KENNECOTT-Mine
August 15 in the United States ⋅ ☁️ 21 °C
Bisher haben wir uns immer alte Goldabbaugebiete angeschaut.
Die KENNECOTT-"Mine" war jedoch ein Kupferbergwerk! Um 1900 zeigten Einheimische den weißen "Erkundern" Kupfererz aus dieser Gegend. Dieses Erz enthielt teilweise 70% - 85% Kupfermineral - somit hochkonzentriert. Problem war nur, dass die Fundstellen sehr weit abseits von der Zivilisation lagen. Es musste für den Abbau somit erst einmal eine ca. 315 km lange Eisenbahnlinie gebaut werden.
KENNECOTT selbst war die Verarbeitungsstätte für das Kupfererz, das in den weiter entfernt in den Bergen gelegenen Minen abgebaut wurde. KENNECOTT war die Erzmühle: Hier wurde das Erz mit Seilbahnen angeliefert, zerkleinert und sortiert und schließlich auf die Eisenbahn verladen. Diese Erzmühle war ein riesiges 14-stöckiges Holzgebäude. Die Mühle/Das Gebäude hatte keine Fundamente, sondern war freistehend. Zu ihrer Zeit war es das größte freistehende Holzgebäude der Welt. Damit dieses Gebäude aufgrund der Erschütterungen der Mühlenwerke nicht zusammenfiel, mussten täglich mit gigantischen "Schraubenschüsseln" (2 mtr lang) Stahlseile nachgespannt werden, die das Gebäude zusammenhielten. Am Ende des Verarbeitungsprozesses konnte Kupfererz mit einem ca. 95%-igem Reinheitsgrad verladen werden.
Die Mühle ging im Jahr 1911 in Betrieb und lief bis 1938. Dann wurde sie von einem Tag zum anderen geschlossen - die Arbeiter wurden tatsächlich erst am Vortag informiert, dass sie am nächsten Tag arbeitslos sind. Sie hatten somit nur wenige Stunden, um die letzte Bahn aus der Wildnis zu kriegen. Hintergrund dieser kurzfristigen Notiz war, dass man vorzeitige Abwanderung der Arbeiter verhindern wollte. Das Management wusste das natürlich schon Monate vorher.
Zu Hochzeiten arbeiteten hier ca. 500-600 Leute. Es gab ein Krankenhaus (hier wurde das erste Röntgengerät in ALASKA betrieben), Post, Laden, Freizeiteinrichtung, etc. Um das Geld der Arbeiter im System zu halten, erhielten sie ein Ersatzgeld, dass nur hier akzeptiert wurde. Alkohol, Glücksspiel und "Frauen" waren verboten - dafür mussten die Arbeiter in das ca. 5 km entfernte McCARTHY. Das war die "Sündenstadt" für KENNECOTT. Der Minenbetreiber sponserten sogar die Zugfahrt hierher - je mehr die Arbeiter ausgaben, desto länger mussten sie in der Mine arbeiten.
Leider passte für uns der Besuch in McCARTHY wettertechnisch nicht rein.
Die Kupferminen liefen fast jeden Tag für 24 Stunden. Nur am 1. Weihnachtstag und am Unabhängigkeitstag ruhte die Arbeit. Das bedeutete, dass in der Mühle im Winter bei -40°C bis -50°C das nasse Erz bearbeitet wurde - nur die Werkstatt der Mühle war auf ca. 0°C "beheizt". Unfälle waren damit an der Tagesordnung. Für Verletzungen gab es Entschädigungen: Ein verlorener Finger "brachte" ca. 150 Dollar - ein Daumen sogar 250 Dollar. Kam ein Arbeiter im Dienst ums Leben, gab es für die Hinterbliebenen bis zu 2500 Dollar.
Zwar war die Führung durch die Mühle nicht gerade günstig - wir waren aber froh, die Führung gebucht zu haben. Die ganzen Hintergrundinformationen sowie den Zutritt zu der Mühle hätten wir sonst nicht gehabt.Read more

































