León, Nicaragua
August 15, 2023 in Nicaragua ⋅ ☁️ 31 °C
Nach dem Frühstück im Hostal Rio de Piedra in Esteli startete ich die 2.5 stündige Fahrt in das etwa 145 km entfernte León, vollständig Santiago de los Caballeros de León. Ich freute mich schon sehr auf meine neue Destination, denn auch diese nicaraguanische Stadt hatte ich auf meinen beiden vorherigen Reisen im Jahre 2021 noch nicht besucht. Die Anfahrt verlief problemlos. Ich fuhr auf recht gut ausgebauten Straßen, meist durch ländliche Gegenden bis zu meinem Zielort. Am Stadteingang befand sich ein La Colonia Supermarkt, bei dem ich noch einen ausgedehnten Einkauf tätigte. Auch in Nicaraguas internationalen Lebensmittelläden bekommt man mittlerweile alles, wenn man die entsprechenden finanziellen Mittel mitbringt. Wie man sich vorstellen kann, war in dem großen Ladenlokal kaum jemand, denn der Grossteil der lokalen Bevölkerung kann sich das Shoppingerlebnis hier nicht leisten. Nach meinem Einkauf hatte ich nur noch wenige Minuten bis zum Casa Lula Hostel zu fahren, für das ich mich Dank IOverlander App entschieden hatte, vor allem weil es sehr zentral lag und weil es einen sicheren Parkplatz im Innenbereich des Grundstücks gab, auf dem 2 Fahrzeuge normaler Größe Platz hatten. Der amerikanische Besitzer Roger öffnete mir das Tor und ich fuhr den Isuzu hinein, checkte ein und verstaute den Einkauf. Die Küche des Hostels war riesig und bot viele Annehmlichkeiten. Am Morgen gab es ab 7 Uhr immer frischen Kaffee. Das Einzige, was mich am Lula „etwas“ störte, war der herumliegende Hundekot. Die Hosts besaßen zwei große Hunde, die ihr Geschäft in der Regel auf dem Grundstück erledigten. Wenn ich etwas aus dem Auto holen wollte, musste ich meist aufpassen, nicht in einen Haufen zu treten. Gehört hatte ich schon öfter, dass das Gassigehen mit den Hunden bei Amerikanern nicht so üblich sei, wie bei uns Mitteleuropäern. Mein sehr schönes und geräumiges Zimmer mit einer kleinen, liebevoll gestalteten Veranda nebenan, befand sich auf der oberen Etage. Ich fand es toll, wenn auch nach ein paar Tagen recht heiß, da ich nur die Option Ventilator nutzte. Bei gefühlten 40 Grad, war dieser fast nicht ausreichend. Für die Klimaanlage veranschlagte Roger für eine fixe Zeit von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends 10 Dollar extra, was ich überteuert fand und zudem war ich zu diesen Zeiten meist sowieso nicht im Zimmer. Ich verzichtete und schwitzte lieber 🥵. Aber nach 8.5 Monaten HEISS kam es auf 2-3 Nächte mehr nun auch nicht mehr an. Da das Zimmer recht günstig war und mir die Stadt auf Anhieb sehr gut gefiel, buchte ich gleich 4 Übernachtungen. Im Auto schlief ich übrigens nur noch sporadisch, da es in diesen Breitengraden auch nachts nicht wirklich abkühlte und gute Campingplätze zudem rar waren. Am Tag der Ankunft riss ich keine Bäume mehr aus. Ich kochte mir noch etwas zum Abendessen und entspannte auf meiner schönen Veranda.
Am Mittwochmorgen ging ich erstmal joggen. Wegen der Hitze lief es nicht so optimal, wie bei den wesentlich kühleren Temperaturen in Esteli, aber Hauptsache es lief. Für den Nachmittag hatte ich eine Streetart-Freewalking-Tour gebucht, die scheinbar nur mich interessierte, so dass ich meine Private hatte. Es war sehr interessant und Leo, mein Guide, erzählte sehr fundiert über den geschichtlichen und politischen Hintergrund der vielen Wandmalereien im historischen Zentrum. León gilt als intellektuelle Metropole Nicaraguas und steht traditionell für das liberale Element des Landes. Die Stadt war das Zentrum der Revolutionskämpfe 1978/79 und Wohnsitz des berühmten Dichters Rubén Darío, der u.a. auch in einem großen Wandbild verewigt wurde. Nach der fast 2.5 stündigen Tour ging ich zurück zum Casa Lula Hostel und ließ den Tag ruhig ausklingen. Den Stadtrundgang wollte ich am übernächsten Tag nochmals alleine fortsetzen.
