• Abu Dhabi - Teil I

    21. februar, Forenede Arabiske Emirater ⋅ ☀️ 28 °C

    Abu Dhabi ist die Hauptstadt der Vereinigten Aeabischen Emirate und des gleichnamigen (größten) Emirats.
    Von „be“Reisen des Landes kann man nicht sprechen. Es ist ein Drei-Punkte-Besuch. Deshalb sind wir absolut unvorbereitet, wenn es um die Must-do’s geht. Doch was wir schon gehört haben ist, dass die meisten diesen Ort Dubai vorziehen.

    Fünf Tage werden wir uns für Abu Dhabi Zeit nehmen.
    Die Unterkunft, das Andalus Al Seef Hotel & Resort ist eine Empfehlung. Sehr edel sieht die Lobby aus. Und die Anlage soll einem andalusischen Dorf nachempfunden sein.
    Beim Blick in das erste uns zugewiesene Zimmer machen wir gleich auf dem Absatz kehrt. Hier kommt absolut kein Licht rein. Rainer öffnet das Balkonfenster und steht vor einer Wand mit Plastikpflanzen. Ein neues Zimmer muss her.
    Wieso überhaupt ein Zimmer?
    Wir haben doch ein Apartment gebucht? Wir erfahren, dass ein Zimmer auch Apartment genannt werden kann. Man lernt ja auf Reisen so Einiges. Auch das ist neu für uns.

    Das neue Zimmer können wir akzeptieren. Der Ausblick ist nicht der Burner. Aber wir sehen den Himmel. Und bis zur Poolanlage sind es nur wenige Schritte. Die ist der absolute Knaller. Drei riesige Pools gibt es. Einer mit kühlerem Wasser zum Schwimmen, einer mit Körpertemperatur und dann gibt es einen ausgewachsenen Whirlpool. Einen von der Größe haben wir noch nie gesehen.

    Nun. Was machen wir also hier?
    Am ersten Abend essen wir in einem der vielen Resortrestaurants.
    Und dann fahren wir noch dahin, wo die Häuser stehen, die die typische Skyline darstellen. Leider werden wir enttäuscht. Denn seit gestern windet es hier. Das heißt es sind Unmengen an Sand in der Luft. Das ist nicht so wie in Al Khaluf, wo man den Sand in jede Pore bekommt. Nein der Sand ist superfein und hängt wie Nebel am Himmel. Von den Hochhäusern sehen wir nur zwei schwebende Ringe. Wahrscheinlich die Beleuchtung am Dach der Häuser.

    Am nächsten Tag strahlt wieder die Sonne. Aber immer noch ist die Sicht nicht gut. Ein prima Tag also für Innenaktivitäten.

    Wir fahren auf Yas Island.
    Die 25 Quadratkilometer große Insel, ist künstlich aufgeschüttet. Sie wurde durch Landgewinnung im flachen Küstenbereich des Persischen Golfs angelegt und seit 2006 massiv ausgebaut. Yas Island ist vor allem eine Freizeit- und Entertainment-Insel. Hier gibt es Warner Brother World, SeaWorld, Ferrari World mit der schnellsten Achterbahn der Welt (ich liebe Superlative 😉), Grand Prix Formula One und so weiter und so fort.
    Wir allerdings fahren zur Yas Mall. Nicht um zu shoppen, sondern um zu gucken. Denn Malls in dieser Dimension sind meist auch von der Architektur spannend. So auch diese. Die unvorstellbare Größe macht schlapp. Und wir entdecken das „Paul Restaurant“. Ein ursprünglich aus Frankreich stammendes Café, das nun weltweit vertreten ist. Das haben wir schon in Saigon entdeckt. Wieso gibt es dieses nicht in Deutschland? So als Nachbarn???
    Jedenfalls macht der Cortado wieder munter auf neue Entdeckungen.

    Wir fahren auf die nächste Insel: Saadiyat. Diese 27 Quadratkilometer große Insel ist nicht vollständig künstlich. Sie war ursprünglich eine natürliche Insel, wurde aber erweitert, umgestaltet und durch Landgewinnung vergrößert.
    Es ist das Pendant zu Yas Island.
    Hier finden Kultur und Kunst ihren Platz . Hier gibt es luxuriöse Wohnanlagen und ebensolche Hotels. Kurz gesagt: Schicki-Micki ist hier zu Hause.

