu viel Taxi gefahren, denn wir hätten es durchaus geschafft über die Berge nach Mittelberg zu laufen, allerdings mit 2 zusätzlichen Tagen.
In Mittelberg angekommen, ging es einen breiten Wirtschaftsweg entlang des Flüsschens Pitze zum Gasthaus „Gletscherstube“, hier habe ich mir eine Holunderlimonade gegönnt. Von der Terrasse hatte man einen guten Blick ins Talende und den Berg, den es noch zu erklimmen galt. 1.100 m Aufstieg standen jetzt auf dem Programm. Das Wetter war heute super, es sollte also ein schöner Wandertag werden. Nach kurzer Zeit kamen wir einem mächtigen Wasserfall näher, der von den dahinschmelzenden Gletschern weit oben gespeist wurde.
Kurz danach ging es, einem kleinem Abzweig folgend, steil aufwärts, unterwegs waren auch einige Stahlseile in der Wand notwendig, um sich und den Rucksack nach oben zu ziehen. Die Blicke ins Tal zurück waren wieder sehr schön. Die letzten Meter bis zur Braunschweiger Hütte (2.759 m) wurden nach meinem Gefühl immer steiler. Aber haben wir es tatsächlich geschafft und die Hütte erreicht. Von hier hatte man einen fantastischen Blick auf die Gletscherlandschaft. Schon dafür hat sich der Aufstieg gelohnt.
In der Hütte hatten wir wieder unseren eigenen Tisch, mit Blick auf die Gletscher. Das Zimmer war schnell bezogen, diesmal waren wir alle 7 in einem separaten Raum untergebracht. Raimund hatte das Vergnügen neben mir zu liegen. Mein Glück war es nicht, da Raimund selbst einen leichten Schlaf und mir denselben geraubt hat, weil ich angeblich schnarche…
Das Abendessen war sehr lecker und wir hatten alle mächtig Hunger. Auf was wir nicht eingestellt waren: die liedfeste Fußballertruppe war wieder da und hat den ganzen Abend für lautstarke Unterhaltung gesucht. Hatten die einen Auftritt oder so!? Wir saßen zum Glück in der äußersten Ecke vom „Fußballertisch“ entfernt.
Vor dem Schlafengehen bin ich noch unter die Dusche gegangen, 3 € für 3 Minuten warmes Wasser, es musste eben schnell gehen. Und nach der abgelaufenen Zeit wurde das Wasser wirklich eiskalt…Read more
Tag 5
August 8, 2021 in Austria ⋅ 🌫 8 °C
Braunschweiger Hütte – Pitztalerjöchl – Rettenbachferner – Panoramahöhenweg – Vent
Von der Braunschweiger Hütte übers Pitztalerjöchl (2.980 m) zum Rettenbachferner. Über den Panoramaweg nach Vent (1.869 m) im hintersten Ötztal.
Höhe aufwärts: 450 m, Höhe abwärts: 1.420 m, Gehzeit: 6 Stunden
Der Morgen begann nicht so, wie ich ihn mir gewünscht hatte. Ich war schlecht gelaunt, Raimund hat mich am schlafen gehindert und immer an mir gezerrt, wenn ich den Versuch unternommen hatte „angeblich“ zu schnarchen. Naja, und das Wetter war zudem wieder saumäßig. Nebel und Nieselregen, die schönen Aussichten von gestern waren dahin. In voller Regenmontur und mit eingezogenen Kopf machten wir uns auf den Weg in Richtung des Pitztalerjöchl. Raimund unternahm alles, um mich wieder aufzuheitern – was ihm dann auch gelungen ist.
