• Musikliebende Rentiere und hüpfende Wale

    June 1 in Norway ⋅ ☁️ 12 °C

    Habe als allererstes ein neues Paket gepackt. Mein dicker Daunenschlafsack geht jetzt doch direkt nach Deutschland. Er versperrt mir den ganzen Caddy und es wird ja jetzt doch immer wärmer, so das ich auch mit dem dünnen gut zurecht komme. Bin nach einem gemütlichen Frühstück mit Silke erstmal Richtung Alta gefahren. Die letzte "Großstadt" für längere Zeit, da wollte ich mich noch ein bisschen verpflegen, mein Paket aufgeben und ich brauchte neue Schlappen, die alten sind so verformt, das ich da nicht mehr reinpasse.
    Nach einer ausgiebigen Mittagspause am Hafen bin ich dann weiter gefahren. So sehr mich die Mitternachtssonne beim Schlafen stört, zum Reisen ist sie optimal, denn ich kann auch in der Nacht fahren und am Tag schlafen, wie mir das beliebt... Und so bin ich noch reichlich weit gekommen gestern.
    Und der Landschaftswechsel war wieder frappierend. Nach Alta hören die hohen Berge auf und es geht ins Hochland. Unendliche Weiten, aktuell noch mit Schnee bedeckt, die Haselnüsse blühen schon und an den Birken zeigen sich die Knospen, richtiges März Feeling. Ich liebe diese Art von Landschaft, vielen wäre das aber sicher zu langweilig. Dieses Gewaltige, Grandiose lässt sich auch sehr schwer auf dem Foto wiedergegeben, man muss es sehen...
    Manchmal macht mich so eine Landschaft unglaublich emotional... Ich fühlte mich so privilegiert, hier einfach reisen zu dürfen, das trotz gesundheitlicher Einschränkungen und wenig Geld alles noch erleben zu dürfen, dem Universum einfach so unendlich dankbar, das ich existiere ...
    Gerade fing ich an, diese Straße zu filmen, als eine Rentier Herde vor einem entgegen kommenden LKW über den Weg sprang. Ich konnte direkt neben ihnen anhalten und wollte sie schnell im Schnee fotografieren, bevor sie weiter zogen. In meiner Hektik hatte ich noch Musik laufen, die laut aus dem Fenster schallte. Und was war das? Statt wegzulaufen haben sie sich alle hingelegt. Ich hatte wirklich das Gefühl sie hören zu. Und als ich weiter fuhr (ruhende Rentiere zu fotografieren ist auf Dauer auch nicht so der Brüller), standen sie alle auf und liefen weiter...
    Als nächstes sah ich eine Möwe am Wegesrand, die einen Frosch gefangen hat, der verzweifelt versuchte zu entkommen, und dann sah ich meine Benzinanzeige, und realisierte, das ich besser schon in Alta getankt hätte...
    Nach meinen Hochgefühlen über die Landschaft und die Tierwelt schlug die Stimmung etwas um. Denn so schön es hier ist, kein guter Ort um liegen zu bleiben...
    Google Maps zeigte, ich könnte es gerade so nach Hammerfest schaffen, aber ich wollte ja gar nicht unbedingt den schnellsten Weg nehmen...
    Zum Glück gab es dann doch noch eine ungelistete Tankstelle und ich konnte entspannt weiterfahren...
    Ich fuhr dann in einem kleinen Fjord und sehe aus dem Augenwinkel ständig was aus dem Wasser springen. Was ist das? Schnell angehalten und das Tele rausgezerrt. Gar nicht so leicht auf der glitzernden Wasseroberfläche die Tiere zu finden. Ich dachte erst es wären Orcas, die sich da aus dem Wasser katapultieren, aber es waren vermutlich Weißschnauzendelphine, wie die Fotoanalyse später ergab. Es waren 4 Tiere, und sie zogen nach ihrer Show am Ufer entlang, und ich mit dem Caddy hinterher. 3km konnte ich ihnen mit dem Auto folgen und dabei immer wieder Fotos machen, das war ein tolles Abenderlebnis. Ich suchte mir dann gleich einen Schlafplatz an diesem Sträßchen und ließ den Tag mit Blick über's Meer ausklingen.
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