Ich war am Abend bereits von Nervosität geplagt, denn für den nächsten Vormittag hatte ich mich für das, für León berühmte Vulkan- Boarding am aktiven Cerro Negro angemeldet. Für die Tour bezahlte ich bei meinem Host Roger im Voraus USD 25 und begab mich am Donnerstagmorgen zum Via Via Hostel, von wo es losgehen sollte. Es kam erstmal zu Verzögerungen, da der 4x4, der uns hinbringen sollte, nicht lief. Bis ein alternatives Fahrzeug ankam, verging fast eine Stunde und dazu kam nochmals eine Stunde für die Fahrt zum Vulkan. Landschaftlich ist dieses Gebiet wunderschön und fährt man nur ein Stück raus aus der Stadt, spürt man die Ursprünglichkeit Nicaraguas hautnah. Mir ging diese Stimmung in keinem Land Zentralamerikas so unter die Haut wie hier. Man sieht Ochsenkarren, Pferdekutschen, Hühner, Schweine und ein paar Bauernfamilien, die sich mit der eigenen Landwirtschaft gerade so über Wasser halten. Nachdem wir dieses ländliche Gebiet passiert hatten und am Fuße der beiden Vulkane angekommen waren, bekamen wir unsere Ausrüstung: einen gelben Arbeitsschutzanzug, einen Stoffrucksack, eine Schutzbrille und das hölzerne Board, welches um das Jahr 2000 von 2 Aussies kreiert wurde und seitdem regen Einsatz findet. Das Vulkanboarding am Cerro Negro ist übrigens weltweit einmalig, da es das einzige Boarding an einem aktiven Vulkan ist. Nun galt es erst einmal, die 528 Höhenmeter mit dem gelben Brett im Schlepptau zu meistern. Nach und nach gaben fast alle unserer Gruppe das Funboard an einen Chico ab, der für den Service, es nach oben zu tragen USD 5 verlangte. Als wir den Aufstieg endlich gemeistert hatten, gab es noch ein letztes Foto, mal ernst dreinblickend, mal total überdreht und danach machten wir uns startklar für die Abfahrt. Ich schaffte gerade einmal ein Drittel der Strecke, hatte permanent ein mit Vulkangestein gefülltes Board und bekam es mit der Angst zu tun. Es ging mir plötzlich alles viel zu schnell. Ich stieg ab und nicht wieder auf. Die restlichen 2/3 ging ich zu Fuß nach unten, was auch kein Vergnügen war, da ich ständig im Vulkankies einsackte, aber ich fühlte mich zumindest sicherer, als auf dem Board. Unten angekommen hatte sich ein Tourist tatsächlich den Arm gebrochen und musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Ich war froh, dass ich mich für den Fußmarsch entschieden hatte. Volcanboarding war eine Erfahrung, die ich nicht wiederholen werde. Als wir wieder zurück im Via Via Hostel waren, war es bereits Nachmittag. Im Get Up Stand Up Shop nebenan konnte man an einer Gratis-Führung durch das Atelier und durch die Produktionsstätte teilnehmen und zu sehr günstigen Preisen, coole Surferoutfits „Made in Nica“ erwerben. Ich wurde natürlich fündig und nahm die Promotion „Buy 2 Get 3“ gerne in Anspruch. Zurück im Hostel berichtete ich meinem Host Roger, der selber noch nicht auf dem Vulkanboard saß, von meinen Erfahrungen. Ein ereignisreicher Tag ging zu Ende.
Den Freitag nutzte ich nochmals für meine eigene Tour durch die 170 000 Einwohner zählende, quirlige, laute Kolonialstadt. Die Architektur war wunderbar und die Vielzahl der Kirchen eine Augenweide, gepaart vom Charme Nicaraguas. Auch im historischen Zentrum rasten Pferdegespanne wie selbstverständlich durch die Straßen. Fliegende Händler gab es überall und sie priesen ihre Waren schreiend an. Die Kathedrale von León ist sicherlich das Highlight im Stadtzentrum. Das um 1860 nach über 100-jähriger Bauzeit fertiggestellte Gotteshaus gilt als das Größte und Älteste Mittelamerikas. Wenn man den Seiteneingang nimmt, USD 3 zahlt und die Treppenstufen nach oben steigt, kommt man aufs Dach der Kathedrale, was einfach wunderschön ist. Weiße Kuppeln ragen aus der Decke heraus und der Blick auf das historische León ist umwerfend. Nach 20 Minuten wird man aufgefordert, seine Schuhe zu nehmen und den Weg nach unten anzutreten. Nachdem ich meinen Fußmarsch durch das gesamte historische Zentrum schließlich beendet hatte, ging es zurück zu meiner Bleibe. Bei diesen immensen Temperaturen hielt man es unter freiem Himmel nicht allzu lange aus und war immer auf der Suche nach einem schattigen Plätzchen.
Die Tage in León vergingen wie im Fluge und ich machte mich allmählich daran, eine Bleibe in meiner nächsten Destination, der Stadt Granada zu suchen. Da der hiesige RV Park (Campingplatz) keine Möglichkeit bot, Strom zu nutzen, entschied ich mich, nach einem Hostel zu schauen. Es dauerte eine Weile, bis ich in der Kolonialstadt das Richtige für mich und den Isuzu gefunden hatte.Read more











Und man ist wieder voll dabei, also ich muss da gar nicht mehr hin, dank dir war ich da schon 😂 na ja, zumindest in Gedanken. Danke dir 😘 [Anja]
TravelerIch kann dir nur raten, selber hinzugehen. Das Land ist einmalig ♥️