• Lange Bärennacht

    June 19 in Finland ⋅ ☁️ 11 °C

    Ich habe wieder versucht lange zu schlafen um Kraft zu sammeln, aber so leicht ist das immer nicht... Ich hatte schon richtig Lampenfieber und fing gleich nach dem Frühstück an zu packen, damit ich für die Bärenbeobachtung alles parat hatte. Ausreichend zu essen, Schlafsack, Wolldecke, dicke Jacke , extra Socken (im Bärenversteck muss man die Schuhe außen lassen) , Powerbank und natürlich der ganze Fotokram. Zum Glück kann man direkt hinter dem Hide halten, um seinen ganzen Kram einzuräumen.
    Zum Glück durfte ich mir das Hide mit einer Finnin teilen. So konnten wir uns immer mal abwechselnd hinlegen während die andere die Landschaft beobachtet...
    Lange Zeit passierte gar nichts, außer das die Krähen, die auf einem Kadaver hockten ein riesen Geschrei machten. So was lockt die Beutegreifer ja dann auch gut an. Als erstes kam ein schwarzer Milan, der auf die Krähen nieder schoß, um ihnen die Fleischstücke abzujagen, die die sich mühesam da rausgepickt hatten. Das war ein guter Pausenfüller, und plötzlich erschien der erste Bär am Waldrand. Ein schöner, goldener, der sehr vorsichtig alles abschnupperte, bevor er näher kam. Er riß ein Stück aus dem Kadaver und rannte damit in den Wald. Sein Verhalten zeigte deutlich, da war noch ein anderes Männchen in der Gegend, und dem wollte er nicht begegnen. Länger tat sich nichts, dann kam ein schwarzer, größerer Bär aus dem Wald, um sich seinen Anteil zu sichern, und so kamen in den nächsten Stunden mehrere Bären vorbei, manche von ihnen mehrmals, was das zählen schwierig machte. Leider kamen nie mehrere Gleichzeitig. Tief im Wald konnten wir sie aber hören, wie sie Argumente austauschten. Schön war, wie sich im Laufe des Abends die Lichtverhältnisse änderten. Ich konnte eine schöne Serie machen, mit einem schattierten Bären vor der Abendstimmung, und als die Sonne an Kraft verlor und die Nebel aufwallten, erwischte ich noch einen Bären mit Nebelstimmung.
    So um Mitternacht musste ich schon langsam gegen den Schlaf ankämpfen, als auf einmal etwas schwarzes, zottiges aus dem Nebel angeschossen kam, sich auf den Köderplatz stürzte, und sofort wieder mit seiner Beute im Nebel abtauchte.
    Obwohl ich noch nie eins gesehen hatte, wußte ich sofort, das ist ein Wolverine, ein Vielfraß, eines der seltensten Raubtiere in Europa. In ganz Finnland gibt es gerade mal rund 400 Stück! Ich konnte mich wirklich glücklich schätzen, zumindest 1 scharfes Foto von ihm zu erhaschen, bevor er wieder weg war.
    Dann war es aber mit meiner Konzentration vorbei und ich musste mich einfach hinlegen. Ich war sowieso schon völlig durchgefroren, denn die Temperatur ging fast bis zum Gefrierpunkt runter, und dafür hatte ich dann doch nicht genug Klamotten dabei.
    Knapp 3h lag ich im Dämmerschlaf, das Liegen entspannte, aber meine Füße waren solche Eisklumpen, das ich damit nicht wirklich einschlafen konnte. Trotzdem hat es gut getan, einfach mal abzuschalten.... Von 4-6 tat sich nichts, dann kam noch mal ein großer Bär vorbei und dann wurde die Sonne schon zu grell, und wir wussten, jetzt ist Feierabend, die Bären legen sich jetzt zur Ruhe ab.
    Um 8 fuhren wir ins Camp zurück, ziemlich fertig und total durchgefroren. Ich klärte noch die Einzelheiten für die nächste Nacht, dann fuhr ich zu meinen Waldrastplatz um ein bisschen Schlaf zu tanken und die Füße mit der elektrischen Heizdecke aufzuwärmen.
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