• Al-Khaluf

    21.–24. jan., Oman ⋅ ☀️ 25 °C

    Dreieinhalb Stunden benötigen wir von Al-Khashkharah nach Al-Khaluf. Unser zweiter Stopp auf dem Weg nach Salalah.
    Da unsere Fahrt laut GoogleMaps direkt an der größten Wüste Omans Rab-al-Chali entlang läuft, habe ich mir eigentlich versprochen, auch von dem riesigen Sandberg etwas zu sehen. Aber dem ist nicht so. Einzig ein paar Ausläufer mit diesem erdtönigem Sand sind, was bis zur Straße reicht.

    Ein paar Kilometer später begegnen wir Dromedaren, die planlos über die Straße und später über das Land latschen. Als ob sie keinen Plan hätten.

    Unser Ziel Al-Khaluf liegt im Departement Al-Wusta. Klingt schon vom Namen her nach viel Wüste. Allerdings in weiß. Beziehungsweise in Cremefarben.

    Die breite Route 32, die wir fahren, ist eine eher unbedeutende Fernverkehrsstrasse. Dennoch ist sie im gewohnten Bestzustand. Schlaglöcher und Betonkrebs sind - trotz 45 Grad im Sommer - ein Fremdwort.
    Aber was nützt es, wenn die Landschaft nichts hergibt 🥱 Und so zieht sich die Fahrt….

    Spannend wird sie erst kurz nach dem wir die Halbinsel Al-Hickman passiert haben. Hier müssen wir die Hauptstraße verlassen. Laut Google sind wir fast schon da und dennoch soll es noch eine halbe Stunde bis zum Ziel dauern? Oh neeee.
    Die Piste ist breit aber unbefestigt. 26 Kilometer lang. Vor uns fährt ein LKW. Trotz eingestellter Umluft, bleibt uns nichts übrig, als stehen zu bleiben und zu warten, bis sich der aufgewühlte „Sand-Puder“ wieder legt.

    Kurz nach Drei erreichen wir endlich das Ziel: Das Sugar Dunes Resort. Das liegt wieder einmal mitten im Nowhere. Eingequetscht zwischen Meer und Sanddünen. Wegen dem aussergewöhnlich hellen Sand heißt die Wüste: Sugar Dunes.

    Dieses Gebiet ist touristisch noch unentdeckt. Und das ist ganz nach meinem Geschmack.
    Dass wir nun in der ersten Nacht gleich mal die einzigen Gäste des Resorts sind, damit haben wir allerdings nicht gerechnet.
    Wir bekommen das Bungalow „mit der schönsten Aussicht“ Es hat tatsächlich Frontlage. Das Personal ist extrem freundlich. Und weil wir die einzigen Gäste sind, bietet man uns gleich mal eine Fahrt in die Dünen zum Sonnenuntergang an. Allerdings bieten wir Pathum, dem Angestellten des Resorts, mit unserem Auto zu fahren. Er lässt dann auch schon mal die Luft in den Reifen ab und fährt uns bis zur ersten attraktiven „Welle“. Er warnt uns auch, nicht IN die Wüste zu fahren, wenn wir kein Desaster erleben wollen. Im Inneren.
    Ein letztes Stück bis oben zur Kante der Düne, müssen wir dann aber selbst laufen. Es ist nicht weit.
    Der Sand ist sehr fein und sehr hell. Nicht direkt so weiß wie im White Sands in NM. Eher cremefarben. Dennoch kommt man es ohne Sonnenbrille nicht hin etwas zu sehen.

    Der nächste Tag steht unter dem Motto: Gute Taten vollbringen. Eigentlich wollten wir heute nur am Strand abhängen. Denn der ist nicht nur riesig sondern auch picobello sauber. Dafür sorgt das Personal. Auch wenn der Strand öffentlich ist.

    Nun. Es kommt wieder einmal ganz anders. Ich wache schon mit subtilem Kopfschmerz auf. Es scheint, als ob eine feine Wolkenschicht zwischen uns und der Sonne hängt. Das Licht ist grell und furchtbar fies. Der Wind ziemlich heftig. Ein ausgeprägter Sandturm ist im Anmarsch.
    Während ich also mit einer Tasse VietKong Kaffee versuche den Kopfschmerz zu vertreiben, geht Rainer mal den Strand inspizieren. Ganz aufgeregt kommt er nur kurze Zeit später zurück. „Da ist ne Riesenschildkröte. Die braucht dringend Hilfe“ sagt er. Tatsächlich hat sich die Arme heute Nacht - sehr wahrscheinlich nach der Eiablage - voll verlaufen. Das - obwohl weitläufige, etwa einen Meter hohe Wände genau das verhindern sollen. Am Ende der kurzen Seebrücke hat sie sich unter das Geländer fest verkeilt.
    Drei Angestellte und Rainer bringen sie in einem aufwändigen Akt - weil sie so schwer ist - zum Wasser. Sie ist verletzt und blutet am Bein. Ohnehin ist sie nur noch dreibeinig. Die letzten Meter schiebt sie sich allein zum Wasser und mit der nächsten Welle verschwindet sie aus unserem Sichtbereich. Was für ne Aufregung!

