Jabel Shams & Wadi Nahkr
6. februar, Oman ⋅ ☁️ 21 °C
Misfah Al Abriyyen hat uns am zweiten Tag nichts Neues zu bieten.
Wir machen uns auf den Weg zum Jabel Shams Viewpoint. Von diesem Aussichtspunkt gibt es den Blick in den „Grand Canyon Omans“. Ausgerechnet heute ist jedoch das Wetter nicht eindeutig.
„Hazy“ nennen wir das. Ohne Sonnenbrille kann man nicht richtig gucken - mit, ist es zu dunkel. Wir hoffen aber, dass die Sonne noch die Kurve kriegt. Anderthalb Stunden soll die Anfahrt bis zum Viewpoint dauern.
Was per Luftlinie wie ein Katzensprung aussieht, entpuppt sich als Fahrt durch die unaufregende Landschaft.
Nach einer Dreiviertelstunde entdecke ich während der Fahrt rechterhand so etwas wie eine verlassene Siedlung. Direkt an einer Klippe. Für ein Foto machen wir Pause. Irgendwie sieht sie seltsam aus. Außen stehen Häuser und im Inneren… sind das Felsen?
Was ist das?
Typischer Auftrag für Drohni. Und während Rainer Drohni auskramt, beobachte ich zwei Autos, die in das anliegende Wadi fahren.
Es gibt keine Beschriftung. Kein Hinweis. Oman steckt dahingehend noch etwas in den Kinderschuhen. Aber das ist andererseits auch gut so.
Drohni bleibt also da, wo sie ist und wir verlassen die super asphaltierte Straße und sind total gespannt, wie weit wir im Wadi vorankommen.
Und wir kommen wesentlich weiter als vermutet. Anfangs noch begleitet uns eine Palmenoase. Hier und da steht ein Haus. Der Flusslauf, also das Wadi hat sich in die Felsen gefressen. Beidseitig begleiten uns Steilwände. Es sieht wunderschön aus. Riesige Steine liegen hier. Auch mal locker fünf oder zehn? Meter im Durchmesser.
Wir laden einen Wanderer auf. Er fragt uns, ob wir einen Guide brauchen.
Nein. Freundlich teilen wir ihm mit, dass wir keinen brauchen.
Wofür? Für diesen Rumpelweg, wo es eh kein Entkommen gibt? Letzteres haben wir uns natürlich nur gedacht.
Er spürt, dass wir wirklich kein Interesse haben. Er sei eigentlich ein Guide, sagt er.
Aber heute ist Freitag. Da wandert er ein wenig. Als workout.
Bevor er sich wieder absetzen lässt, empfiehlt er uns bis zum Dorf zu fahren und mit den Einheimischen einen Kaffee zu trinken.
Ok. Machen wir! Danke.
Wahrscheinlich sucht er sich nun neue Opfer.
Die Fahrt bzw. die Strecke wird zunehmend abenteuerlicher. Wie weit kommen wir überhaupt?
Lohnt es sich?
Da kommen uns zwei junge Männer mit dem Auto entgegen. Sie meinen, es lohne sich definitiv. Aber ein Dorf gibt es da nicht.
Wir befinden uns auf einer Höhe von etwa 900 Metern. Das obere Plateau direkt über uns, auf dem wir später stehen werden, hat dann eine Höhe von knapp 2.000 Metern. Gigantisch!
Nach insgesamt sieben Kilometern ist Schluss. Hier campt eine Gruppe von Wanderern. Wahrscheinlich erkunden sie diese Gegend nicht ganz so komfortabel wie wir. Dafür stechen sie in das Innerste des Canyons.
Ein Schild weist auf eine Unterkunft hin. Wer kommt denn her und übernachtet hier?
Nun darf wirklich Drohni gucken.
Und zeigt uns, dass es sich lohnt die Häuseransammlung zu entdecken. Sie hat sogar einen Namen: A’nakhar. Ein Einwohner kommt uns entgegen und führt uns vor, wie man Ziegenhaar spinnt. Und drei Jungs toben an den großen Steinen. Mehr ist hier nicht los.
Wir sind begeistert. Machen uns dennoch auf den Weg zum eigentlich geplanten Ziel: dem Viewpoint am Jabel Shams.
Jebel Shams, manchmal auch als Jabal Shams ausgewiesen, heißt übersetzt: Mountain of Sun. Mit einer Höhe von 3.018 Metern ist es der höchste Berg Omans.
Ne Dreiviertelstunde brauchen wir noch. Teils auf sandiger Piste. Oben angekommen erwartet uns das, was wir vermutet haben: Eine grandiose Aussicht und Massen an Touristen.
Hier startet auch der bekannte Wanderweg W6 - auch „Balcony Walk Trail“ genannt. Dafür bin insbesondere ich nicht schwindelfrei genug. Es gibt auf dem teils fünfzig Zentimeter breiten Weg - stets mit steilem Blick nach unten 😉 - keine Möglichkeit sich festzuhalten.
Wir machen es uns statt dessen in einem Café gemütlich, haben mit einem älteren Paar aus der Schweiz einen sehr interessanten Plausch und lassen uns ganz nebenbei den sehr guten Cappuccino nebst Kuchen schmecken.
Es ist kurz vor Drei. Zu früh, um in die Unterkunft zu fahren. Aber ich habe natürlich noch neue Ideen.
Balt Sayt oder Balat Seed? Das mit den Schreibweisen der Namen ist schon zum Verzweifeln. Einmal in Englisch und einmal Freestyle aus dem Arabischen?
Aber wahrscheinlich handelt es sich um diese Fahrt zu dem Ort, wo wir vor drei Tagen durch die unterschiedlichsten Schreibweisen zu einem vollkommen falsche Ort gefahren sind.
Wir versuchen es jetzt zu erreichen.
Am Pass angekommen, stehen wir vor einer sehr steilen Abfahrt - Skifahrer nennen es schwarze Piste - mit noch bevorstehenden 14 Kilometern.
Das schaffen wir bei bestem Willen nicht mehr! Dafür ist es eindeutig zu spät. Wir planen es für morgen ein. Morgen ist ein relativ kurzer Reisetag. Da können wir es einschieben.
Dann machen wir das, was alle anderen Omanis machen: Wir holen unsere Stühlchen raus, setzen uns an die Abbruchkante und gucken.
Gucken so lange, bis der Wind uns vertreibt. Denn auf die Sonne war ab heute Mittag kein Verlass.Læs mere

























Rejsende
Toll 🤩👍
SYLWIA B.Das ist echt etwa für Fans des SW 😉
Rejsende
Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste 👍
SYLWIA B.Genau. Wir haben Stuck-up - Erfahrung 🙈 da fährt man nicht einfach mal durch.
RejsendeJa, solche Erfahrungen sind tatsächlich nützlich für die Zukunft.