Westlich und östlich von Salalah
27. januar, Oman ⋅ ☀️ 26 °C
Der erste entferntere Ausflug ist wieder einmal ein Ziel, das ich beim millimetergenauen Durchforsten in GoogleMaps gefunden habe.
Die Fahrt dorthin ist mehr als verrückt und riskant. Ich bin ehrlich gesagt sehr froh, dass Rainer all meine Ideen immer brav akzeptiert und sie dann auch noch umsetzt.
Es geht also zu einer Abbruchkante am Meer, dessen Weg am Ende eine Höhe von etwa 180 Metern erreicht.
Das klingt nicht viel. Ich weiß. Steht man jedoch zwei Meter entfernt von der Abbruchkante, kriegt man schon mächtigen Respekt. Zumal es hier natürlich keine Absperrzäune oder sonstige Sicherheiten gibt, die wir aus touristisch erschlossenen Gebieten dieser Welt kennen.
Die Fahrt dahin beginnt mit einer Sperrung der Straße. Hm. Da bleibt uns nichts weiter übrig als zu warten bis ein Einheimischer vorbeikommt und uns vormacht, wie man so ein Problem löst.
Claro! Einfach um die Absperrung fahren. Was sonst 🤷♀️
Die weitere Piste ist kein Zuckerschlecken. Es wird immer steiniger, steiler und schräger. Na alles was zu einer echten Offroad-Strecke gehört.
Viele Wege führen überall hin. Es gibt echt ne Menge zur Auswahl. Eine Drohne, die ständig den Blick von oben behält und uns den Überblick live sendet, wäre die Lösung. Aber wir befinden uns hier - warum auch immer - in einer Flugverbotszone.
Deshalb kann ich als Master der Routenführung nur noch interpolieren und hoffen, die richtige Empfehlung für den weiteren Weg zu geben.
Unterwegs treffen wir auf Weideflächen mit grasenden Dromedaren. Können die uns eigentlich gefährlich werden???
Man könnte ja mal googeln. Das Netz ist nämlich hier in der Muschpukei gut. Besser als in Brandenburg.
Als das Ziel erreicht ist, fühle ich eine Wahnsinnsfreude. Vergleichbar mit einem erfolgreich abgeschlossen Tag.
Das Schmankerl hier ist das gestrandete Schiff, die MV Jernas, ein in Bahrain-registriertes Frachtschiff, das bei dem Zyklon Mekunu die Kontrolle verlor und voll gegen den Felsen gerammt ist. Das war 2018. Geborgen wurde es nie. Es befand sich eh im Streit zwischen Kapitän und Eigner… nun hat sie keiner. Dafür haben wir Fotografen und Drohnenflieger ein schönes Motiv.
Allerdings sind wir beide nicht todesmutig genug, um den Blick über die Klippe zu wagen. Also kommt Drohni ins Spiel. Wegen der eingeschränkten Flugzone darf sie sich allerdings nur 30 Meter vom Standpunkt entfernen.
Die Netzanbindung ist immer noch gut. Und beim Blick auf die gefahrene Strecke im Vergleich zu der, die uns GoogleMaps als Ausweg aus den Hayour Heights im Gebiet von Aftalqoot anzeigt, entscheiden wir uns für die vorgeschlagene Route. Die führt noch einmal haarscharf an einer Abbruchkante vorbei. So scharf, dass ich aussteigen muss. Ich hab dafür keine Nerven! Rainer meint zwar es sei keine Gefahr - aber lieber stakse ich in Badelatschen über das Unwegsame Gebiet. Und dann erscheint nochmals ein Vista Point, wo das Schiff zu sehen ist, ohne dass man lebensmüde werden muss.
Und eigentlich verfallen wir schon im Glauben, dass der Zugang aus dem Westen visuell einfacher gewesen wäre. Das ändert sich, als wir an einem Abhang stehen, der einfach mal fast unbefahrbar aussieht. In solchen Situationen bin ich die, mit dem besseren Einschätzungsvermögen. Rainer wäre doch tatsächlich hier umgekehrt. Für
mich ist das keine Option. Ich checke den Weg und finde dirigierend die bessere Spur nach unten. Ohne dass der Unterboden einen Stein berührt.
An der Schnellstraße 47 angekommen, wartet schon wenige Kilometer weiter der Mughsail Beach. Ein kilometerlanger weißer Strand mit Wasser in Karibikfarben. Die Wellen sind so gleichmäßig wie aus einer Wellenmaschine. Sanft und nicht zu hoch.
Das geplante Programm für den Tag schaffen wir dann doch nicht.
Wir erklimmen gerade noch die Hochebene um Jebel Shaat mit sensationellen Durchquerungen über das Wadi Awfal. Aber als wir die Zufahrt zum Fazayah Beach erreichen, stehen wir vor einer unbefestigten Piste mit einem extremen Gefälle. Der Tag ist einfach zu weit fortgeschritten. Wir kehren um.
An einem anderen Tag nehmen wir uns das Gebiet im Osten Salalah‘s vor. Das Schöne ist, das erste Ziel ist eine knappe halbe Stunde von der Anlage entfernt. Es geht zum Wadi Darwat. Das Netz ist voller fantastischer Bilder mit milchig grünem Wasser und kaskadierenden Wasserfällen. Tja. Wahrscheinlich sieht man das im Sommer, wenn es hier mal Regen gegeben hat. Was wir sehen, sind durch ein trockenes Flussbett watende Dromedare. Und die ausgetrockneten Wände an den man sich die Wasserfälle dazu denken muss. Ein wenig Wasser finden wir auf dem weiteren Weg. Aber nichts wo man jetzt reingefahren müsste um zu baden.
Zum nächsten Ziel müssen wir eine halbe Stunde fahren. Es geht wieder zu einer Abbruchkante. Der
Jebel Shamhan Viewpoint befindet sich in einer Höhe von knapp 1.800 Metern. Die Sicht ist prima. Der Wind etwas scharf. Aber der seitliche Blick auf die Bergkette ist gigantisch. Und bis zum Meer bei Null Höhenmetern sind es nur etwa zehn Kilometer! Es ist beeindruckend, vor diesem krassen Ebenenabfall zu stehen.
Der Blick in das Tawi Atair Sinkhole ist verglichen dazu die totale Enttäuschung. Hier ist nach einem sehr kurzen Gang Schluss. Von einer Art Terrasse kann man in Richtung des Sinkhole schauen. Man sieht praktisch nichts. Das Wasserloch darf man sich offenbar vorstellen. Der Besuch ist vertane Lebenszeit!
Wir fahren zur Küste. Zum Taqar Beach. Ein weiterer unendlich langer Strand. Von hier versuchen wir ins Resort zu gelangen. Wir schaffen es aber nicht. Entweder zwingt uns ein Wasserlauf einen Umweg zu machen oder Bauprojekte für zukünftige Unterkünfte. Was wir aber schaffen ist unser gerade vor zwei Tagen gesäubertes Auto vollkommen zu versanden.
Nun ja. Was uns bei der Entdeckung westlich von Salalah an Zeit fehlte, haben wir hier zu viel. Deshalb gehen wir noch mal an den Strand im Resort und relaxen.Læs mere




























Rejsende
😱
Rejsende
Well done, Rainer 👍. Ein bissl Nervenkitzel darf ab und zu sein.
Rejsende
Wow. Wie der Harrat Viewpoint in Saudi-Arabien. Ich liebe solche Kurven.