• Besinnlichkeit und Ausgelassenheit

    September 29, 2024 in Spain ⋅ ☀️ 22 °C

    Die letzte große Wanderung steht an! Heute wollen wir's nochmal krachen lassen und über vier Stunden zu den "Orgelpfeifen" im Orotavatal wandern. Daher geht's mal wieder vor Sonnenaufgang (auf unserer Inselseite) los. Das Orotavatal ist das Hinterland von Puerto de la Cruz, also etwa Mitte Nordküste. Wir fahren wieder durch den Teide-Nationalpark, kommen aber nicht ganz bis zu den Aussichtspunkten, die von der Morgensonne so richtig profitieren sollten - leider. Aber ist ja nicht das eigentliche Ziel.

    Am Startpunkt der Wanderung angekommen, wundern wir uns gleich, weil die Hinweisschilder mit Hinweisen überklebt sind, dass der Pfad geschlossen sei. Hm, hm, das ist ja komisch. So richtig findet sich im Internet auch nichts. Aber die Absperrung an der Abzweigung ist eindeutig mit Gittern, Schildern und Hinweis auf Videoüberwachung. Seltsam, denken wir uns, aber da unser Rundweg sozusagen zwei Hälften hat, starten wir eben auf die andere, und dann werden wir schon sehen.

    Natürlich geht's wieder nach oben... steil nach oben ... lang und steil... 🙈 Doch was will ich klagen, wir hatten es ja extra nochmal als Kraftakt geplant, als würdigen Abschluss unseres Aktivurlaubs sozusagen. Wir kommen an eine Abzweigung mit einem gesperrten Weg, sind uns nicht sicher, ob es überhaupt die richtige ist und steigen so erst einmal weiter an. Und noch höher, und noch ein bißchen höher. Bis mein Sherpa dann doch Zweifel kriegt und beim Blick auf die Karte feststellt, dass wir längst über die Abzweigung hinaus nach oben geklettert sind. 🤷🏼‍♂️ Eine Alternative zur Umkehr gibt es nicht, also steigen wir zuerst noch ein wenig an bis zu einem schönen Platz fürs Frühstück. 😇 Einen schönen Blick auf La Palma über den Wolken bekommen wir dadurch auch noch. Und dann geht's wieder runter...

    Ihr ahnt es schon, die vermeintliche Abzweigung wäre doch die unsere gewesen. Dort ist von Haftungsausschluss und Gefahr von Erdrutschen die Rede, weshalb der Weg eben gesperrt ist. Wir klären erst einmal, wie brav und vorschriftsgetreu jeder von uns ist, und entscheiden uns letztlich dann, das Risiko nicht einzugehen. Also zurück auf Los. Waren insgesamt doch gute dreieinhalb Stunden und mindestens 500 Höhenmeter rauf und runter. Langt. 🙃 Langt auch meinen Wanderschuhen ... nach Jahren treuer, wenngleich recht gelegentlicher, Dienste haben sie ordentlich Federn gelassen. Also werden sie an Ort und Stelle "befördert" - in die kommunale Mülltonne. 😜 Dadurch machen sie auch gleich Platz frei im Koffer für die Souvenirs, perfekt!

    Nächster Stopp ist gleich ums Eck die namensgebende Stadt für das Tal - La Orotava eben. Die war in der Vergangenheit reich und mächtig, mit Zuckerrohr und Wein als Handelsgütern. Bis Reblaus und Mehltau kamen. Es folgte immerhin kein Absturz, eher ein langsamer Rückgang der Bedeutung. Dadurch sind die meisten der Handelshäuser, Paläste und öffentlicher Gebäude erhalten geblieben und überwiegend in gutem Zustand. Außerdem hat die Stadt Atmosphäre - empfinde ich zumindest so. Vielleicht, weil wir sie an einem Sonntag erleben, und weil da eben viel los ist. Einem kleinen Wochenmarkt gleicht die "Fiesta del Miel" - das Honigfest. Es gibt zahlreiche Pavillons mit Informationen und Verkauf, und Imbiß dazwischen, wie halt bei uns auch. 😉

    Beim Stadtrundgang unseres Reiseführers kommen wir natürlich an den Kirchen vorbei. Vor der Hauptkirche der Stadt stehen zahlreiche Menschengruppen herum. Wir lästern noch - bei uns würden die so auf den Faschingszug warten. Nachdem in der Kirche nichts los ist, schauen wir hinein. Komisch, hinter dem Altar, da fehlt doch was? Und tatsächlich! Als wir wieder aus der Kirche kommen, sehen wir schon die Prozession am Ende der nächsten Straße um die Ecke biegen. Wir müssen eine der regionalen Fiestas erwischt haben - wegen des Honigfestes haben die soviel Aufhebens sicher nicht gemacht! Bei so viel Zufall schauen wir uns das dann natürlich auch an. Man kann dazu stehen, wie man will, beeindruckend ist es schon. Erst einmal die vielen Leute, die da in dem Zug mitgehen, in den verschiedensten "Amtskleidern". Dann ist es choreografiert, die Glocken läuten an der rechten Stelle und wenn sie aufhören, setzt sofort die Musikkapelle ein mit sehr passender stimmungsvoller Musik. Auch das sind viele Leute, die ihrem Logo nach zur Pfarrei gehören. Schön, das mal erlebt zu haben.

    Ansonsten führt unser Stadtrundgang in eine sehr gute Konditorei (Milchshakes, hurra! und Kuchen 😋), einen kleinen botanischen Garten (Ableger vom großen in Puerto) und ganz viele sehr schöne Straßen mit historischen Häusern an der Seite. Und letztlich zurück zu unserem Auto. Jetzt wäre ich nochmal nach Osten gefahren in den Ort, wo wir wegen Parkplatzmangels nicht baden konnten, Ihr erinnert Euch? Max zuliebe verzichte ich. 😇 Dafür schlägt er vor, angesichts der Route des Heimwegs, nochmal in Buenavista am Strand zu baden, den wir ja schon kennen. Sehr guter Kompromiß, so machen wir das.

    Am Strand von Buenavista dann eine schöne Überraschung: Wellen! Ganz schöne Kaliber! Aber man kann trotzdem ins Wasser. Da lasse ich mich nicht zweimal bitten. Mit Wellen spielen hat mir ja schon immer Freude bereitet! Max ist auch ein wenig mit drin, hat aber nicht ansatzweise meine Leidenschaft. 😉 Ein wenig zögerlich bin ich nur angesichts des unbekannten Strandes. Und weil die Wellen manchmal echt groß reinkommen! Als mich einmal so ein Monster im Nachgang ordentlich ins Meer zieht, so dass ich ernsthaft zurück kraulen muss, habe ich dann auch genug. Wir machen uns wieder ausgehfein, und wo wir schon mal hier sind, setzen wir uns wieder ins Lokal direkt am Strand. Es gibt bei der Bestellung wohl ein kleines Mißverständnis, so kriege ich neben einem Teller fritierter Mini-Tintenfische auch noch ein halbes Kilo gegrillten Tintenfisch am Stück. Puh! Während ich schreibe, verdaue ich angestrengt. 😅 Und ansonsten trinken wir unseren letzten tinerfeno Rotwein und bereiten uns seelisch auf die morgige Heimreise (und das Kofferpacken) vor.
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