• Bahla - Al Hamra - Jabreen

    2. februar, Oman ⋅ ☀️ 27 °C

    Omanis können keine Knieprobleme haben. Das ist mir nach diesem Tag bewusst geworden. Nach unzähligen normal bis sehr hohen Stufen, nach ungleichmäßigen in Form und Ebene weiß ich, dass meine Knie zu alt sind für diese omanischen Bauten!

    Aber von vorn.
    Der zweite Tag wird ein Kulturtag. Wir nehmen uns die Sehenswürdigkeiten westlich von Nizwa vor.
    Wir starten die Besichtigung mit einem wundervollen Cappuccino und einem Kakao in einem Café mit Blick auf das Bahla Castle. Dabei ist die Bezeichnung Bahla Castle streng genommen nicht korrekt. Es ist schlicht und einfach falsch ins Englische übersetzt worden. Denn im Arabischen heißt es „Qalʿat Bahla“ - dabei heisst Qal‘at Festung bzw. Fort.

    Das mächtige Fort aus dem 12.Jh zählt zu den ältesten Lehmforts der Welt (ältere stehen in Jemen und Mesopotamien). Dennoch hat dieses eine Besonderheit. Es ist das einzige in dauerhafter Nutzung, Erweiterung bis zum heutigen Zustand als Museum.
    Ich hab’s ja nicht so mit Festungen. Aber das hier hat schon eine beeindruckende Dimension.
    Für 4 OMR pP gehts los.
    In einem der ersten Räume wird ein Workshop für Töpfern angeboten. „Das ist prima“ denken wir und setzen uns gleich an so eine Drehbank. Ein Klumpen Lehm wird draufgepappt und dann? Das Mädel führt es kurz vor - alles sieht total easypeasy aus - und dann dürfen wir. Während wir damit kämpfen, daraus eine Form zu erstellen, hat sie Wichtigeres zu tun. Nämlich am Handy abhängen. Entweder meine Wand reißt ein, oder die Form verlässt die gewünschte Gestalt oder es hat keinen Kontakt mit der Drehscheibe… irgendwas ist immer. Ich gebe auf. Rainer ist da viel geschickter. Am Ende sind wir aber beide etwas genervt - auch weil das hier kein Workshop ist - und wir gehen.

    Nachdem also jede Ecke durchforografiert ist, geht’s weiter.

    Zum nächsten Tagesordnungspunkt.
    Nach Al Hamra. Hier interessiert uns weniger das zersiedelte Örtchen, als vielmehr Bait Al Safah. Ein weiteres, verlassenes Lehmdorf. Und genau wie schon in Adam, bin ich hin und weg vom Gesehenen. Rainer dagegen „guckt sich das auch an“.
    Er kann sich meiner Euphorie, meiner Neugier nicht anschließen. Vor allem dieser lose, feine Sand stört ihn.

    Der anschließende, kurze Spaziergang in die Palmenoase ist aber willkommen. Hier gibt es ein nett gemachtes Café, wo wir unsere staubige Kehle mit Mango-Passion-Juice wieder auffrischen.

    Ja und dann fahren wir nach Bilat Sayd. Ich hatte mir diesen Ort als sensationell gemarkert. Als wir ankommen, stehen wir vor einer Handvoll luxuriöser Familienhäuser.
    Aber was soll hier die Attraktion für uns sein 🤷‍♀️ Wir fahren ab und ich bin etwas verstört. Die Auflösung folgt erst einige Tage später.

    Zuletzt - und das ist beabsichtigt - fahren wir zum Jabreen Castle. Hier wollen wir nämlich bis zum Sonnenuntergang bleiben.
    Das Jabreen Castle wurde im
    17. Jh als Wohn- und Repräsentationsburg für den Imam Bil’arab bin Sultan erbaut. Damals war Oman ein Imamat. Und die Bezeichnung Sultan kein Herrschertitel. Ein Imam war sowohl religiöses als auch politisches Oberhaupt.
    Im Schloss wohnte seine Familie. Es gab aber auch eine Islamschule.
    Viel Infos für uns, die wir uns so gar nicht in dieser Religion auskennen.
    Auf Rat eines Paares, das wir am Frühstückstisch kennengelernt haben, leihen wir uns einen Audioguide aus. Das ist eigentlich ein Handy mit vielen Geschichten von damals. Gut gefällt uns beiden, dass wir nicht irgendeine vorgeschriebene Route nehmen müssen, sondern uns das anschauen, was wir wollen.
    Auch werden wir nicht mit Jahreszahlen und trockenen Fakten etc. zugeschüttet. Der Guide untermalt es so gut, dass wir beide uns das Leben im Schloss vorstellen können.
    Wir bleiben so lange, bis wir die einzigen Besucher sind. Dieses Anwesen ist nicht nur mein persönlicher Höhepunkt an diesem Tag sondern auch in dieser Gegend.
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