• Regen, Technik und ein Hauch Pavarotti

    February 6 in Italy ⋅ ☀️ 12 °C

    Die ganze Nacht trommelt der Regen aufs Dach unseres Wohnmobils – und auch der Morgen verspricht keine Besserung. Grauer Himmel, nasse Wege, dicke Tropfen. Aber heute ist sowieso kein Tag für Outdoor-Abenteuer. Etwas ganz Besonderes steht auf dem Plan: der Besuch im ehemaligen Wohnhaus von Luciano Pavarotti bei Modena, heute ein Museum.

    Bevor es losgeht, starte ich noch schnell einen Waschgang – mit leicht skeptischem Blick auf die Maschine. Nach unserem erneuten Werkstattbesuch und dem Einbau einer neuen Hebeanlage läuft sie jetzt tatsächlich wieder einwandfrei. Ein kleiner, aber sehr befriedigender Sieg am Morgen. Hoffen wir, dass es so bleibt.

    Weniger erfreulich: Entsorgen im strömenden Regen. Frischwasser tanken steht ebenfalls an. Das Fallrohr für die Schwarzwasserentsorgung will nicht wie gewohnt – warum, bleibt ein Rätsel. Über die Pumpe funktioniert es zum Glück. Gut, dass wir zwei Möglichkeiten haben. Ursachenforschung vertagen wir… heute ist einfach nicht der Tag dafür.

    Kaum unterwegs, meldet sich plötzlich lautstark der Wassermelder im Zwischenboden. Puls sofort auf 180.
    Tatsächlich: eine kleine Pfütze direkt beim Sensor. Aber woher kommt das Wasser? Keine Ahnung. Sichtprüfung ohne Ergebnis. Also: weiterfahren und hoffen, dass es nichts Ernstes ist. Dieses Gefühl zwischen „Bestimmt harmlos“ und „Bitte kein Wasserschaden“ kennt wohl jeder Wohnmobilreisende…

    Die Fahrt Richtung Modena verläuft danach ruhig – zumindest verkehrstechnisch. Kurz vor der Einfahrt zur Casa Museo dann der Dämpfer: Lastwagenfahrverbot ab 6 Tonnen. Tja. Wir also nicht durch.

    Wir versuchen mehrere Alternativrouten, doch immer wieder stoppen uns Gewichtsbeschränkungen. Irgendwann geben wir auf, parken auf einem Parkplatz bei einem Friedhof und beschliessen, die letzten 1,5 Kilometer zu Fuß zu gehen. Und siehe da: Genau in diesem Moment hört der Regen auf. Manchmal muss man dem Wettergott wohl einfach zeigen, dass man es ernst meint.

    Das Wohnhaus von Luciano Pavarotti liegt ruhig in der Landschaft nahe Modena – und ist heute ein Museum, das seinem Leben gewidmet ist. Besonders berührend: Die Villa ist kein zufällig gekauftes Anwesen, sondern ein Zuhause, das Pavarotti nach eigenen Vorstellungen entwerfen und bauen ließ. Man spürt überall, dass hier jemand gelebt hat, der nicht nur Weltstar, sondern auch Familienmensch war.

    Der Baustil verbindet traditionelle emilianische Architektur mit vielen persönlichen Details. Pavarotti liebte die Natur – und Pferde. Auf dem Gelände entstanden Ställe und sogar eine Reitschule. Zwischen 1991 und 2002 fanden hier bedeutende Reitsportveranstaltungen statt.

    Doch das Haus war mehr als nur Wohnort. Es war Treffpunkt für Freunde, Familie und junge Sänger, die er förderte und teilweise sogar hier unterrichtete. Diese Offenheit ist bis heute spürbar.

    Die heutige Casa Museo Luciano Pavarotti ist unglaublich persönlich gestaltet. Man bewegt sich durch Wohnräume, Arbeitszimmer, Musikzimmer – fast so, als käme der Hausherr gleich um die Ecke.

    Alles wirkt nahbar, menschlich und überhaupt nicht distanziert. Der Audioguide auf Deutsch erklärt Pavarottis Leben großartig – nicht nur die Karriere, sondern auch den Menschen dahinter.

    Der Besuch ist für uns überraschend emotional. In diesen Räumen zu stehen, in denen ein so großer Künstler gelebt, gelacht und gearbeitet hat, hat etwas sehr Besonderes. Sein Geist scheint irgendwie noch präsent.

    Fazit: Absolute Empfehlung für alle, die in der Region unterwegs sind. Mit 12 Euro Eintritt kein Schnäppchen, aber jeden Cent wert.

    Der Tag bleibt sich treu: Auch auf der Weiterfahrt begleiten uns ständig Gewichtsbeschränkungen. Mit einigen Umwegen – und, ja, einmal unter Missachtung eines entsprechenden Schildes – erreichen wir schließlich doch noch unseren Übernachtungsplatz.

    Am Abend dann die Versöhnung: Die Sonne kommt heraus und schenkt uns ein paar goldene Strahlen. Wir sitzen gemütlich im Wohnmobil und lassen diesen nervenaufreibenden, aber besonderen Tag ausklingen.

    Manchmal sind es wirklich die kleinen Lichtblicke, die alles wieder ins Gleichgewicht bringen. 🌤️
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