Duqm & die Fahrt nach Salalah
25. januar, Oman ⋅ ☀️ 24 °C
Duqm liegt in einer Sonderverwaltungszone und ist Teil der Agenda 2040. Ein ehrgeiziges Ziel, um die „omanische Wirtschaft durch Investitionen in Technologie, Logistik und erneuerbare Energien von der Ölindustrie zu diversifizieren“.
Großes ist also angedacht. Duqm liegt etwa auf der Mitte zwischen Maskat und Salalah. Hier soll Moderne einziehen. Oman plant hier die Zukunft. Das noch vor 30 Jahren kleine Fischerdörfchen bekommt den größten Hafen Omans. Ach Quatsch. Den größten Industriehafen des Nahen Ostens.
Mehr als 2.000 Quadratkilometer sind für das neue Duqm abgesteckt. Das ist fast zweieinhalb mal die Fläche Berlins.
Geldgeber aus aller Welt werden mit allerlei Schmankeln on top eingeladen, sich hier mit ihren Schwerindustrieanlagen nieder zu lassen. Aber auch kleine und mittelständische Unternehmen sollen die umgebende Stadtplanung mitfinanzieren.
Ein paar Kilometer weiter sollen Hotelanlagen an einem feinen Sandstrand Touristen anlocken.
Dass man Dubai mit diesem Vorhaben etwas verärgern könnte, nimmt man dabei in Kauf. Denn seit dem Konflikt im Iran ist die Straße von Hormus - weltweit wichtigste Seestraße und zentrale Verbindung des Persischen Golfs mit dem Golf von Oman - unsicher. Dessen Blockade hätte nämlich massive globale wirtschaftliche Folgen.
Noch gibt es in Duqm nicht viel zu sehen. Was man aber sehen kann, ist, dass man die Stadtplanung unserer Ansicht nach in richtiger Reihenfolge ablaufen lässt.
Zuerst begann man mit der Strassenplanung. Den Adern einer Stadt. Gross und breit sind sie. Momentan noch zwei bis dreispurig. Doch dazwischen ist so viel Platz, da könnte locker auch eine A320 landen. Heißt: Jederzeit erweiterbar.
Und genau wie schon in in der Hauptstadt Brasiliens, in Brasília, gibt es neben der eigentlichen Straße - abgegrenzt durch einen Grünstreifen - noch zwei weitere Spuren. Verrückt. Das muss man sehen, um das zu begreifen.
Nun gut.
Wir wohnen in der „Resort-Street“. So steht es auf dem Straßenschild. Im Park Inn by Radisson. Ein tolles Hotel. Die Zimmer sind riesig, die Terrasse auch. Es gibt sogar zwei Handtücher und zwei Waschlappen. Das ist nicht Usus im Oman. Usus sind zwei Badehandtücher und ein Händehandtuch. Es gibt meinen Lieblingstee vom Dillmah… und überhaupt stellt sich das einst 100% US-amerikanische Unternehmen hier viel komfortabler dar als in den USA selbst.
Das Frühstücksbüffet ist einsame Spitze. Und schon fragt Rainer, warum ich nur eine Nacht hier eingeplant habe 🙄
Noch gibt es nicht viel zu sehen. Einzig der Rock Garden kann schon als Sehenswürdigkeit angesehen werden.
Vom Hotel brauchen wir etwa eine Viertelstunde bis dahin.
Auf dem etwa sechs Quadratkilometer eingezäunten Gebiet stehen fotogene Sandsteinformationen, die bis zu 46 Millionen Jahre alt sein sollen. Das Ganze kann man ohne Eintrittsgebühr und ohne Permit einfach so bestaunen. Und wir fühlen uns wie im Goblin Valley oder Joshua Park oder so.
Zuletzt holen wir unsere zwei Stühlchen raus und warten auf den Sonnenuntergang. Einfach nur schön.
Am nächsten Tag starten wir für unsere Verhältnisse sehr früh.
Punkt Neun verlassen wir das Hotel und treten die lange Fahrt, den letzten Abschnitt nach Salalah an. Etwa 660 Kilometer sind zu fahren.
