• Sur - am östlichsten Punkt Omans

    17.–19. jan., Oman ⋅ ☀️ 22 °C

    Noch einige Kilometer weiter haben wir den Eindruck, ein Kloake-Geruch tänzelt um unsere Nase. Als ob unsere Kleidung den Geruch angesaugt hätte. Vielleicht aber bilden wir uns das nur ein. Das Fenster bleibt jedenfalls während der Fahrt geöffnet.

    Der östlichste Ort der arabischen Halbinsel, wo der Golf von Oman auf das Arabische Meer trifft, ist unser heutiges Ziel. Die Route 17 überquert auch einige namenlose Wadis. Das eine, ist eine tiefe Schlucht.
    „Halt!“
    Aber ich sag’s zu spät.
    Eine andere Abfahrt ist nicht in Sicht. So schön die Straßen hier auch sind, man hat vergessen, die eine oder andere Möglichkeit zum wenden einzubauen. Aber wir haben ja Zeit und fahren den Umweg.
    Der Zugang zur Schlucht ist eh auf der anderen Seite. Einen ausgefahrenen Weg gibt es nicht. Ein paar Spuren vielleicht. Unser LandCruiser kämpft. Abgerundete, faustgroße Steine bedecken das Flussbett. Linkerhand, an der Steilwand befindet sich - as usual- ein wunderschönes Wasserbecken mit smaragdgrünem Wasser.

    „Das gucken wir uns auf dem Rückweg an.“
    Dann folgt eine abgezäunte Plantage. Bananenbäume, Palmen und mehr werden hier gezüchtet.
    So verlockend es auch ist, wir kehren um. Zu groß ist die Gefahr stecken zu bleiben. Wahrscheinlich kommt hier selten jemand vorbei.
    Wir schauen uns das Wasserloch an, als wir in der Senke vor der Felswand vier junge Männer entdecken, die es sich auf einem Teppich gemütlich gemacht haben. Da sind Orangen und Kannen zu sehen. Zwei große Dosen voller Datteln. Gestikulierend laden sie uns ein, mit ihnen Kaffee zu trinken. Was für eine Erfahrung. Wir sitzen gemeinsam auf diesem weichen Teppich, müssen natürlich beide Sorten Omani Qahwa und Datteln probieren. Die Dunklen stammen sogar von der Dattelpalme hier aus dem Wadi.
    Der Eine, er ist gerade zu Besuch bei seiner Familie, kommt aus Nizwa und spricht ein ganz gutes Englisch. Wir tauschen uns aus. Über Herkunft, Alter, Job etc. Eine tolle Runde. Eine außergewöhnliche Erfahrung.
    Wir sollen noch länger bleiben. In einer Stunde gibt es Mittagessen… Aber wir danken und machen uns auf den weiteren Weg.

    In Sur steigen wir im Sur Grand Hotel ab. Wir bekommen ein Zimmer mit Blick auf die Gebirgskette und seitlichem Meerblick. Und auf die andere Hotelfront 😐 Für die nächste Nacht bekommen wir deshalb ein Eckzimmer. Beide sind sehr geräumig und das Bad ist kein Kloake-Raum!

    Sur - einst aufgrund der Lage wichtigster Ort auf der Handelsroute zwischen Indien und Afrika ist auch die Wiege des Dhow-Baus. Als Umschlagplatz auf der Handelsroute hat Sur seit dem Bau des Suez-Kanals in Ägypten an Bedeutung verloren. Was blieb, war der Dhow-Bau. Heutzutage lebt Sur von Fischfang. Dhows werden jedoch nur noch in sehr kleiner Anzahl gefertigt. Auf Bestellung. Es gibt deshalb noch die Möglichkeit, sich diesbezüglich etwas anzuschauen. Das machen wir gleich nach der Ankunft.

    Doch unterwegs bleiben wir am Bilad Sur Castle stehen. Es diente im 17.Jh zur Überwachung und Verteidigung.
    Der Zugang ist nicht klar ersichtlich. Alle Türen verschlossen. Dann geht doch ne Türe auf und für 3 OMR schauen wir uns die Festungsanlage an. Wir sind die einzigen Besucher, obwohl es bei Google die Info gibt, es seien mehr Besucher da, „als gewöhnlich „🙄