    Mit Strand wird es also heute nichts.
    Der Sandsturm sorgt selbst nach ein paar Metern dafür, dass jede Pore zu ist. Ein Aufenthalt draußen macht so keinen Spaß.
    Was also tun? Wir entscheiden uns, mit dem Auto Richtung Siedlung Al-Khaluf zu fahren.
    Es ist noch nicht einmal der halbe Weg geschafft, da stehen zwei Gestrandete am Rand der Piste. Sie haben ihr Auto in der Düne festgefahren und laufen in die völlig falsche Richtung um Hilfe zu holen. Aber bei dem Sturm ist das alles doppelt so furchtbar. Die Story, die sie uns erzählen, ist allerdings etwas unstimmig. Sie seien Italiener, sagen sie. Die Sprache, die sie sprechen klingt aber nicht so. In meinem Hinterstübchen laufen schon verschiedene Szenarien ab. Andererseits wäre es unmenschlich sie hier stehen zu lassen. Das können wir nicht tun. Denn wir selbst sind schon mehr als einmal in eine solche Lage geraten und uns wurde immer geholfen.
    Aber ich fühle mich etwas unwohl, als beide hinter uns sitzen. Wir bringen sie in unser Resort, wo sie - wie wir abends erfahren - sofort Hilfe bekommen haben. Sie bedanken sich nochmals und ich sollte nicht mehr so viele Krimis gucken 😉

    Eine Stunde später machen wir also den zweiten Anlauf, um in die Siedlung zu kommen. Dort soll es auch zwei Höhlen geben. Der Weg dahin ist nicht ganz eindeutig. Mal fahren wir auf Sandflächen, mal am Strand. Mit unsicherem Ausgang.

    Ich, die immer die Ideen für solche Aktionen hat, bedauert schon diese Route vorgeschlagen zu haben🙈
    Dazu dieser Sandsturm… Aber Rainer genießt das Brettern auf dem Strand. Und wenn der Fahrer Spaß hat, ist die Welt doppelt in Ordnung.

    Die Suche nach den Höhlen gestaltet sich schwierig. Wir finden sie zwar, aber nur von einem oberen Felsen mit Blick nach unten. Wie wir unfallfrei runterkommen könnten, ist unklar. Bei schönem Wetter hätten wir vielleicht nicht locker gelassen. Aber so? Deshalb gibt es Fotos von oben und gut ist’s.
    Der Ort Al-Khaluf ist ein Nest. Am Rand stehen ein paar in kleinen Verschägen eingesperrte Dromedare. Sonst ist hier außer gefühlt eine Handvoll Wohnhäuser und zwei Moscheen absolut nichts los.

    Ganz plötzlich steht ein LandCruiser neben uns. Der Fahrer bietet uns an, unser Guide zu sein. Wofür eigentlich? Er will uns die Höhlen und die Sugar Dunes zeigen. Und wie man am Strand fahren kann. Als er mitbekommt, dass wir aus Deutschland sind, zählt er noch schnell bekannte Fußballclubs auf.
    Wir sind eh auf dem Rückweg, lehnen ab und fahren die gleiche Strecke zurück.
    Das Resort ist heute Abend gut gebucht. Zehn Bungalows sind besetzt. Es gibt wieder Büffet. Wie ich das hasse! Am nächsten Morgen verlassen alle, außer uns, das Resort. Das sei völlig normal zu dieser Zeit, sagt man uns. So lange wie wir bleibt kaum einer. Schade eigentlich für das Resort. Der Ort ist schön und sauber. Der Strand wunderbar.

    Der nächste Tag beginnt wieder sonnig. Der Wind hat nachgelassen. Nach dem Frühstück buche ich einen Termin zur Ganzkörpermassage. Doch keine Stunde später werde ich von heftigen Magenkrämpfen und furchtbaren Schmerzen geplagt. Wehenartig. Das geht den ganzen Tag so. Mit Wehen liegt auch unsere Schwiegertochter in Denver im Krankenhaus. Das allerdings ist geplant. Am Abend dann erfahren wir, dass wir nun zum vierten Mal Oma&Opa geworden sind 🎉

    Das Dinner fällt für mich aus. Ich lasse mir „plain rice“ ins Zimmer bringen. Rainer muss indes sein Viergänge-Menü allein essen. Mit einem weiteren Ehepaar. Wieder ist das Resort leer.

    Am nächsten Morgen geht es mir besser. Aber die Zeit hier ist vorbei. Wir hätten es hier noch länger ausgehalten.
    Es geht zu unserem letzten Zwischenstopp auf dem Weg nach Salalah. Nach Duqm.
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