Einen gerölligen Hang ging es langsam über einige Schneefelder hinauf. Mit jedem Schritt wurde das Wetter besser, der Nebel lichtete sich und die Wolken haben zusammen mit den Gletschern des Pitztals ein wunderbares Panorama ergeben. Das hat alles wieder wett gemacht. Dann kam auch noch die Sonne raus. Perfekt! Der Aufstieg war langsamer als geplant, weil man sich einfach nicht satt sehen konnte. Kurz unterhalb des des Jöchls, einem Übergang vom Pitz- ins Ötztal war ein Plateau von dem man fast eine 360°-Aussicht hatte. Man konnte auf die Braunschweiger Hütte, ins Pitztal zurück und auf die Gletscherlandschaft schauen. Ideales Fotomotiv. Dann ging es die letzten Meter zum Jöchl weiter, der Weg war allerdings nicht gut ausgeschildert und man musste wie ein Steinbock über große Felsbrocken springen. Und immer am Abgrund entlang, aber das macht es ja so spannend. Auf der anderen Seite des Jöchls, also auf der Ötztaler Seite, war alles noch im Nebel, so dass man nur die herausragenden Bergspitzen erkennen konnte. Johannes ist vorgegangen, weil er den Weg erkunden wollte. Wir haben uns dann ausgiebig die Landschaft angeschaut. Ich nutzte die Gelegenheit, wieder meine Gamaschen anzuziehen, da vor uns größere Schneefelder lagen. Schnee im Schuh muss nicht sein. Kurz darauf kam Johannes von der „Erkundungstour“ zurück, der Weg war frei und aus seiner Sicht sicher. Wir haben ihm voll vertraut. Es ging dann auch über größere Schneefelder entlang eines steilen Hangs abwärts. An einer Stelle musste wir uns über einem Felsabsatz, der ca. 4-5 m hoch war abseilen. Cool, haben wir das auch mal gemacht. Geradeaus laufen kann jeder. Ein wenig Abendteuer darf dabei sein.
Irgendwann sind wir an der Bergstation des Ötztaler Skigebietes angekommen, die sich gleich neben dem Rettenbachferner befindet und die ich schon mal zusammen mit meinem Mädel besucht hatte. Damals allerdings sind wir mit dem Auto hochgefahren. Hier ist alles sehr touristisch für den Skibetrieb ausgelegt, aber es war natürlich wenig Betrieb. Die Saison beginnt erst noch. In der Bergstation haben wir uns einen Kaffee geholt und wieder das Internet genutzt, um Nachrichten zu versenden oder zu lesen. Und die Akkus der Handys aufzuladen, das war in den Hütten schon etwas komplizierter. Gut, wenn man eine Powerbank dabei hat.
Der Nebel wollte sich nicht so richtig verziehen, so dass uns der Blick auf das Skigebiet verwehrt blieb.
Ein Taxi mit „007-James Bond, Skyfall“-Beschriftung und Berliner Fahrer hat uns dann durch den Gletschertunnel gefahren, mit einem Fahrstil wie man ihn in Berlin an den Tag legt. Ruppig und schneller als erlaubt.
Auf der anderen Seite des Tunnels war auch Nebel, genau „richtig“, um einen Panoramaweg entlang zu laufen. Aber es hilft ja nichts, also los. Wir konnten nur die Aussichten ins Ötztal vermuten. Es ging eine ganze Weile leicht bergauf und bergab, immer oberhalb des Venter Tals entlang. Ab und zu riss dann die Wolkenbank mal auf und zeigte ganz zaghaft die gegenüberliegende Bergkette. Und wieder war es beeindruckend, wenn man die Gipfel sah.
An einem kleinen Gebirgssee wollten wir Rast machen, da sich nun die Sonne immer mehr zeigte und ein Picknick mit wärmenden Sonnenstrahlen sehr angenehm ist. Aber Pustekuchen, kaum hatten wir den Rucksack abgelegt, kamen die Wolken wieder angeschwebt. Und dann ist es schnell kalt. Also nur eine kurze Rast und weiter den Weg entlang. Nach weiteren 30 Minuten hatte das Wetter doch Mitleid mit uns und die Wolken wurden weniger. Somit konnten wir auch schon in der Ferne, am Ende des Tals, die Ortschaft Vent erkennen.
Komisch, es sah noch genauso aus, wie damals, als ich vor einigen Jahren hier schon mal war. Denn von Vent sind wir (Gritti und ich) zur Breslauer Hütte und weiter zur Vernagthütte gewandert, um dort zu übernachten.
Morgen sollte es genau auf der anderen Seite des Tals zur Similaun-Hütte gehen. Aber dazu später.
Vent kam immer näher, aber wir waren noch ganz schön weit oben, somit war ein Knie beanspruchender Abstieg angesagt. Ich musste mir ein Schmerzmittel, welches ich von Kathrin geschnorrt hatte, einwerfen, mein rechtes Knie wollte nicht mehr. Aber ich war damit nicht allein, habe ich mitbekommen.
Vorher noch ein Gruppenfoto am Bilderrahmen zum Taleingang gemacht. Beim Abstieg musste wir um die Kuhfladen Slalom laufen, warum in aller Welt sch… die auf den Weg?