    Es soll auch außergewöhnlich schöne Strände geben. Wir machen tatsächlich welche auf GoogleMaps aus. Doch keiner davon ist frei zugänglich. Für einen kleinen Obolus von 150AED pro Person (etwa 35€) könnten wir den Zugang kaufen. „Aber heute, bei dem Wind, sei das Baden eh verboten.“ sagt man uns.
    Da sind wir erst einmal geklatscht. Für 70€ mal paar Stunden den Strand nutzen zu dürfen kommt gar nicht in Frage.

    Wir fahren wieder ab und umrunden die weitere Insel. Tangieren dabei das Guggenheim, das gerade umgebaut wird, und das Louvre Abu Dhabi. Aber für einen ausgedehnten Museumsbesuch ist es eh viel zu spät. Die Sonne steht schon tief als wir am markanten Gebäude des Zayed National Museums vorbeifahren. In letzter Minute entscheiden wir auf den Parkplatz zu fahren, um wenigstens den angrenzenden Garten anzuschauen.
    Von hier erhoffen wir uns einen Platz, um das Haus in seiner Gänze zu betrachten. Das Besondere an dem sind nämlich die fünf schlanken nach oben ragenden Teile, die die Flügel eines Falken symbolisieren sollen. Einem wichtigen Symbol in der Kultur der Vereinigten Arabischen Emirate.
    Diese sehen nicht nur faszinierend aus, sie haben auch eine funktionale Aufgabe. Sie arbeiten nach dem Prinzip traditioneller arabischer Windtürme und unterstützen die natürliche Belüftung des Gebäudes. Warme Luft steigt nach oben und wird abgeführt, wodurch der Energieverbrauch gesenkt wird.

    Während wir also versuchen, das irgendwie im Bild festzuhalten, sehe ich Menschen da oben. Noch meint Rainer, dass man da sicher nicht einfach so reinkommt. Aber ich lasse nicht locker und finde den Zugang zu einem Aufgang, der sich um das Gebäude ganz nach oben schlängelt.
    Genial!!!

    Von hier oben entdecke ich wiederum erst zwei dann drei Säulen neben den fast gleich aussehenden würfelartigen Gebäuden nebenan. Auf jedem ist ein Symbol. Eins für das Christentum, eines für das Judentum und eines für den Islam. Kurz mal bei Google gecheckt - es ist nur noch die Kirche geöffnet. Wir beschließen, die also anzuschauen. Ist ja praktisch nebenan.

    Bei der Einfahrt zum Parkplatz werden wir von bewaffneten Polizisten abgestoppt. Einer umkreist mit seinem Schäferhund unser Auto. Das ist beängstigend. Noch sind wir vollkommen unwissend, welcher Ort das hier ist.
    Wir sind noch nicht ganz ausgestiegen, da steht schon ein Buggie neben uns und bittet uns einzusteigen.
    Was wird das hier?
    Wir wollen ja nur die Kirche besuchen…
    Es heißt : Wir dürfen alle Häuser besuchen.
    „Jetzt noch? Ja.“
    Wir werden zu einem Eingang im Untergeschoss gebracht. Hier werden unsere Personalien aufgenommen. Dann unsere Belongings gescannt. Meine Dattel von heute früh darf ich sofort aufessen oder wegwerfen. Ich esse sie auf.
    Alles macht einen sonderbaren Eindruck. Wie in einem Geheimdienst-Krimi. Rainer muss eine Kandura überziehen. Seine Knie sind nicht bedeckt. Und ich? Brauche ich eine Kopfbedeckung?
    „Nein“ heißt es.
    Über ein unterirdisches Forum werden wir zur Moschee geleitet. Aber hier heißt es: Ohne Kopfbedeckung kein Zutritt. Also eilt Rainer schnell zum Auto und holt mein Tuch, das immer auf der Rückbank liegt. Genau für solche Moscheenbesuche.
    Dann geht’s zum Kirchengebäude und zuletzt zur Synagoge.

    Die „Auflösung“ des Ganzen, was genau wir gerade besuchen, erlesen wir unterwegs.
    Es handelt sich hier um das „Abrahamic Family House“. Ein 2023 eröffneter Komplex auf dem eine Moschee, eine Kirche und Synagoge stehen, als Zeichen für religiöse Toleranz. Obwohl jedes dieser Gotteshäuser von außen sehr ähnlich aussehen, sind sie im Inneren ihrer Religion entsprechend ausgestattet.
    Am Ende sind wir „deeply impressed“. Was für ein Ort!

    Und so hat unser so ungeplanter und so unvorbereiteter Tag eine tolle Wendung bekommen. So viel haben wir nicht erwartet.
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