• Mexiko-Stadt, Mexiko-Stadt, Mexiko

    March 7, 2023 in Mexico ⋅ ☀️ 25 °C

    Nachdem ich in Teotihuacán 3 Nächte auf Minas Campingplatz verbracht hatte, wollte ich am Dienstagmorgen des 7. März mit dem öffentlichen Bus in das 39 km entfernte Mexico City reisen. Das Auto konnte ich während meiner Abwesenheit bewacht und für die Hälfte des regulären Preises im RV Park stehen lassen. Gegen Mittag stieg ich im Zentrum von Teotihuacán für Pesos 40 (€2) in den Bus in die Hauptstadt ein. Es war eine angenehme und stimmungsvolle Fahrt. 2 Straßenmusiker spielten für einige Kilometer im Bus auf und sangen romantische mexikanische Lieder. Ein Trinkgeld gab es dafür natürlich auch.

    Ich kam nach etwa 45 Minuten am Busbahnhof Terminal Central del Norte an. Die Fahrt stadteinwärts übte bereits eine gigantische Wirkung auf mich aus. Die Randbezirke erstreckten sich schier endlos die Hügel hinauf und hinunter. Neben Bussen werden die Bewohner unter anderem auch mit einer Seilbahn von der Megacity in die umliegenden Kommunen befördert. Über der Stadt hing eine bleierne Smogglocke.
    Für mich galt es nun einen Weg ins Zentrum zu finden und mir standen verschiedene Optionen zur Verfügung: Bus, U-Bahn oder Taxi? Ich entschied mich fürs Taxi, da ich mich nicht auskannte und gerne direkt bei meinem Hostel abgesetzt werden wollte. Die Fahrt kostete Zeit, da neben den 8 Millionen Einwohnern in der City 15 Millionen Autos existieren. Obwohl die Straßen zum Teil 10-spurig und mehr verlaufen, steht man in der Hauptstadt eigentlich immer im Stau. Für die einstündige Fahrt im Taxi zahlte ich schließlich Pesos 150, was etwa €8 entspricht. Zum Vergleich: Bus und U-Bahn kosten gerade einmal Pesos 5.
    Der Taxifahrer setzte mich an meinem Hostel Mundo Joven, was sich direkt im Centro Histórico oder wie das Stadtzentrum in mexikanischen Großstädten auch oft genannt wird: in Zócalo ab. Für €34 übernachtete ich in einem Einzelzimmer vis a vis von der Kathedrale, unweit des Templo Mayor und unzähliger weiterer historischer Gebäude und Sehenswürdigkeiten. Ich war begeistert und noch mehr freute es mich, dass das Hostel eine Dachterrasse mit Roofbar besaß, auf der man einen atemberaubenden Sonnenuntergang bestaunen konnte. Frühstück war im Preis ebenfalls inbegriffen. Das Zimmer konnte ich leider nicht behalten, da am 8. März, dem Internationalen Frauentag die Megacity stark frequentiert war. Ich zog ins City Hostel um die Ecke ein, was mit €23 pro Nacht für ein Einzelzimmer noch günstiger und auch ganz akzeptabel war. Ich blieb noch weitere 3 Nächte in México City. Ich begann es zu genießen und doch war ich abends immer extrem müde von den vielen verschiedenen Eindrücken, die sich mir während des Tages boten. Die Ciudad de México kurz CDMX ist eine Stadt mit so vielen Gegensätzen: bettelarm neben extrem wohlhabend prägen das Grossstadtbild.

    Am Tag meiner Ankunft wurde ich im Hostel und auch im historischen Viertel informiert, dass am morgigen internationalen Frauentag eine Ausnahmesituation in der Stadt herrsche. Schon Tage vorher wurden um die historischen Gebäude Stellwände errichtet, um Schmierereien an den Fassaden zu vermeiden. Am 8. März begannen dann gegen Mittag Demonstrationen von Frauen für die Rechte von Frauen, die bis in die Nacht andauerten und wirklich spektakulär und emotional aufgeladen waren. Ich hatte mir für diesen Tag vorgenommen, nicht im Zentrum zu bleiben und schon am Vorabend über einen Mitarbeiter vom Hostel einen Kontakt zu einem Taxifahrer hergestellt, der im Randbezirk NEZA aufgewachsen war und mit mir dort eine Tour machen wollte. Arturo holte mich am Morgen um 9.30 Uhr ab und brachte mich in die Nachbarstädte Nezahualcòyotl und nach Chimalhuacán. Neza gilt als die ärmste Millionenstadt Mexikos und es ist dort nicht ungefährlich. Mein Ziel war es, mir ein Bild vom Leben der Bevölkerung im Speckgürtel zu verschaffen. Arturo machte seinem Job als Guide alle Ehre und brachte mich genau dahin, wohin ich wollte. In Neza, wie auch in Chimalhuacán, aber auch in vielen anderen mexikanischen Großstädten versucht sich die arme Bevölkerungsschicht mit dem Verkauf von Müll ein paar Pesos zu verdienen. Dafür werden Müllsäcke geöffnet und es wird getrennt. Je nach Material, wie PET, Plastik, Alu etc. erhält man nach Abgabe in einem Recyclinghof dann einen niedrigen Betrag von etwa 5 bis 7 Pesos pro Kilo. Eine wahre Schinderei. Der Dreck und der Gestank waren schrecklich und ich bewundere die Menschen, die sich dieser Arbeit täglich aussetzen. An dieser Stelle: einfach mal DANKE !!!
    Dank auch an Arturo, denn so kam ich mit den Menschen ins Gespräch und konnte ihre Arbeit fotografieren. Ich war an diesem Tag eine „Reporterin aus Deutschland“, die von den Menschen in den Vororten anfangs zwar mit Skepsis und dann doch sehr freundlich und interessiert akzeptiert wurde. Arturo und ich kamen auch an mobilen Essensständen vorbei, wo wir köstlich versorgt wurden. Am Nachmittag fuhren wir zurück nach Zócalo, was wegen der Demonstrationen und der vielen Absperrungen schwierig zu erreichen war. Ich ließ mich etwas außerhalb absetzen und spazierte noch eine Weile durch die ruhigeren Gassen. Auch hier im Zentrum leben arm und reich nah beieinander. Obdachlosigkeit, Drogenkonsum und Kriminalität sieht man hier gleichermassen wie Wolkenkratzer, die schöne Kathedrale und das teure Café. Nach einem authentischer Tag fiel ich todmüde in mein Bett, diesmal im City Hostel.