In Vent angekommen dachten wir, dass wir im 4*Hotel „Post“ untergebracht sind, aber diesmal waren wir im Hotel „Wildspitz“ untergebracht. Ein sehr schönes Hotel gleich am Ortseingang, gegenüber der Kirche, welche nicht um 6 Uhr morgens läutet…
Nachdem wir die Zimmer bezogen hatten, gönnten wir uns im Hotel „Post“ ein Bierchen/Radler und danach sollte es in die Sauna gehen. Die beiden Hotels haben familiäre Beziehungen, so dass wir dort die Einrichtung nutzen konnten.
Für mich war dazu ein Germknödel mit Mohn angesagt. Nach langer Wanderung und an frischer Luft – perfekt! Stefan und Kathrin waren schon im Schwimmbad und wir haben ihnen ein Bier durchs Fenster gereicht, wollten sie nicht zuschauen lassen.
Später sind wir auch in die Sauna gegangen. Die Sauna war klein, aber sehr schön angelegt. Es tat jedenfalls gut.
Das Abendessen im „Wildspitz“ war sowas von lecker! Und hier gab es den besten Zirbenschnapsl auf der ganzen Tour. Raimund, Stefan und ich mussten den einfach kosten.Read more
Tag 6
August 9, 2021 in Austria ⋅ ⛅ 10 °C
Vent – Similaun Hütte – Ötzi Fundstelle
Von Vent in das Niedertal, vorbei an der Martin-Busch-Hütte (2.527 m) zur Similaun-Hütte (3.019 m), Besuch der Ötzi-Fundstelle
Höhe aufwärts: 1.380 m, Höhe abwärts: 250 m, Gehzeit 6,5 Stunden
Der nächste Morgen versprach perfektes Wetter, strahlend blauer Himmel und angenehme Temperaturen. Wir waren auch alle gut gelaunt, denn heute ging es nochmal richtig hoch und zum Highlight der Tour. Los ging es, Schritt für Schritt – wie ein alter Diesel – bergauf. Vorbei an Almen
auf denen sich die Schafe in der Sonne ausgeruht haben, führte ein breiter Wirtschaftsweg zur Martin-Busch-Hütte. Unterwegs boten sich wieder sehr schöne Aussichten. Dafür wandert man ja, denke ich. An der Martin-Busch-Hütte angekommen das erste Bierchen/Radler des Tages. In der Sonnen sitzend haben alle ganz andächtig auf die gegenüberliegende Berge geschaut.
Nach dieser kurzen Stärkung ging es entlang des Niedertalbaches immer weiter bergauf. Immerhin mussten heute wieder 1.100 Höhenmeter geschafft werden. Die Similaunhütte versteckte sich noch hinter einem davorstehenden Berggrat, so dass wir nicht einschätzen konnten wie lange wir noch brauchen werden. Aber irgendwann haben wir es geschafft, die 3.000 m waren überschritten. Raimund freute sich besonders, da er bisher noch nie über 3.000 m hoch war.
Leider zogen die Wolken, von Italien kommend, wieder zu, so dass die Aussichten wieder schlechter wurden.
Die Similaun-Hütte, die genau auf der österreichisch-italienischen Grenze lag, war schon gut besucht. Nach dem Bezug der Zimmer – ich war diesmal von der Gruppe getrennt im Nachbarzimmer – ging es dann noch zur Fundstelle des Ötzi. Der Weg war beschwerlich und nicht ganz ohne. Ab und zu musste man sich an Ketten und Stahlseilen festhalten, zusätzlich ging es auch über Schneefelder, die am Nachmittag schon weich waren. Deshalb bin ich doch ab und zu im Schnee eingesunken. Nach ca. 1 Stunde sind wir an der Ötzi-Fundstelle angekommen. Dort hatte man eine Steinpyramide aufgebaut. Ganz richtig ist dieser Ort nicht, der befindet sich 70 m weiter, ist aber schwerer zugänglich.
Die Steinpyramide war gut zu sehen, allerdings waren wir in den Wolken, somit war eine Aussicht auf die Berge um uns nicht möglich.
Nach der Fotosession vor der Pyramide sind wir wieder zur Similaunhütte abgestiegen. Das Wetter wurde leider nicht besser, nur ganz kurz ließen sich die Gipfel erahnen. Boah, wenn wir morgen auf den Similaun wollen, dann sollte nicht solch ein Wetter sein. Und auf dem Rückweg bin ich ausgerutscht und habe mich ordentlich auf die Nase gelegt. Kurz geflucht und dann ging es weiter.
