• Schwarzes Gold & platter Reifen

    February 7 in Italy ⋅ ☁️ 12 °C

    Noch immer sind wir in der Nähe von Modena, der Heimat des edelsten Balsamicos überhaupt: Aceto Balsamico Tradizionale di Modena (DOP) – dickflüssig, komplex und über Jahrzehnte gereift. Luxus in Tropfenform.

    Bevor wir uns diesem „schwarzen Gold“ widmen, entdecken wir an unserem Übernachtungsort spontan ein Museum für Wurstwaren. Voller Vorfreude machen wir uns auf den Weg – nur um vor verschlossenen Türen zu stehen. Renovierung. Aber der Shop ist geöffnet. Ein Fehler. Mit gut gefüllten Taschen kehren wir zurück und verwandeln das geplante späte Frühstück in eine spontane Feinschmecker-Verkostung. 😉

    Am Nachmittag radeln wir über ein altes Bahntrassee nach Spilamberto zum Museo del Balsamico Tradizionale, untergebracht in der eleganten Villa Fabriani aus dem 18. Jahrhundert. Es ist das einzige Museum weltweit, das sich ganz dem traditionellen Balsamico aus Modena widmet.

    Hier lernen wir: Echter Aceto Tradizionale besteht nur aus gekochtem Traubenmost. Keine Zusätze, nur Zeit, Holzfässer und Geduld. Mindestens 12, bis zu 25 Jahre Reifezeit. Aus rund 300 Litern Most entsteht 1 Liter dieses konzentrierten Aromas. Süß, komplex, fast sirupartig.

    Und bitte niemals über Salat gießen! Dieser Balsamico ist ein Würzmittel für besondere Momente: ein paar Tropfen zu Parmigiano Reggiano, Erdbeeren, Risotto, Steak – oder sogar Vanilleeis.

    Wenn man die Treppe der Villa Fabriani zum Dachboden hinaufsteigt, wo sich die genossenschaftliche Acetaia der der Consorteria angehörigen Essigwinzer befindet, nimmt man sofort das unverwechselbare Balsamico-Aroma wahr.

    In der genossenschaftlichen Acetaia der Essig-Genossenschaft Consorteria – die einerseits Bestandteil des Museums ist – befinden sich all die für die Herstellung des Balsamico-Essigs erforderlichen „Fässer-Batterien“ und wird auch liebevoll Kathedrale genannt. Hier reift der edle Tropfen noch heute.

    Sie befindet sich auf dem Dachboden, einem Ort, der im Laufe des Tages und der Jahreszeiten starken Temperaturschwankungen ausgesetzt ist: Auf diese Weise begünstigt die Hitze den Fermentationsprozess und die Kälte das Dekantieren des Produkts.

    Die Acetaia wird von den erfahrensten Fachkräften der Genossenschaft Consorteria unter strikter Einhaltung der Regeln und jahrhundertealten Tradition geführt.
    Hier finden 129 Fässer, unterteilt in 22 Fassbatterien und 7 „Mutterfässer“ Platz. Ein „Schatz“, der im Laufe der Jahre dank zwischen der Gemeinde Spilamberto, den Küfern und Mitgliedern der Consorteria geschlossenen Vereinbarungen aufgebaut werden konnte.

    Zum Abschluss dürfen wir verschiedene Qualitäten probieren – auch 12- und 25-jährigen Aceto Traditionale. Kleine Tropfen, großes Geschmackserlebnis.

    Nach einem Spaziergang durch Spilamberto schwingen wir uns wieder auf die Räder. Doch kaum unterwegs: Platten bei Andreas. Sechs Kilometer Rückweg. Schieben unmöglich. Also fährt er mit meinem Rad zurück, holt das Wohnmobil und sammelt mich samt defektem Fahrrad ein.

    Langweilig wird uns nicht. Nächste Mission: Fahrradwerkstatt finden. 🚲
    Read more