• Richtung Bormeo

    July 30, 2025 in Italy ⋅ ☀️ 16 °C

    Es ist irgendwie kurz vor 11 Uhr und die Straßen sind schön leer. Es ist traumhaft, hier zu fahren. Die Straße ist trocken, zwischendurch mal bewölkt, aber richtig schön.
    Damals … zu der Zeit, als das Zigarettenbürscherl unterwegs war, hat jemand hier oben zu ihm gesagt: „Den Gavia-Pass, den musst du fahren.“
    Gesagt, getan. Den fahr ich auch dieses Mal. Und ab geht die wilde Lucy.
    Der Gavia-Pass hat Beschränkungen. Es ist Winterausrüstung gefordert und maximal 3,5 Tonnen Gewicht erlaubt. Okay, Elises Reifen haben M+S-Kennung, aber ohne Schneeflockensymbol. Ich habe eh ein wenig abgenommen und war noch dazu vorher beim Bieseln. Hoffe, das reicht mit dem Gewicht.
    Von Bormio geht es Richtung Santa Caterina Valfurva. Vor mir biegt ein sehr tiefer, breiter Alfa Romeo Alfetta ein. Ein aufgemotzter Oldtimer aus den späten Achtzigern mit einem Auspuffrohr, aus dem beim Beschleunigen ein Lärm und Gegröle kommt, das sich ähnlich anhört wie mein Magen, wenn ich mal einen Tag nichts zum Essen bekomme.
    Ich merke sofort, dass das ein Aborigine ist, denn er nimmt jede Kurve mit Highspeed und driftet sogar gekonnt um ein paar Kehren. Und wir immer hinterher. Das war ein heißer Ritt bis zur Passhöhe auf 2621 Meter.
    Der sportlich ambitionierte Fahrer muss aus der Rennszene sein. Er war der optimale Guide und kannte jede Kurve. Da braucht man nicht überholen … und ich wäre wahrscheinlich auch nicht an ihm vorbeigekommen.
    Beim Hinterherfahren hat man gesehen, dass die Beifahrerin mittig auf der Rücksitzbank saß und sich links und rechts festgehalten hat. Wenn ich da drin gesessen wäre, hätte ich eine Windel gebraucht.
    Elise ist in ihrem Element. Eine Schräglage nach der anderen geht es hoch, bis es nach der Baumgrenze immer karger wird.

    Oben an der Passhöhe bei 2621 Meter angekommen parke ich und mach ein Foto und denke mir: Das hat sich aber ein bisschen verändert in zweiundvierzig Jahren. Aus der kleinen Schutzhütte ist ein stattliches Restaurant geworden. Es ist im Vergleich zu 1983 auch alles geteert und die Straßen sind bissi breiter geworden.
    Ich sehe den Alfa-Fahrer wieder und sage zu ihm: „You ride like the Devil is behind you.“
    Er grinst und hebt den Daumen.
    Elise fragt mich nachher, warum ich sie als Teufel bezeichnet habe. Tststs … sie schon wieder
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