Bei Abendessen haben wir unseren Bergführer Thomas kennengelernt. Wir waren natürlich gespannt, wie seine Prognosen für morgen sind. Er war ganz entspannt. Na schauen wir mal. Nach 2-3 Bierchen/Radlern und diesmal nur einem Zirbenschnapsl sind wir bald im Bett gelandet, immerhin sollte um 5 Uhr aufgestanden werden. In der Nacht habe ich ab und zu aus dem Fenster geschaut, hmm, es war Sternenhimmel. Es könnte also was werden…Read more
Similaun
August 10, 2021 in Italy ⋅ ⛅ 12 °C
Similaun Hütte – Similaun Besteigung – Schnalstal – Meran
Besteigung des Similaun (3.606 m) und Abstieg nach Obervernagt (1.690 m) im Schnalstal, Fahrt nach Meran
Höhe aufwärts: 630 m, Höhe abwärts: 1.930 m, Gehzeit 7 Stunden
Es war noch dunkel als wir unsere Sachen gepackt haben, wir waren die Ersten, die aufgestanden sind. Gut, dass ich meine Stirnlampe mit Rotlicht hatte, somit würde ich meine Bettnachbarn nur durch mein Rascheln mit den Klamotten stören. Aber ich war gut vorbereitet, hatte mir alles am Abend zurecht gelegt.
Draußen an der frischen Luft konnten wir sehen, dass es ein sehr guter Tag für einen Aufstieg zum Gipfel des Similaun werden sollte. Ein leichtes Morgenrot im Osten war bereits zu erkennen. Es war kalt, aber die Luft war glasklar. Nachdem wir unsere Hüftgurte angelegt hatten und alle voll motiviert waren, ging es in langsamen Schritten immer unserem Bergführer hinterher. Johannes war im Gänsemarsch der Letzte. Es sollte schließlich keiner verloren gehen und als Ötzi 2.0 enden. Über Steinfelder ging es leicht aufwärts in Richtung des Niederjochferners. Dabei wechselten wir die Grenze zu Italien. Auf dem Ferner (Gletscher) angekommen wurden erstmal die Steigeisen angelegt, denn ohne diese wären wir nicht über das Eis gekommen. Mit viel Respekt vor dem Gletscher sind wir miteinander durch Seile verbunden über denselben aufgestiegen. Die Gletscherspalten, die ab und zu auftauchten, waren spannend anzusehen, nur reinfallen sollte man dort nicht.
Nach dem Eisfeld ging es steil einen sehr engen Stein-Grat empor. Die dünne Luft hier oben hat der eine oder andere doch schon etwas gemerkt. Kurz unterhalb des Gipfels haben wir unsere Stöcker abgelegt und ich meine zweite Jacke angezogen, da es durch den Wind sehr kalt war.
Nach ca. 2 Stunden Gehzeit sind wir auf dem Gipfel des Similaun angekommen und waren alle glücklich, dass wir die Tour gemeinsam geschafft und heute so ein perfektes Wetter hatten. Wir konnten über 100 km schauen und hatten einen perfekten 360°-Rundumblick. Die Landschaft um uns wirkte durch die Gletscher noch beeindruckender. Es war erstaunlich wenig Wind hier oben, so dass wir die Aussicht auch genießen konnten. Thomas hatte für jeden einen Gipfelschnaps dabei, den wir alle dankend angenommen haben. Am Gipfelkreuz wurden dann massig Fotos gemacht. Nach ca. 45 Minuten sollten wir absteigen, obwohl wir uns von der Aussicht gar nicht trennen wollten.
Aber mit höher steigender Sonne wird das Eis des Gletschers weich und somit besteht die Gefahr des Einsinkens. Nach dem Passieren des Stein-Grates ging es wieder über den Gletscher in Richtung Similaun-Hütte zurück. Und das Eis war tatsächlich schon ein wenig weich, nicht so hart wie heute morgen. Der eine oder andere in der Gruppe versankt schon bis zu den Knien im Schnee. Thomas, als vorangehender Bergführer, ist dann tatsächlich in eine Gletscherspalte bis zur Brust gerutscht. Kurzer Schreckmoment, aber er konnte sich selbst befreien und hat es mit Humor genommen.
Nachdem wir an der Hütte angekommen waren, haben wir erst so richtig realisiert, dass wir heute dort oben waren. Und da jetzt wieder Wolken aufzogen, waren wir umso glücklicher, dass das Wetter so passend war, um den Similaun zu besteigen.
