• Regenzeit

    20. marts 2015, Burundi

    Der letzte schöne Tag. Wir überqueren den Äquator. Sonnenschein und klare Sicht auf die Rwenzori Berge. Hoch erheben sie sich zu unserer Rechten, Gebirgskämme, in der Ferne ein Gletscher. Über Nacht ziehen Wolken auf und die Regenzeit beginnt. Jeden Tag gibt es nun starke ein- oder zweistündige Gewitter. Auf der Erdpiste am Lake Buyoni entlang erwischen wir zum Glück eine trockene Phase und so bleiben wir nicht im Schlamm stecken. Wie ein blaues Auge umgeben von Lachfalten, liegt der See eingebettet zwischen kleinen Feldern, die sich die steilen Hänge hochziehen. Es ist der Anfang der Hügellandschaft, die uns auf unserem weiteren Weg durch Ruanda und Burundi begleitet. Trotz den knackigen Steigungen, die nun folgen, sind wir schnell unterwegs. Wir haben ein Boot zu erreichen, das uns über den Tanganika See in Tanzania bringt, und das legt in sechs Tagen ab. Es fährt nur alle zwei Wochen. 590km und 10'200 Höhenmeter – harte Arbeit in so kurzer Zeit, doch es lohnt sich, möglichst rasch Boden gut zu machen, um der Regenzeit zu entkommen.

    Die MV Liemba. Ein Schiff aus Deutschland, das seit dem ersten Weltkrieg den Tanganika See befährt. Zweimal lag es bereits auf dem Seegrund, wurde wieder geborgen, restauriert und fährt nun weiter auf seiner endlosen Fahrt, bringt und holt Güter von den isolierten Dörfern am Seeufer, transportiert Passagiere von Tanzania nach Zambia. Wir legen ab, der See weitet sich zum uferlosen Meer. Scheinbar zischend und dampfend versinkt die Sonne im Wasser, Wolkentürme hinterlassend, die sich am Horizont auftürmen. Wogend und brodelnd füllen sie rasch den Himmel aus, schicken eine Lightshow aus Blitzen und trocken berstendem Donner über die Bühne. Das Finale wird vornweggenommen, Ende des ersten Aktes. Der Regenvorhang fällt.

    In der Nacht halten wir das erste Mal. Die Wolkenwände haben sich verzogen, ein klarer Sternenhimmel, ein heller Mond. Das Schiffshorn dröhnt, Rufe antworten ihm übers Wasser. Bald entern uns grosse Holzboote, fliegende Händler bringen Trinkwasser, fritierten Fisch, gekochte Bananen. Die Rufe und Menschen schwabben an Bord, Scheinwerferlicht flutet über das Deck, die perfekte Open Air Bühne. Auftakt zum zweiten Akt. Wir haben Logeplätze am Geländer der ersten Klasse und verfolgen gespannt das Getümmel. Der Ladekran hievt Kisten von Bord, in einer Ecke kommt es zum Handgemenge. Die Schiffsglocke läutet, das Horn dröhnt übers Wasser, eilig klettern die Händler in ihre Boote, gleiten aus dem Lichtkegel zurück ins Dunkle.
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