Isartor München zum Kloster Schäftlarn
April 4, 2025 in Germany ⋅ ☀️ 18 °C
Heute morgen sagte ich zu meinem Mann, was hab ich mir da angetan. Die Woche war beruflich so anstrengend und an meinem freien Tag, soll ich um 04:30 Uhr aufstehen, damit ich um 06:23 Uhr mit der S-Bahn von Wolfratshausen nach München gelange. Vom spirituellen Zentrum St. Martin soll es losgehen, nachdem wir uns als kleine Pilgergruppe an der Haltestelle Isartor treffen. Die Entscheidung ist gefallen, Pilgerrucksack ist gepackt, ich wollte in die Wechseljahre pilgern, jetzt gibt es kein zurück mehr, sondern nur ein Weg nach vorne. Am 03.April 25 ist es ein Jahr her seit der letzten Regelblutung, die Menopause möchte ich mit dem Pilgern einläuten.
Mein Ehemann fährt mich mit dem Auto zur S-Bahnhaltestelle. In 45 min bin ich in München am Isartor. Genau diese Strecke pilgern wir in zwei Etappen mit Zwischenhalt Kloster Schäftlarn. An der Haltestelle Isartor treffe ich Gerald und Ulrike unsere Pilgerführer und meine Pilgerschwestern-und Brüder. Wir sind insgesamt 8 Pilger die sich auf dem Weg machen und unsere erste Station ist das spirutuelle Zentrum Sankt Martin. Dort erwartet uns Michael der uns einen Pilgersegen auf den Weg geben möchte. Herzlichst werden wir von Michael empfangen und wir lassen uns in einem Stuhlkreis nieder. Jeder darf sagen, was er auf dem Weg mitnehmen möchte an Themen. Gerda hat noch nie gepilgert und war einfach neugierig was sich hinter der Pilgerei verbirgt Ob die Hüfte das mitmacht war ihre größte Sorge. Christine eine sichtbare Rentnerin ist eine routinierte Bergsteigerin und will sich auch aufmachen, bei ihr sind es die Kniee die ihr Mühe bereiten. Michael ist auch ein Ersteinsteiger und kann mit dem ganzen spirituellem nichts anfangen, er will diesen Weg nutzten, um sich auf die Spur zu kommen. Caroline ist Schauspielerin und ist selbst Begleiterin beim Trauerpilgern, sie gibt uns den Slogan "Folge der Freude" mit auf den Weg. Michael gibt jedem einen persönlichen Segen, einen Pilgerpass direkt von Santiago de Compostela und eine Feder mit, die wir auf dem Weg lassen können, wenn es leicht wird.
Gestärkt im Vertrauen auf Gott ziehen wir los. Wir kommen an der wunderschönen Isar vorbei und sollen uns dort einen Stein suchen mit dem wir uns innerlich verbinden können. Es fällt nicht jedem leicht in der Gruppe und zuerst meinte Gerda zu mir nimm doch den Stein oder schau der Stein ist auch hübsch. Anfangs habe ich mich auf Gerda eingelassen und tatsächlich einer ihrer vorgeschlagenen Steine genommen, doch beim Weiterlaufen entdeckte ich einen passenden Stein zu mir und ich warf die vorher gewählten Steine ins Wasser. In einer Schweigezeit sind wir mit dem Stein unterwegs und gelangen zur Marienklause. Wir tauschen uns aus in der Pilgerfamilie was und dazu gebracht hat, genau diesen Stein ausgewählt zu haben. Mein Stein sieht aus wie ein Herz mit einer Kerbe. Christines Stein ist lang und glatt, ihr Traum auf Juist zu reisen soll es widerspiegeln. Manche haben Steine die sind auf der einen Seite hell und auf der anderen Seite dunkel. Licht und Schattenseiten des Lebens soll der Stein ausdrücken.
