• Maskat Teil 2

    8.–12. jan., Oman ⋅ ☀️ 25 °C

    Am Samstag ist es so weit. Wir opfern unseren Schlaf, um rechtzeitig in der Sultan Qaboos Grand Mosque zu sein. Zwischen 8am und 11am öffnen einige Moscheen Maskats ihre Pforten auch für Nichtgläubige.

    Es gibt einen speziellen Eingang für uns. Den sensationellen Haupteingang dürfen wir auch heute nicht nutzen.
    Angemessene Kleidung ist natürlich Voraussetzung. Männer müssen nur lange Hosen tragen. Von Frauen erwartet man bis zum Knöchel bedeckte Beine und Arme. Alle Reize einer Frau sollen sich in Bescheidenheit üben. Deshalb muss auch auf dem Kopf trägt man deshalb ein Tuch tragen. Da kommt mein breiter Schal aus Udaipur wieder einmal zum Einsatz. Mein Pony darf rausgucken. Eine Abaya ist nicht nötig. Aber man ist vorbereitet und bittet diejenigen, eine anzuziehen, die da denken auch so reinzukommen. Diesen Gedanken kann man sich abschminken. Zwei „Kontrolleure“ passen auf!

    Die Sultan Qaboos Grand Mosque ist ein erst 2001 eröffneter Bau. Ein wahres Meisterwerk der modernen islamischen Architektur. Modern und gleichzeitig aber durchsetzt mit traditionellen Elementen aus Oman und der islamischen Welt.
    Die Außenhöfe und Gänge laden zum spazieren ein. Immer wieder gibt es Grünflächen mit picobello gepflegten Pflanzen. Alles ist sehr weitläufig gestaltet.

    Noch am Eingang dachte ich, ok - das wird jetzt hier eine Massenveranstaltung und wir müssen uns „schieben“ lassen, weil es so viel Besucher gibt. Aber das ist nicht im Geringsten der Fall. 416.000 Quadratmeter minus 40.000 Quadratmeter für den eigentlichen Moscheekomplex… da bleibt ne Menge Platz für die „paar“ Hansels.

    Zuerst geht es in den Ladys Prayer Room. Hm. Klein und bescheiden ist der Raum. Dennoch sollen hier 750 Frauen Platz haben. Nicht schlecht. Aber in einem von Männern dominierten Glauben war ja auch kein Prunk für die Frauen zu erwarten.

    Die Hauptattraktion ist natürlich der große Gebetsraum. Hier beten nur die Männer damit sie - bitte festhalten - sich auf das Gebet konzentrieren können. Allein die Anwesenheit des anderen Geschlechts würde als Ablenkung empfunden werden.

    Der Hauptraum ist imposant. Anders kann man es nicht sagen. Viele Materialien stammen aus dem Ausland. So kommen die großen Lüster zum Beispiel aus Bayern. Swarovski hat den Zuschlag bekommen. Hölzer, Teppiche und vieles mehr wurden aus der ganzen Welt angekarrt und auf wundervolle Art verarbeitet.

    Die nächste Attraktion ist die Grand Royal Opera. Genau wie schon die Grand Qaboos Moschee ist die Oper ein Geschenk des Sultans Qaboos an das Volk. Bezahlt hat er diese beiden Bauten aus eigener Tasche.
    Für uns Besucher steht ein überdachter, kostenloser Parkplatz auf dem Gelände zur Verfügung.
    Der Anblick ist wieder einmal fesselnd, faszinierend, atemberaubend… Jede Superlative wäre hier ok. Wieder ist der hochglänzende Boden etwas, was nicht unfotografiert bleiben kann.
    Das Haus bietet kostenlose Führungen an, die aller halbe Stunde stattfinden. Dafür muss man sich lediglich registrieren lassen. Aber wir können uns gar nicht registrieren, sondern werden reingewunken und zur gerade beginnenden Führung eingeladen. Die ist herrlich kurz und sehr informativ. Beinhaltet aber auch den Besuch des Theaterraumes. Natürlich werden wir wieder informiert woher die Werkstoffe, Teppiche, Fensterrahmen etc. kommen. Die Orgel zum Beispiel kommt aus dem renommierten deutschen Orgelbauunternehmen Johannes Klais Orgelbau aus Bonn.

    Danach planen wir eine Input-Pause ein. Kehren dann aber auf dem Weg zum Hotel in einen Lulu Market ein. Der Lulu Hypermarket ist Omans Lebensmittelladen der Superlative. Einem westlichen Supermarkt steht er in nichts nach. Ich glaube, hier gibt es wesentlich mehr als bei uns. Eigentlich wollen wir nur eine Gaskartusche für unseren Campingkocher kaufen. Entdecken dann noch zwei bequeme Campingstühle und zahlen ganze 13€ für den gesamten Einkauf.

    Am frühen Nachmittag machen wir uns dann wieder auf. Richtung Osten. Das Muttrah Fort ist unser Ziel. Wieder einmal haben wir Glück. Wir erwischen den letzten freien Parkplatz auf dem Gelände. Für einen kleinen Obolus dürfen wir den Aufstieg starten. Ab einer bestimmten Höhe gibt es Verweilflächen und ein Café. Der Ausblick von ganz oben auf die Corniche (Promenade), auf Muttrah und die gleich dahinter steil aufsteigenden Berge ist phänomenal. Wir bleiben bis zum Sonnenuntergang.

    Am letzten Tag geht’s wieder in eine Moschee. In die 2014 eröffnete Mohamed Al Ameen Mosque. Hier muss ich trotz einer langärmeligen Bluse eine Abaya überziehen, weil meine weiße Bluse Konturen durchscheinen lässt. Ok. Es ist eine schöne Abaya - mit viel Spitze. Eine kurze kostenlose Führung gibt es auch. Beeindruckend ist auch dieser Bau. Hier gibt es keinerlei Grünflächen zum flanieren. Nur einen Innenhof. Dennoch ist auch diese Moschee wirklich sehenswert.

    Unser letztes Highlight ist die Amouage Factory. Ein Tipp von Constanze. Vielen Dank dafür!
    Amouage ist DIE exklusive Parfümmarke Omans. 1993 wurde sie gegründet und die ersten Flacons waren aus Kristallglas verziert mit 14 karätigen Elementen der omanischen Kultur. Zu sehen übrigens im National Museum.
    Die Produktion findet hinter verglasten Scheiben statt. Viel sieht man dennoch nicht. Alles läuft automatisiert ab.
    Aber man kann viel riechen. Die Düfte sind betörend wohlriechend ohne überladen zu sein. Das Besondere: Sie beinhalten um die 45% Parfümöle. Normalerweise gilt eine Konzentration von 15-35% schon als Parfüm.
    Wir riechen uns erst durch etliche Duftlinien… bevor der Besuch ein voller Erfolg wird - für Amouage 😉

    Den Nachmittag gestalten wir entspannt. Auch am Pool. Leider ist der große Pool „under construction“. So müssen wir uns mit dem Ladys Pool begnügen. Der ist gar nicht mal so schlecht. Blöd ist eben nur, dass die sensationelle Aussicht auf Maskat verborgen bleibt, denn Frauen dürfen ja nicht gesehen werden und deshalb ist eine spezielle Wand eingebaut, die nur den Blick Richtung Himmel erlaubt.

    Das war also unsere Zeit in Maskat. Unser Einstieg nach Oman.
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