• Cuxhaven nach München mit dem ICE

    March 18, 2025 in Germany ⋅ 🌙 1 °C

    Nach unserer Helgolandreise gab es für meinen Mann und mich ein Zwischenstopp in Cuxhaven. Die Überfahrt von Helgoland dauert 2,5 h die wie im Fluge vergehen. Pünktlich mit dem Einlaufen der MS Helgoland um 18:30 Uhr im Hafen von Cuxhaven sehen wir den gigantischen Sonnenuntergang über dem Meer. Wir laufen schnurstracks mit unseren Koffern im Schlepptau zum Hotel Deichvoigt. Bei Ankunft im Hotel begrüßt uns eine freundliche Dame und gibt uns die Zimmerschlüssel. Diesmal sind wir im Nebengebäude untergebracht. Nach kurzen Bedenken ziehen wir unser Gepäck mit Ach und Krach die Stiege hoch, an der sich an den Stufen der Teppich bereits wellt. Einatmen ausatmen, der Ehemann öffnet den Raum und Surprise wir landen in einem Miniappartment mit einem großen Badezimmer, Sauna und XXL-Dusche. Mein Mann schaltet sofort die Sauna an, ob wir noch saunieren bleibt offen.

    Die letzte vernünftige Mahlzeit war das Frühstück im Hotel Rickmers in Helgoland. Deswegen Koffer notdürftig auspacken und nach einem Fußmarsch gibt es beim Piervier in Cuxhaven bei der alten Liebe für mich eine Ofenkartoffel mit Nordseekrabben. Nach dem Restaurantbesuch spazieren wir zum Hotel zurück und eins war klar mit gesättigtem Bauch geht Sauna gar nicht. Deswegen sind wir sofort in die Nachtwäsche gehüpft und ab in das nostalgische Bett. Wir zappen im TV und landen bei „Wer wird Millionär“ dort trifft Günther Jauch auf einen superschlauen Kandidaten. Meine Augen flackern vor Müdigkeit, logisch wir waren heute bereits bei der langen Anna auf Helgoland und haben einige km zu Fuß hinter uns.

    Durch unsere innere Uhr erwachen wir um 06:30 Uhr mit Sonnenaufgang. Tasse Kaffee, duschen und geschwind Klamotten packen geht es die Stiege abwärts Richtung Frühstücksraum im Hotel Deichvoigt. Ein Vollkornbrot mit Lachs und ostfriesischen Tee geben mir genug Power für die Weiterreise, die ich alleine antrete. Den Mann lasse ich in Cuxhaven, eine Arbeitskollegin von meinem Mann fährt mich bei strahlendem Sonnenschein an den Bahnhof in Cuxhaven. Dort steht bereits der Regionalzug nach Hamburg-Harburg. Von dort geht es weiter mit dem ICE nach München. Denkste Puppe! Keine 5 Minuten nach dem der RB in Cuxhaven losfährt, startet eine Durchsage. Der Zug fährt nur bis Stade, von dort aus die S Bahn bis Horneburg. Ab Horneburg SEV nach Buxtehude, dann wieder S-Bahn nach Hamburg -Harburg. Ein Ehepaar welches mit fetten Koffern Richtung Süden wollen geraten in Panik. Als Deutschlandkarten -Besitzer haben sie die Regional Verbindungen darüber laufen. Ob jetzt noch das ICE-Ticket zählt? Ein gütiger Schaffner stellt ihnen ein Wisch aus, das die Zugverbindung aufgehoben ist.

    In Stade verlassen alle Passagiere den Zug und springen in die 30 Minuten später abfahrende gegenüberliegende S-Bahn. Eine ältere Dame drückt am Gleis den Notruf, rasch stellt sich raus sie wollte den Infoknopf betätigen. Eine andere Frau verpasst ihren Gerichtstermin in Düsseldorf. Wir Reisenden beruhigen uns gegenseitig, indem wir an den Grund der Streckensperrung zwischen Hamburg -Harburg und Buxtehude denken. Es könnte ein Personalschaden sein, der mit Sicherheit tausendmal schlimmer ist, wie den gebuchten Zug nicht zu erreichen. In Horneburg verlassen wir die S Bahn. dort stehen bereits 2 Busse und Taxis. Sie transportieren uns alle Mann nach Buxtehude. Der Busfahrer gibt Vollgas und trotzdem schwindet die nächste Zugverbindung ab Hamburg-Harburg nach München. In Buxtehude sehe ich die blinde Passagierin wieder, sie steigt aus einem der Taxis. Wenn ich jetzt nur einen fliegenden Teppich wie Zauberer Petrosilius Zwackelmann hätte. Doch Zwackelmann ist bereits über alle Berge und hat Buxtehude bereits verlassen. Wer den Zauberer nicht kennt, er stammt aus dem Kinderbuchklassiker Räuber Hotzenplotz.

    Okay ich fahre nach Hamburg Hbf durch. Dort gibt es viele Möglichkeiten nach München zu gelangen. Schnell noch ein Franzbrötchen gekauft, wer weiß wie die Reise weitergeht. An Gleis 14 herrscht Chaos unter den Reisenden. Mein ICE sollte 13:24 Uhr über Hannover - München starten. Ein verspäteter ICE von 105 Minuten blockiert Gleis 14. Auf diesem ICE steht auf einmal auch Richtung München. Da glaubt doch keiner mehr an Richtigkeit.

