• Misfat al Abriyeen

    5. februar, Oman ⋅ ⛅ 23 °C

    Nach fünf Nächten in Nizwa ziehen wir weiter. Nach Misfat al Abriyeen. Nördlich von Al Hamra.

    Misfat al Abriyeen, so steht es geschrieben, soll „das schönste Dorf“ Omans sein. Diese Superlative war nicht der Grund, warum ich hier gleich drei Nächte gebucht habe. Nein. Mit seinen traditionellen Lehmhäusern ist es ein idealer Ort, um in so einem Haus zu übernachten. Gut nur, dass ich kurz bevor wir angereist sind, dezente Fragen bekam, was wir da so lange machen wollen. So habe ich tatsächlich drei Tage vorher, den Aufenthalt auf 2N reduziert.
    Das alte Misfat ist bei der Anfahrt über Al Hamra nicht zu sehen. Nur das Neue. Aber anhand der beidseits zugeparkten Straße ist bald offensichtlich, dass es sich hier um einen sehr touristischen Ort handeln muss.
    Als „Resident“ dürfen wir glücklicherweise dann mit dem Auto bis kurz vor unsere Unterkunft heranfahren. In weiser Voraussicht haben wir nur das Nötigste in zwei kleine Taschen gepackt. Denn Misfat ist eng und die Aufgänge sehr steil.

    Nachdem sich Rainer an der Rezi bemerkbar gemacht hat, erscheint auch ein Angestellter, der unser Gepäck trägt.
    Es ist tatsächlich beeindruckend und kaum darstellbar, wie der Ort teils auf riesigen Bouldern gebaut wurde.

    Das Einchecken im Misfah Hospitality Inn passiert nach der immer gleichen Prozedur: kopieren der Pässe, notieren der Mobilfunknummer und E-Mail. Und dann geht es über mehr als 80 Stufen verteilt über zehn verschiedene, teils abenteuerliche Treppenlösungen zum Zimmer. Leider ist das Zimmer nicht in dem alten Haus sondern in einem neueren Annex. Es ist sauber, viel omanische Deko ist auch vorhanden aber wir wohnen nicht in dem Lehmhaus.
    „Es sei ausgebucht und wir könnten ja morgen wechseln“ heißt es.
    Irgendwie haben wir aber auch beide keine Lust hier zu intervenieren und nehmen es so hin. Wir „dürfen“ ja schließlich im alten Haus frühstücken und zu Abend essen. Nun ja 😐

    Was machen wir also hier?
    Ich finde so auf die Schnelle im Netz einen wunderbaren informativen Beitrag über zwei mögliche Wanderungen. Eine kurze und eine durch die Senke zwischen dem alten und neuen Misfah.
    Als wir starten, ist schon früher Nachmittag. Die Gasse vor unserem Haus ist fast schon leer. Tagestouristen dürfen nämlich nur bis 17Uhr Misfah betreten.

    Eigentlich wollen wir die „große“ Wanderung erst morgen angehen. Aber die Neugier treibt uns immer weiter. Die steilen Naturtreppen winden sich immer tiefer. Als Kurzbeinige ist es schon ganz schön anstrengend. Aber da ist auch der Drang, ständig noch mehr entdecken zu wollen.
    Es ist aber auch schön!
    Die Palmenoase inmitten der fruchtbaren Senke, mittendrin die Aflaj (Mehrzahl von Falaj) und zwischendurch ein paar Terrassenfelder.
    Ein paar entgegenkommende, atemlose Wanderer ermutigen uns, die gesamte Tour zu machen. „It’s worthy“ meinen sie. Und das ist es auch.

    17Uhr gibt es für Gäste des Hospitality Inn eine kostenlose Fürhrung durch das Ortsmuseum. Geführt vom Eigentümer persönlich.
    An dem nimmt (leider) nur Rainer teil. Ich muss mich um mein glühendes Knie kümmern. Aber ich kann ja noch am morgigen Tag an dieser wohl sehr interessanten Tour teilnehmen. Rainer ist jedenfalls begeistert.

    Abends sitzen wir alle auf der Terrasse und genießen den Sonnenuntergang, der wie immer mit kitschigem rosa-gelb bis orangenem Licht einhergeht.
    Die anderen Gäste sind überwiegend - vielleicht auch zu hundert Prozent - aus Europa. So auch das Büffet. Es wird wohl zu dem schwächsten Essen unserer Reise überhaupt gehören. Die typischen Gewürze, die die Speisen hier so ausmachen, fehlen gänzlich. Der Omani Qahwa, den wir mittlerweile als Abschluss eines jeden Tages so lieben gelernt haben, schmeckt wie viel zu starker abgestandener und nochmals erhitzter Kaffee. Keine Spur von Kardamom oder Rosenwasser.
    Aber da die meisten Reisenden hier keine Individualtouristen sind, stoßen nur wir uns daran.

    Alles in allem war dieser Tag nicht schlecht. Aber auch kein Burner.
    Das wollen wir morgen ändern.
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