    Am nächsten Tag, es war bereits der 9. März, wollte ich mir nun endlich ein paar klassische Sehenswürdigkeiten in Mexico City ansehen und setzte mich in den Turibus, in dem man wie in vielen anderen Städten auch, rein und raus kann, um sich im jeweiligen Stadtviertel umzuschauen. Vom Nationalmuseum ging es zum Monumento a la Revolución und weiter zum Monumento a la Independencia, wo ich immer etwas Zeit verbrachte. Länger verweilte ich dann auf dem Schloss von Chapultepec und besuchte dort das Historische Museum. Am Abend blieb noch etwas Zeit für einen Streifzug durch Zócalo, wo ich mir für den Templo Mayor, den wichtigsten und größten Tempel der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán, also der heutigen Stadt Mexico, welches heute nur noch eine Ruine mit Museum ist, Zeit nahm. Den Sonnenuntergang genoss ich an diesem Abend mal wieder auf dem Rooftop des Mundo Joven. Er war an diesem Tag atemberaubend.

    Am nächsten Morgen gönnte ich mir im Maison Kayser, einem exklusiven Café im Zentrum ein gutes Frühstück inklusive eines exzellenten Kaffees. Danach ging es wieder in den Turibus, der mich nochmals nach Chapultepec brachte. Zuerst schlenderte ich um die gigantischen Wolkenkratzer herum. Ich hatte mich schon am Tag zuvor gewundert, warum es an einem begrünten Platz eine derartige Ansammlung von Menschen gab. Ich wollte es wissen und lief direkt dorthin. Ich war noch weit entfernt und vernahm bereits den intensiven Cannabisgeruch. Hier durfte man also legal Marihuana rauchen. Ich wollte ein paar Fotos machen, was aber nicht erwünscht war und so verließ ich die Gegend wieder und spazierte durch den Park weiter bis zum Anthropologischen Museum. Ich kam erst gegen Mittag an und dies war bereits viel zu spät für ein Museum von solch einer Größe. Es war faszinierend, interessant und beeindruckend zugleich hier durch verschiedene Epochen in verschiedenen Gegenden Mexikos zu streifen und all die imposanten Ausstellungsstücke zu bewundern. Ich musste mir dann aber eingestehen, dass ich eigentlich 2-3 Tage nur für dieses Museum hätte einplanen sollen.
    An diesem Freitagabend bot sich mir zurück in Zócalo noch ein buntes Treiben von Straßenkünstlern. Es tat gut nach dem intensiven Tag noch etwas Unterhaltung geboten zu bekommen.

    Am Samstag, den 11. März sollte es zurück nach Teotihuacán gehen. Ich war bereits 4 Nächte in der Hauptstadt und entschied mich zur Abreise. An diesem Morgen ging ich zum Frühstück in die berühmte Churreria El Moro, in der man die berühmten Churros vorzugsweise mit einer heißen Schokolade serviert bekommt. Die Lokalität ist sehr authentisch und man kann den Bäckern von außen sogar beim backen des legendären Branntteiggebäcks zuschauen. Ein absolutes Highlight in der Megacity. Nach El Moro checkte ich aus, marschierte zur nächsten Bushaltestelle und fuhr für Pesos 5 an den Terminal Central del Norte. Am Ausgang 8 stand bereits der Bus, der mich zurück in die Pyramidenstadt brachte. Von Mina wurde ich herzlich empfangen. Auf dem Campingplatz herrschte reges Treiben und ich traf „alte“ Bekannte wieder. Irgendwie entschleunigte das übersichtliche Teotihuacán augenblicklich. Ich ging zum Markt, kaufte Obst, Gemüse und Brot und kochte mir eine warme Mahlzeit. Zurück in einer vertrauten Umgebung tat gut und mal wieder im Isuzu schlafen zu können ebenfalls. Ich hatte mich bereits sehr an das Leben im Camper gewöhnt.
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