    Niemand hat mehr eine Ahnung weder Reisende noch DB-Angestellte. Eine ältere Dame wurde von ihrem Sohn mit Koffer an Gleis 14 abgestellt, der muss als Arzt schnell wieder in die Praxis. Ich helfe ihr die nächste Verbindung über DB Navigator nach Münster Westfalen zu finden, die nächste betagte Frau muss nach Dortmund erneut zücke ich mein Handy und unterstütze die beunruhigt Frau. Ein Angestellter der Bundesbahn rät mir keiner dieser dubiosen ICE‘s zu nehmen. Er sagt: In 6 Minuten ab Gleis 11 über Berlin ein durchgängiger ICE nach München. Ich schnappe meinen viel zu schweren Koffer und renne die Treppen hoch um von Gleis 14 auf Gleis 11 zu wechseln. Mit großem Geschnaufe lande ich im ICE und treffe in dem Wagon, in dem ich mich niederlasse , die Frau aus Stade mit dem Deutschlandticket. Ihr Mann ist separat über Hamburg - Harburg weitergereist nach Augsburg und sie war auf dem Weg nach Berlin. Blickt da einer noch durch.

    In einem Vierer-Abteil bekomme ich einen unreservierten Sitzplatz bei Vater, Mutter, Kind. Während die Mutter häkelte und das Kind mit Kopfhörern ein Video über Handy schaute bekam der Vater neben mir ein Hustenanfall sondergleichen. Als beherzte Krankenschwester fragte ich den Mann, ob ich ihm auf den Rücken klopfen soll. Mittlerweile klang sein Gehuste eher wie Verschlucken bei dem der Schluck Wasser aus der Flasche nichts verbesserte. Er hielt mir sein Google Translater unter die Nase, darauf stand ungelogen. „Lass mich dein Kitzeln trocknen“. Was war das denn? Ich bekam erstmal einer meiner Lachanfälle und der Typ neben mir schaute mich verdutzt an. Sicher meinte er dass sein Hals trocken ist und es dort kitzelt. Ich verspeise mein Franzbrötchen und hole mir noch einen Kaffee im Zug. Der Geschmack von Zimt beruhigt mich ein wenig, denn eigentlich wollte ich mich um 18:30 Uhr am Hbf in München mit meiner Tochter treffen. Unterdessen arrangiere ich meine Nachbarin, welche Ina vom Bahnhof Seeshaupt frühzeitig abholt. Meine Tochter hat heute ihren ersten Arbeitstag beim Herder Verlag in München. Sie lebt mit ihrem Mann in Stuttgart und deswegen war die Übernachtung geplant. Da ging unsere Planung wohl komplett daneben.

    Nach 2 h sind wir in Berlin Hbf, dort steigen ein Haufen Menschen aus. Mit von der Partie Vater, Mutter, Kind und die Frau mit dem besagten Deutschlandticket. Sie überlässt mir ihren Sitzplatz, da ich lieber in Fahrtrichtung sitze wechsle ich nochmal die Sitzgruppe. In den Nachrichten lese ich, dass ein E-Scooter Fahrer mit 22 Jahren in Buxtehude trotz geschlossener Halbschranken und rotem Blinklicht die Gleise überquert hat, dabei hat der die S Bahn übersehen, die hat ihn meterweise mit geschliffen. Das ist wirklich ein tragischer Unfall an so einem stinknormalen Dienstagvormittag.

    Es kehrt Ruhe ein im ICE und eins ist klar heute komme ich zwei Stunden später in München an als geplant. Ich denke derweil an AnNa von Rosenstolz als ich durch Berlin fahre, eine mega Stimme verstummte, doch im Herzen lebt sie bei mir weiter. Mit „Gib mir Sonne“ auf dem Ohr fahre ich mit dem Sprinter flugs nach München.

    Meine Tochter sitzt mittlerweile mit Wärmeflasche am Bauch in unsere Wohnung in Bayern, ich hänge in Erfurt im ICE rum und mein Mann ruft aus Cuxhaven an und hat Hunger.

    Wer schafft es schon an einem Tag durch 3 Großstädte zu reisen Hamburg - Berlin - München. Der ICE 709 ist die ganze Strecke überpünktlich. Ab München-Pasing geht es weiter Richtung Seeshaupt. Ab Tutzing weist der RB 66 eine gähnende Leere auf. Der 3 min Sprint in Tutzing mit dem RB Wechsel Richtung Kochel wäre auch gelungen. Der Zugbegleiter auf der letzten Fahrt sagt zu mir: eine lange Fahrt geht zu Ende, ich wünsche Ihnen gutes Ankommen. Diese Freundlichkeit begeistert mich.

    In Seehaupt steige ich mutterseelenalleine aus dem Zug und hoffe das mein Auto anspringt. Noch einmal den schweren Koffer ins Auto hieven und dann nach einem 12 h Ritt zu Hause ankommen. Dort begrüßt mich liebevoll unser Katze und meine Tochter liegt bereits müde in ihrem Bett. Eines habe ich auf dieser Reise gelernt, nimm nie mehr soviel Gepäck für so wenige Tage mit und höre auf deine Intuition.
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