• Nicht-Oman

    25.–30. jan., Oman ⋅ ☀️ 24 °C

    Fünf Nächte plane ich für den südlichsten Ort unserer Rundreise ein. Bei der Auswahl des Hotels muss ich dann mehr Zeit investieren als gewohnt.
    Am schönen Strand soll es sein. Schließlich ist Salalah genau dafür bekannt. Und natürlich bezahlbar. Denn die Gegend ist verdammt kostenintensiv. Einen Pool soll es auch haben.
    Letztendlich buche ich ein Zimmer im „Fanar Hotels& Residences“.
    Das liegt an einer Lagune mit Zugang zum Meer.
    Einen Pool hat es auch.
    Das Hotel befindet sich etwas außerhalb von Salalah. Aber das ist weniger wichtig. Schließlich haben wir ja ein Auto.
    Und getreu dem Motto: „Wenn schon denn schon“ soll das Zimmer auch noch Meerblick haben.
    Bei der Rate gibt es einen kleinen Trost: Nach dem Aufenthalt gibt es fünf Monde auf dem Konto von hotels.com. Bei zehn gibt es schließlich eine Nacht frei.

    Kurz nach 18Uhr erreichen wir nach einem langen Fahrtag die Einfahrt zum Hotel. Jedenfalls steht der Name auch unseres Hotels dran. Ganz offensichtlich handelt es sich hier aber um ein Konglomerat von Hotels. Das Areal erscheint nicht nur riesig. Dies ist der Zugang zu mehreren Unterkünften.
    Eine Hotel-Area eben.

    Gleich hinter der ersten Schranke beginnt also eine Art Stadt. Mit verschiedenartig gestalteten Häusern. Wirklich ansprechend.

    Am Straßenrand sind laternenhohe Pfosten mit irgendwelchen Werbesätzen. Ich registriere es aus dem Augenwinkel… war da irgendetwas in Polnisch? Und auf dem nächsten Tschechisch????
    Sehr verwunderlich. Und sichtbar nichts in Englisch oder Arabisch?

    Ganz am Ende der langen „Wohngebietsstrasse“ steht es endlich: Das Hauptgebäude des Fanar Hotels.

    Die Geschäftigkeit im riesigen Foyer gleicht einer japanischen Train Station. Die Rezeption dagegen klein. Mit zwei Mann besetzt. Irgendwie scheint alles hektisch.
    Ständig will mir jemand der vielen Angestellten meinen Handkoffer abnehmen. Ist zwar nett, aber nach der zehnten Anfrage werde nich energisch. Nein. Das ist meiner. Den brauche ich fürs Einchecken!
    Von überall hören wir polnisch sprechende Leute… Wo sind wir? Waren wir nicht bis vor einer Stunde noch im arabisch sprechenden Oman?

    Mittlerweile ist es halb Sieben.
    Unser Zimmer sei noch nicht fertig, wird uns gesagt.
    What? Um diese Zeit? Wir sollen es uns in den Sesseln gemütlich machen. Nach Neun Stunden Fahrt ist uns nach allem, nur nicht nach Sitzen. Eine knappe halbe Stunde später gibt es endlich den Schlüssel zum Zimmer. Das ist ganz nett. Und sehr geräumig. Aber wo bitte ist das Meer? Wir beide sehen da nur Sand… Jetzt sind wir etwas geklatscht.
    Das lange Warten hat uns eher kritischer und empfindsamer gemacht. Will man uns tatsächlich den äußersten Rand der Lagune als Meerblick verkaufen?
    Rainer ist noch aufgebrachter als ich. Und es passiert etwas - das nie passiert: Er geht zur Rezi und macht seinem Unmut Luft. Doch man hat wohl kein freies Zimmer mit Meerblick. Und bietet uns ein Familienzimmer an. Mit einer größeren Terrasse. Aber das wollen wir nicht. Wir wollen ein Zimmer mit Meerblick.
    Also bleiben wir, wo wir sind 😐
    Wenig später klingelt das Telefon. Nun heißt es, man hätte doch noch ein anderes Zimmer. Direkt mit Blick auf’s Meer. Am Ende des Häusertracktes.
    Das nehmen wir. Nach so einem langen Reisetag wollen wir nun endlich zur Ruhe kommen. Wir schauen uns um und sind sehr zufrieden. Endlich mal gibt es große Ablagen neben dem Bett. Alles wäre schick… wenn da nicht dieser seltsame Geruch wäre. Ein Insektizid? Wahrscheinlich kommt immer nach der Reinigung ein solcher Stoß aus der Spraydose.
    Mit meinem ausgesprochen exzellenten Geruchssinn werde ich zum Opfer. Rainer riecht es bald nicht mehr. Während ich vor dem Schlafengehen das Bett mit gefühlt ner halbe Flasche Febreeze besprühen muss!