Wir pilgern weiter bis Pullach, dort gibt es eine ordentliche Rast. In einem Cafe bestelle ich mir einen Espresso und nutze die Toilette. Kurz vor unserem Aufbruch suche ich meine Sonnenbrille wie eine Wahnsinnige. Plötzlich kommt Michael aus dem Cafe und fragt sucht jemand seine Sonnenbrille. Wie dankbar bin ich die Sonnenbrille wieder zu haben, denn die Sonne und Wärme zeigt sich von der besten Seite. Der Weg sorgt für mich und auch die Pilgergeschwister.
Wir bekommen den Impuls: Danke, dass ich bitte sagen kann mit auf den Weg. Es entsteht ein guter Austausch zwischen uns Pilgern und jeder einzelne öffnet sich mehr. Gerda die verzweifelt über ein Portal einen Partner sucht und nicht glücklich wird, Michael der an seine körperlichen und mentalen Grenzen gekommen ist und sein Beruf aufgegeben hat. Verzweifelt zweimal am Theologiestudium gescheitert ist und letztendlich ein gebrochener Mann geworden ist.
Jeder bringt seine Geschichte mit auf den Weg und wir pilgern weiter. Gerda bekommt plötzlich Schwierigkeiten mit ihrer Hüfte und Caroline bietet ihr an die Rucksäcke zu tauschen. Caroline ist nur einen Tag dabei und ihr Gepäck ist dadurch etwas leichter. Caroline lernt gerade norwegisch und sagte mir, weißt du was Oma auf norwegisch heißt? Ich sage nein. Es heißt "bestmur" -beste Mutter. Es lässt mich immer mehr aussöhnen zu wissen meine Fruchtbarkeit endet und meine Enkeltochter ist ein Zeichen der Fortsetzung der Fruchtbarkeit meiner Kinder. Es geht weiter und immer weiter.
Es ist nicht mehr weit bis Kloster Schäftlarn und wir sprechen uns für die letzten Kilometer einander Mut zu. "Wir schaffen noch die letzten Kilometer". Wir kommen kurz vor 17:00 Uhr an im Kloster Schäftlarn und holen uns den verdienten Pilgerstempel. Der Klosterladen ist kurz vor der Schließung und doch lässt uns die Dame noch in das Geschäft. Dort kaufe ich meiner Enkeltochter Noemi ein Armband mit Engelsflügel.
Wir kommen im Klosterbraustüberl an und quartieren uns in unsere Mehrbettzimmer für das Pilgerfeeling ein. Mit meiner Mitpilgerin Bianka habe ich eine ideale Zimmergesellin. Bianka schläft im Einzelbett und ich im Doppelbett, Jesus wacht als großes Bild über mir. Duschen, Ausruhen und Umziehen und schon treffen wir uns im Gasthaus zum Speisen. Nach einer kurzen Reflexionsrunde bestellen wir unser Essen und bei mir gibt es Zander mit Linsen-Kartoffel-Gmias. Gerald schmeißt noch eine Runde Klosterschnaps und wir haben rund um einen unterhaltsamen geselligen Abend. Michael erzählt wie gekonnt Witze und Gerda und ich amüsieren uns als wären wir auf Klassenfahrt. Ich weiß nicht wann ich so ein Lachflash zuletzt hatte wie mit Gerda.
Müde flogen wir alle ins Bett, denn am nächsten Tag geht die Pilgerei weiter. Bianka und ich datteln noch ein wenig auf dem Handy und es fühlt sich so an als wäre meine große Schwester da. Meine ältere Schwester heißt Bianca, obwohl sie sich die ganze Kindheit mit k geschrieben hat, also Bianka. Kürzlich sagte meine Schwester zu mir, du warst mir in allem voraus im Heiraten, beim Kinderkriegen, beim Oma werden. Doch nicht in allem, Bianca war mir beim Pilgern voraus. Ihre Pilgerberichte findet ihr hier unter Pilgerbiene https://findpenguins.com/4qtqnpue9njapRead more




















Traveler
So, so Pilgern per Rolltreppe 😉
TravelerManchmal fängt es mit der Rolltreppe an
Traveler
Osterbrunnen sind einfach eine bunte Augenweide.
TravelerDer Osterbrunnen war eine Augenweide