Riesige Granitfelsen, ein reissender Strom, Gletscherzungen, die fast am Strassenrand lecken. Und irgendwo mitten durch das archaische Tal windet sich eine aus groben Steinen bestehende Piste hinauf zum Kuzum La. Es ist unser letzter Himalayapass in Indien und immer noch einer der schönsten, auch wennn wir ihn nun schon zum zweiten Mal fahren. Mit ihm erreichen wir das Spitital.
Langsam wird die Zeit knapp. In vier Tagen müssen wir aus Indien ausreisen, noch rund achthundert Kilometer bis an Nepals Grenze liegen vor uns. Zu weit, um in dieser Zeit zu schaffen, vor allem mit diesen Strassenverhältnissen. Mit einem Laster trampen wir die letzten hundert Kilometer aus dem Spiti Tal bis nach Shimla. Riki, der junge indische Fahrer meint: "I know Switzerland", in den Filmen würde der Polizist jeweils fragen "where is your money?" und der Gangster würde dann sagen: "At a Swiss bank!" Auch sonst ist Riki ein pfiffiger Geselle. Als wir ihm anhand der Teepreise zu erklären versuchen, wie teuer das Leben in der Schweiz sei (in Indien zahlt man 10 Rupies für einen Tee, in der Schweiz 300!) meint er nach kurzem Überlegen: "Then I go to Switzerland and sell only tea!". Ja, wenn es bloss so einfach wäre.
Von Shimla chartern wir ein Taxi. Zu knapp ist die Zeit für einen der klapprigen Busse. Auch so dauert die erste Etappe unserer Monsterfahrt immer noch zehn Stunden. Haridwar ist unser Tagesziel, die heilige Stadt am Ganges. Zuerst geht es kurvenreich raus aus den Bergen. Unser Fahrer meint: "Vor zwanzig Jahren, als es hier noch keine Strasse und Autos gab, war diese Region extrem gefährlich!", sagts, schmeisst den Pannenblinker rein und drückt aufs Gaspedal. Ein schelmisches Grinsen Richtung Innenspiegel. Doch leider ist da keiner...Read more