    Die Tage unseres Aufenthaltes sind dann doch nicht ganz so schlimm wie der Anfang. Das Wetter könnte nicht besser sein. Eigentlich könnte man es hier gut aushalten können. Wenn man nicht das Gefühl hätte, Teil des Massentourismus zu sein. Bisher nämlich haben wir es erfolgreich geschafft in keiner dieser Touri-Hochburgen Malle‘s, Ägyptens bzw. der Türkei zu übernachten.
    Und nun hier. Hier im Oman. Mitten in einer polnischen Enklave mitsamt solcher Auswüchse wie Liegen schon am frühen Morgen reservieren oder Entertainment den ganzen Tag über. Bis nach Mitternacht.
    Das hier ist fantastisch für Familien und Urlauber, die vom bereisten Land nur den Airport kennen lernen wollen. Aber nur bedingt etwas für uns.
    Zwei halbe Tage verbringen wir dennoch faul an der Lagune beziehungsweise an den Strandabschnitten der Anlage. Nie aber am Pool. Denn für diese Liegen muss man wahrscheinlich schon früh um Sechs aufstehen 🙄

    Salalah ist… ich sag mal: mittelschön.
    Die Straßen sind breit und sehr modern. Die Häuser entlang der breiten Alleen stehen allerdings nicht in Linie sondern so, als wenn sie aus dem Heli gefallen wären. Das ergibt überhaupt kein Flair.
    Der Souq ist ein reiner Touri-Nepp und hat nichts mit den bisherigen Märkten gemein.
    Die imposanteste Moschee Salalah‘s ist von den vielen Moscheen der Stadt die Sultan Qaboos Mosque. Gerade abends wenn die dezente Beleuchtung das Gebäude und die Kuppel noch zauberhafter wirken lässt.
    Was noch? Ach ja.
    Wie immer gehen wir in das Musuem einer Stadt, das uns die Geschichte näher bringen kann. Da bietet es sich an, dem Museum „The Museum of the Frankensences Land“ einen Besuch abzustatten. Leider werden wir zum ersten Mal total enttäuscht. Es gibt nur zwei Räume mit eher unterdurchschnittlicher Informationsbreite.

    Etwas bockig sind wir mit dem dinnieren. Es gibt zwar eine gute Auswahl an Restaurants, aber jeden Abend etwa 70€ zu investieren, um dann mexikanisch, thailändisch, brasilianisch oder Schnitzel zu essen, dazu sind wir nicht bereit. Wir fragen nach regionalen, nach hier typischen Speisen. Aber das gibt es hier nicht.
    Also machen wir uns allabendlich auf den Weg und werden in Salalah fündig. Es gibt omanisch, libanesisch, arabisch, indisch und einmal italienisch in Form zweier Pizzen✌🏻. Wir zahlen jedes Mal
    6 OMR - das etwa 13€ sind.

    Anders als die meisten hier sind wir keine All-inclusive Gäste. Automatisch mutieren wir so zu Premium-Gästen. Das aber erfahren wir erst am vorletzten Abend, als eine Einladung zu einer Rezeption in die Rooftop-Bar an unserer Tür klemmt. Passend findet es an unserem letzten Abend statt. Mit einem Sektchen in der Hand den Sonnenuntergang zu beobachten - das hat was.

    Und bevor wir der Trägheit verfallen sind, haben wir dann doch etwas von unserem sonstigen Reisestil bewahren können. Wir erkunden auf teils abenteuerlichen Fahrten die Umgebung Salalahs im wunderschönen Dhofar.
    Aber das wird ein anderer Footprint.
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