Indian Church Village und Lamanai
May 27, 2023 in Belize ⋅ ⛅ 36 °C
Als ich Mexiko verließ, hatte ich an der Grenze noch genau 2 Dinge zu erledigen: ich durfte mir einen Ausreisestempel abholen und damit wurde mein 180-Tage-Visum ungültig und das TIP (Temporary import permit) für den Isuzu musste aufgelöst werden. Ersteres ging schnell und mit Verwunderung nahm die Zollbeamte zur Kenntnis, dass ich keinen Einreisestempel im Pass besaß, sie nahm es aber hin. Als ich im Januar die USA in Richtung Mexiko verließ, bekam ich das Visum zwar in Papierform ausgehändigt, aber den Stempel erhielt ich nicht und angeblich sei er wohl auch kein MUSS. Das Auflösen der zeitlich beschränkten Einfuhr vom Auto dauerte etwas länger. Der Wagen wurde genau inspiziert und es wurden Fotos gemacht. Am Schalter erhielt ich dann ein Ticket mit der Bestätigung, dass ich meine, bei Einfuhr bezahlte Kaution zurück erhalte. Dies geschah innerhalb von 3 Tagen, jedoch musste ich mich mit etwa USD 40 weniger zufrieden geben, als ich bei Einreise zahlte. Jemand sagte mir später, dass es mit Wechselkursschwankungen und Bearbeitungsgebühren zusammenhängen könne.
Weiter ging es zur Belize Grenze. Zuerst fuhr ich in eine Art Waschanlage, wo internationale Fahrzeuge für USD 5 desinfiziert werden. Das Ganze dauerte
1 Minute und das Auto sah hinterher furchtbar aus. Anschließend machte ich mich zur Immigration auf. Ich erhielt mein 30-tägiges Touristenvisum und für BZD 30 (Belize Dollar = 2:1 zum USD) gab es die Einfuhrerlaubnis für das Auto. Als letzte Amtshandlung an der Grenze schloss ich noch eine Fahrzeugversicherung für einen Monat in Höhe von USD 60 ab und tauschte den Rest meiner mexikanischen Pesos in BZD um. Nachdem alles erledigt war hieß es: „Welcome to Belize,“ dem einzigen englischsprachigen Land in Zentralamerika. Das machte es schonmal einfacher.
Ich fuhr zuerst in die grenznahe Stadt Corozal. Hier sah es bereits ganz anders aus als in Mexiko. Das Flair war viel karibischer, die Bevölkerung ein Mix aus verschiedenen Ethnien, die Häuser bestanden meist aus Holz und wegen den Hurrikanen wurden sie erhöht gebaut. Da es bereits Samstagnachmittag war und die Uhren hier aufgrund der langen englischen Kolonialisierung eher europäisch ticken, beeilte ich mich, um noch eine SIM-Card zu bekommen, einen ATM zu finden und ein paar Einkäufe zu machen. Die meisten Lebensmittelgeschäfte befinden sich in Belize übrigens in chinesischer Hand, so auch in Corozal. Das Angebot an Waren ist umfangreich und die Preise sind ungewohnt hoch.
Nachdem ich alles erledigt hatte, hieß es zu entscheiden, wohin mich die heutige Fahrt führen solle. Zuerst wollte ich nur eine kurze Strecke bis zu einem unweit von einer Lagune gelegenen Campingplatz fahren, entschied mich jedoch anders. Ich schaffte es in südlicher Richtung bis nach Indian Church Village, von wo aus man die Ruinen von Lamanai fussläufig erreichen kann. Die Fahrt war zuerst einmal sehr angenehm. Ein gut ausgebauter Highway führte mich gen Süden bis zum Abzweig Lamanai und von da an dauerte es länger. Ich fuhr ewig auf Schotterpisten durch Mennonitenland. Das Bild hier war ähnlich wie schon in Salamanca in Mexiko und die Lebensweise dieser Menschen faszinierte mich noch immer. Als ich es endlich ins Dorf geschafft hatte, fuhr ich zielstrebig zu einem Campingplatz, der mir von Reisebekannten empfohlen wurde.
Ich kam auf dem Grundstück einer lokalen 4-köpfigen Familie an und konnte auf Spendenbasis auf deren Wiese stehen. Es war wunderbar und absolut tropisch. Ich teilte mir die Wiese mit einem Hahn, Hühnern, Küken, einem Kaninchen, einem Hund und sicher ganz vielen Insekten und auch mit meinen Lieblingstieren, den Fröschen ;-(. In den Bäumen tummelten sich zahlreiche Vögel und Mauricio war ein wahrer Vogelkundler. Immer wieder flogen Tukane und grüne Papageien im Astwerk herum. Es war eine Freude, diese Vögel zu beobachten. Aus der Ferne war der Sound der schwarzen Brüllaffen zu hören. Ich hatte wirklich Glück, denn Mauricio war auch noch Tourguide und bot mir an, mich am nächsten Morgen durch Lamanai zu führen. Er wollte für die 2.5 stündige Führung gerade mal USD 15 haben. Zusammen mit ihm war die Besichtigung der archäologischen Stätte äußerst interessant und informativ.
Der Name Lamanai bedeutet in der Maya-Sprache so viel wie „untergetauchtes Krokodil“. Mit einer Besiedelungsdauer von ca. 3000 Jahren gehört die Stätte zu den am längsten dauerhaft besiedelten Mayastädten. In der klassischen Periode um 700 n. Chr. wuchs die Bevölkerung auf über 20.000 an. Im Gegensatz zu den meisten anderen Mayastätten war Lamanai auch noch besiedelt, als die Spanier im 16. Jahrhundert nach Belize kamen. Sie errichteten am Eingang zu den Ruinen eine Kirche, von der man heute noch Überreste sieht. Interessant fand ich auch die Tatsache, dass bis zur Eröffnung von Lamanai als Sehenswürdigkeit, ein kleines Dorf nahe des Eingangs der Anlage existierte, in dem Mauricio aufwuchs. Er berichtete mir, dass er die Tempel als Kind bereits spielend erforschen konnte und noch immer fasziniert von ihnen ist. Leider musste das Dorf in den 90er Jahren dem Tourismus weichen. Am Ausgang der Ausgrabungsstätte konnten wir noch längere Zeit Brüllaffen beobachten, bis wir uns zur Rückfahrt entschieden.
Nachdem ich mich von der drückenden Hitze etwas erhielt hatte, streifte ich durchs Dorf, in dem es an diesem Sonntagnachmittag sehr ruhig zuging. Ich lief weiter bis zur New River Lagoon, wo ich mir etwas Abkühlung verschaffte. Obwohl in der Lagune angeblich Krokodile zu Hause sein sollen, waren noch mehr Waghalsige vor Ort und trauten sich den Sprung ins Wasser. Ich war etwas enttäuscht vom Gewässer, da ich gerade von der wundervollen Bacalar Lagune kommend mit mehr Schönheit gerechnet hatte. Den späten Nachmittag und Abend verbrachte ich unter dem riesigen Mangobaum im Garten vor dem Haus der Familie. Ich begann mich schonmal mit meiner Abreise nach Belize City am nächsten Morgen auseinanderzusetzen. Dort wollte ich das Auto für ein paar Tage stehen lassen und auf die Insel Caye (gesprochen: Ki) Caulker reisen. Eine kleine Auszeit vom Abenteuer Auto stand an.Read more