Die ersten drei Stunden sind an Eintönigkeit kaum zu übertreffen. Es ist nur langweilig… 🥱
Nach genau 243 Kilometern kommt endlich etwas zum Wachwerden. Unsere Route führt uns in kürzester Zeit auf eine 150 Meter hohe Ebene, von der wir wieder auf spektakulärer Strecke auf Meeresebene geführt werden. Was bei uns wahrscheinlich ein Tunnel wäre, ist hier einfach ein Einschnitt, eine menschengemachte Schlucht. Die Straße windet sich zwischen steilen Wänden und am Ende haben wir einen sensationellen Blick auf das Tal, das vor uns liegt. Wow!
Aber dann wird’s wieder unspektakulär und nichtssagend.
Ich hole also unseren analogen Reiseführer raus und lese etwas über Dhofar. Dem südlichsten Departement, in dem auch Salalah liegt. Dabei gibt es auch einen Sonderbeitrag über die Fahrt von Duqm gen Süden entlang der Küste. Die Empfehlung für einen Abstecher in das Wadi Al Shuwaimiyah kommt uns gelegen. Es liegt auf etwa der Hälfte der heutigen Strecke.
Das Wadi beginnt gleich hinter dem Ort Shuwaimiyah. Das Flussbett ist einen knappen Kilometer breit. Der unbefestigte Wadi-Nebenweg ist wieder einmal beeindruckend gut präpariert. Eigentlich braucht man keinen 4WD. Jedenfalls heute nicht.
Nach etwa zehn Kilometern der Ah‘s und Oh‘s erreichen wir so ungefähr die Stelle, wo es ein Wasserloch geben soll.
Vom ausgetrockneten Flussbett sieht man es nicht. Eigentlich. Aber jeder weiß wenn plötzlich eine Palmenoase am Fuße einer Steilwand zu sehen ist, dann kann da nur Wasser sein. So auch hier.
Für vorsichtige Fahrer wäre jetzt hier Schluss. Man könnte auf die Ebene aufsteigen und zuletzt die Treppe nehmen.
Nicht so wir.
Wir brettern hoch und laufen die letzten Meter, wo fahren unverantwortlich wäre.
Also Wadi’s haben wir schon einige gesehen. Aber so etwas noch nicht. Das Wasser tröpfelt entlang der Wand und hat über Jahrhunderte Stalaktiten gebildet.
Der Rest ist wie immer: wunderschönes Wasserloch, eine Palmenoase und ein Falaj.
Spektakulär, atemberaubend, monumental, gigantisch… überwältigend… gibt es noch andere Wörter für Begeisterung?
Wir kriegen wieder einmal nicht genug und kehren nicht um. Verdrängen die noch bevorstehende Fahrt. Das hier ist zu einmalig. Wir wollen mehr!
Wir fahren weiter.
Im Auto sitzend, fühlen wir uns total sicher, wenn Kamele den Weg versperren. Die rennen hier nämlich nicht weg. Die „wohnen“ hier auf dieser Plantage oder ist das eine Zuchtstation🤷♀️
In aller Ruhe können wir ihnen zusehen, wenn sie die Zähne fletschen.
Wir fahren so weit, wie‘s geht. Vorbei an weiteren Wadi‘s der gleichen Struktur wie der ersten.
Ob der Weg nun eine Sackgasse ist, werden wir nie herausfinden. Fest steht - und da nützt kein Forscherdrang - wir stehen vor einem etwa fünf Meter hohen Abhang mit Verwerfungen. Da bräuchte man ein anderes Auto. Unser LandCruiser würde es sicher nach unten schaffen. Aber was, wenn dann später doch ein anderes Hindernis steht? Hier kommen wir nie wieder hoch. Also kehren wir hier nach 20 Kilometern um. Schade.
Die kommenden 300 Kilometer gehören wohl zu einem der spektakulärsten Abschnitte unserer bisherigen Reise. Wir fahren einerseits entlang des Jabal Samhan Nature Reservats. Und andererseits der Küste, die hier diese Sehnsuchtsfarben vom tiefen Blau bis Türkis aufweist.
Zusammen waren es 704 Kilometer. Die wir gefahren sind. Die reine Fahrzeit betrug 7:55 Minuten.
Geht doch.
Kurz nach Sechs erreichen wir unsere Destination für die nächsten fünf Tage.Læs mere


























Rejsende
Sieht aus, als ob das Kamel Euch was zurufen würde ;-)
SYLWIA B.Ja tut es doch. Wir sprechen nur nicht die Sprache 🤣
Rejsende
Wow, total schön!