Nun war das Umpacken der Rucksäcke angesagt, jeder hat sich noch etwas zu Essen aus der Hüttenküche geholt (ich: Nudelsuppe mit Wursteinlage) und dann hieß es Abschied nehmen von Thomas, der uns sicher hoch- und auch wieder runtergeführt hat.Read more
Vernagt - Meran
August 10, 2021 in Italy ⋅ ☀️ 28 °C
Der Abstieg ins Schnalstal ging dann gegen Mittag los. Die ersten 90 min waren sehr steil und mein Knie meldete sich schon mal. Na super, immerhin waren jetzt 1.300 Höhenmeter angesagt. Im Schnalstal hat man die warme Luft, die aus Italien kam, schon deutlich gespürt, es wurde mit jedem Meter wärmer. Der Weg schien kein Ende zu nehmen, also war eine ausgiebige Pause angedacht. Die Sonne brannte nun schon ordentlich, so dass wir die Baumgrenze erreichen wollten, um mehr Schatten zu haben. An einer Kuhweite mussten wir ein Gatter passieren, aber die beiden Jungkühe machen keine Anstalten das Gatter frei zu machen. Romy wurde erstmal der Schweiß von den Waden abgeleckt. Und die Jacke von ihr schien ihnen auch zu schmecken. Irgendwann ließen sich die beiden aber dazu bewegen, den Weg frei zu machen, so dass wir die letzten Meter noch bis zur Jausenstation Tisenhof weiterlaufen konnten. Hier wartete bereits unser Taxi nach Meran. Im Taxi waren die meisten ruhig, jeder hat gespürt, dass es nun den Ende entgegen geht. Immerhin haben wir uns in den letzten 7 Tagen kennen- und schätzen gelernt, wir hatten alle ungefähr das gleiche Level, es gab keinen Streit und kein böses Wort. Es hat einfach gepasst.
Und wir waren froh, dass wir niemanden zurücklassen mussten und alle die Tour geschafft haben.
In Meran angekommen haben wir das kleine Hotel „Siegler im Thurm“ bezogen. Ich habe wieder mit Raimund das Zimmer geteilt. Draußen waren 30°C, so dass ich mich schon ganz doll auf den Hotel-Pool gefreut habe. Vorher aber ein schönes Radler.
Meine Knie taten mir ganz schön weh und ich war dann doch froh, aus den Wanderstiefeln zu kommen. Aber oh weh, was war das? Meine beiden großen Zehen waren unter den Nägeln völlig blau. Noch tat nichts weh, aber es sah komisch aus. Nun ja, der Schmerz lies nicht lange auf sich warten, ich konnte kaum noch laufen und kam mir vor wie nach einem 24 h Ritt. Ich habe meine Füße im Pool gekühlt in der Hoffnung, dass es hilft und dabei mit Raimund auf das Ende der Tour angestoßen.
Am Abend haben wir uns nach dem Abendessen nochmal alle zusammen gesetzt und Revue passieren lassen. Jeder hat von Johannes im Auftrag der Bergschule einen Stein bekommen, den der Inhaber selbst gesammelt und veredelt hat. Veredelt mit einem kleinen Schmuck und dem Schild E5, als Erinnerung, dass man diesen geschafft hatte. Wir haben uns dann voneinander verabschiedet, da wir nicht alle zusammen nach Oberstdorf fahren würden.
Wegen des Bahnstreikes sind Johannes, Romy und ich mit dem Flixbus um 5:40 Uhr am nächsten Morgen (11.08.2021) nach München gefahren, während alle anderen mit dem Taxi der Bergschule nach Oberstdorf gefahren sind.
Der Flixbus war pünktlich in München und ich konnte nach 4 Stunden Wartens den ICE nach Berlin nehmen, der bedingt durch den Streik sehr, sehr voll war. Aber ich bin dann gegen 19 Uhr geschafft und glücklich in Berlin angekommen. Und ich war froh, dass mich Gritti vom Hbf abgeholt hat, denn mit meinen Füßen konnte ich nicht mehr richtig laufen.
Es war eine Tour mit dem Titel: Soweit die Füße tragen!Read more


























































































