• Hà Giang (Loop)

    July 28, 2023 in Vietnam ☁️ 29 °C

    Der Ort Ha Giang ist absolut nicht ansehnlich. Der Grund weshalb es so viele Reisende hierher verschlägt, ist dass von diesem Ort der Ha Giang Loop startet. Da jedoch so viele Unfälle, zum Teil auch tödliche in der jüngsten Vergangenheit, passiert sind wurde die Regelung eingeführt, dass man speziellen A1 Motorrollerführerschein benötigt, um den Loop eigenständig zu fahren. In Deutschland bekommt man diesen theoretisch automatisch sobald man seinen Autoführerschein absolviert hat. Allerdings wird dies nicht im Führerschein markiert, was ein Problem für die vietnamesische Polizei darstellt. Zudem wurden die Polizeikontrollen auf der Strecke extrem verschärft. Alexia, die den Loop ein paar Tage vor uns mit einem bezahlten Fahrer (genannt Easy Rider) machte, berichtete uns, dass sie extrem viel Polizei gesehen hätte und wir deshalb aufpassen sollten. Wenn man erwischt wird beträgt die Strafe 1.500.000 Dong (ca. 60€). Da die Polizisten in Vietnam aber eigentlich alle Korrupt sind, kann man sich nicht darauf verlassen, dass es bei der Höhe der Strafe bleibt. Der Besitzer unserer Unterkunft war mit diesen ganzen Problemen natürlich bestens vertraut und hatte wohl schon länger eine Lösung für seine Gäste. Er fälscht den Führerschein einfach per Photoshop und schickt einem die Bilder zu. Wenn man sich dann auf den Loop begibt, lässt man die Originale einfach in seiner Unterkunft. Bei einer möglichen Kontrolle zeigt man dann lediglich die Fotos vor und erklärt den Polizisten, dass man die Originale in der Unterkunft gelassen hat, aus Angst davor diese zu verlieren. Natürlich waren wir etwas skeptisch und hatten auch Respekt davor mit gefälschten Dokumenten unterwegs zu sein aber irgendwie klang es auch logisch was der Typ meinte. Vor allem einfach der Aspekt dass die uns mit deren verfügbaren Mitteln niemals nachweisen könnten dass die Dokumente gefälscht sind. Außerdem gab er uns noch den Tipp unseren Roadtrip gegen Vormittag zu starten, da wir dann wahrscheinlich zur Mittagszeit an den typischen Punkten vorbeifahren, wo die Polizisten normalerweise stehen und diese dann zu der Zeit Mittagessen oder Mittagsschlaf machen. Am nächsten Tag starteten wir dann mit dem Loop. Die ca. sechsstündige Fahrt verlief sehr gut und tatsächlich hatten wir keine Polizeikontrolle, was uns natürlich sehr freute. Wir aßen dann noch etwas in dem kleinen Ort an dem wir unseren ersten Stopp machten und gingen relativ zeitig zu Bett. Voller Motivation starteten wir in den nächsten Tag. Auf der Fahrt zum nächsten Halt fuhren wir durch spektakuläre Landschaftsbilder und hielten deshalb für das ein oder andere Foto an. Auch an diesem Tag hatten wir das große Glück uns keiner Polizeikontrolle unterziehen zu müssen. Wir erreichten dann gegen frühen Abend den Ort Meo Vac und übernachteten dort. Am nächsten Tag ging es dann auch schon wieder nach Ha Giang. Wir mussten also den letzten und längsten Abschnitt des Loops befahren. Unser Weg führte durch enge Straßen, die direkt an Bergklippen gelegen waren. Außerdem waren auf dem Weg viele Baustellen, was die Fahrt mit dem Roller deutlich erschwerte. Noch hinzu sorgte die pralle Mittagssonne dafür, dass meine Haut wehtat, da ich nur T-Shirts dabei hatte. Ich versuchte irgendwie mit Socken meine Hände zu bedecken und konnte mir zum Glück von Sarah einen Pullover leihen um meine Arme zu verdecken. Trotzdem war es eigentlich schon zu spät denn der Sonnenbrand war schon da und tat auch schon höllisch weh. Gegen Nachmittag fing es dann an sehr stark zu regnen, weshalb die Baustellen matschig wurden. Dadurch hatten wir bzw. ich Probleme den Roller zu lenken. Jeder der schon mal im tiefen Matsch mit einem Roller gefahren ist, weiß wovon ich rede. Aus diesem Grund kamen wir einfach viel langsamer voran als wir geplant hatten, weshalb wir die letzten 2-3h im Dunkeln fahren mussten. Gegen 21 Uhr erreichten wir dann allerdings zum Glück unsere Unterkunft in Ha Giang. Der Besitzer empfing uns sehr freundlich und bot uns direkt an zu duschen und etwas zu essen zu machen. Das nahmen wir natürlich gerne an, da wir am selben Abend noch eine lange Busfahrt zu unserem nächsten Ziel vor uns hatten. Eine Sache die mir noch richtig bewusst wurde, ist, dass in Asien meine soziale Angststörung eigentlich nicht mehr vorhanden ist. Ich denke es liegt einfach an der Kultur. Alle sind so nett und herzlich, weshalb ich mir eigentlich so gut wie gar keine Sorgen mehr mache, was andere über mich denken. Aber ich denke, da kommen einfach viele Faktoren zusammen die positiv auf mich einwirken. Beispielsweise keinen Leistungsdruck mehr durch Uni und Alltag und zudem fühle ich mich seitdem wir auf Reisen sind total wohl in meinem Körper. In Deutschland würde ich es nie für möglich halten Oberkörperfrei rumzulaufen. Hier ist es kein Problem und auch ganz normal. Niemand wird komisch angeschaut oder sonst was.Read more