    Dann geht’s zum Maritime Museum. Hier steht das einst durch die Seemeere gefahrene „Fatah Al Khair“, ein traditionelles omanisches Dhow. Es steht vor dem Museum als Symbol für die große Geschichte des Seefahrerlandes Oman. Das Museum ist sehr informativ. Sehr verständlich auch für uns, die wir so gar keinerlei Vorabinformation über die omanische Seefahrergeschichte haben. Sogar vom Video, das als Dauerschleife in einem kleinen Vorführraum läuft, bin ich total begeistert.
    Nur fünf Fahrminuten entfernt, befindet sich eine geöffnete Dhow Factory. Für 4 OMR schauen wir uns auf dem Hof um. Hier stehen sie alle. Verschiedene Schiffstypen, in die wir reinkriechen und über abenteuerliche Treppen aufs Deck gelangen. Einfach interessant. Und ich weiß nur: Ein Glück, dass ich nicht zur See fahren muss.

    Die Sonne steht schon tief. Wir schaffen es noch bis zum Al-Ayjah Lighthouse, mit dem besten Blick auf die Bucht sowie die weißen Häuserreihen von Sur. Hier findet das Leben statt. Kitesurfer segeln über die Bucht, Jetski reiten auf den Wellen, viele junge Burschen spielen am Strand Fußball. Hier können wir einfach nicht weg. Am anderen Ende, am Fuße des Watchtowers stellen wir unsere Campingstühle auf und sehen der orangenen Sonne beim Untergehen zu.
    Jetzt müsste man etwas essen. Nur wo? Wir fahren dahin, wo es viele kleine Restaurants gibt. Eigentlich haben wir schon im Netz ein pakistanisches Restaurant rausgesucht. Und ja. Hier bleiben wir. Für etwas über 6 OMR gibt es Chicken Krahi und Chicken Masala, Salat und fantastischen Reis.

    Der nächste Tag beginnt mit einem Besuch einer Moschee. Der Bahwan Mosque. Hier ist man auf Besucher überhaupt nicht eingestellt. Zudem habe ich vergessen, eine lange Jacke mitzunehmen. Mein breiter, indischer Schal kann mit etwas Geschick aber Kopf und Arme abdecken. Aber das nützt alles nichts. Man weist mich als Frau darauf hin, dass ich nicht in den Hauptraum darf. Aber Rainer. Er
    darf auch Aufnahmen machen. Daran stört sich niemand. Ich darf dann aber in den Innenhof, wo die Türen zum Hauptraum weit geöffnet sind.

    Was steht noch auf meinem Zettel? Da wäre noch das Sunaysilah Fort. Das liegt super auf einem erhöhtem Hügel. Eigentlich müsste es noch geöffnet sein. Aber alle Tore sind geschlossen. Die Wärter, das lesen wir, gestalten die Öffnungszeiten oftmals nach gut dünken. Ja. Dann ist das so. Wir nutzen dennoch die exponierte Lage mit einem fabelhaften Blick auf das weiße Sur.

    Genug gesehen.
    Jetzt fahren wir noch bis Ra‘s Al-Hadd. Der absolut östlichsten Spitze Omans. Der Strand hier ist extrem breit. Der Sand etwas rötlich. Verantwortlich dafür sind diese klitze-kleinen Mini-Muscheln, die bis zu fünf Millimeter groß sind. Wieder stellen wir unsere Stühlchen auf und genießen den Blick auf‘s Meer. Das ist übrigens weitaus wärmer als gedacht. Ich würd‘ mal sagen wie auf Hawaii..?

    Dinner gibt es in einem kleinen Restaurant gleich neben dem Hotel. Bei ManArt. Von außen absolut nicht einladend. Im Inneren überrascht ein wunderbares, großzügiges Ambiente (man kann am Tisch sitzen oder auf dem riesigen Teppich lümmeln). Und das Essen? Sensationell! Rainer wählt Shrimp Masala und für mich gibt es ein Grillmix. Dazu… natürlich frischen Salat und gefühlt ein Quadradmeter Yemeni Bread.
    Danach fahren wir noch zum Souq. Der ist gut gemacht. Allerdings nichts, was hier angeboten wird, ist für uns interessant. Hier gibt es nämlich fast ausschließlich Goldschmuck und Kleider. Traumkleider mit viel, viel Glitzer.

    Das war also unser Aufenthalt in Sur. Ein sehr liebenswerter Ort. Mir gefielen vor allem die vielen weißen Häuser, wie wir sie als Masse so gut aus dem Zimmer sehen konnten. Andernorts würde man von einer „weißen Stadt“ sprechen. Hier ist es einfach Sur. Die Stadt am Meer.
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