Die ersten Tage in Addis Abeba
Jul 17–19, 2024 in Ethiopia ⋅ ☁️ 20 °C
Endlich Sommerferienbeginn 🙏.
Nach 8 intensiven Monaten im Lehrberuf konnte mich nichts und niemand mehr davon abhalten, eine neue Reise anzutreten und mir damit eine kurze Auszeit zu gönnen. Ich hatte etwa 30 Tage kostbare Frei-Zeit und wollte Nichts wie weg. Ich recherchierte viel und meine erste Idee war es, wieder über den großen Teich zu fliegen, vielleicht in die Dominikanische Republik oder nach Jamaika. Plötzlich taten sich mir aber ganz andere Destinationen auf, wie z. Bsp. die Seychellen mit einem Stopover in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Meine Neugier war geweckt und ich nutzte die rare Freizeit, um mich einzulesen. Immer wieder zeigten sich im ostafrikanischen Land neue Highlights auf, bis ich den Entschluss fasste, länger in Äthiopien bleiben zu wollen. Ich wollte die Hälfte meiner Ferien im Land verbringen und die restliche Zeit auf den Seychellen.
Am Dienstag, den 16.Juli nahm ich am späten Nachmittag den Zug zum internationalen Flughafen Frankfurt. Pünktlich um 22.10 Uhr starte die gut besetzte Boing von Ethiopian Airlines den Flug nach Addis Abeba. Der Check-in war hektisch. Es hatte sich eine lange Schlange gebildet, vor allem von Reisenden mit äthiopischen Wurzeln, die die Familien im Heimatland besuchen und beschenken wollten. Dementsprechend schwer und meist übergewichtig war deren Gepäck. Eine komplizierte Angelegenheit, da sie Sachen wieder auspacken mussten und das nahm Zeit in Anspruch. Nach längerer Wartezeit war mein Check-in schliesslich erledigt und ich konnte mich zum entsprechenden Gate begeben. Ich war überrascht von der Vielzahl westlicher Reisender in Richtung Äthiopien. Es wurde mir aber schnell bewusst, dass der Grossteil den Flughafen Addis Abeba nur für den Transfer nutzen würde. Und so stellte es sich dann tatsächlich heraus, dass ich an der Immigration in Addis Abeba eine der wenigen Personen aus der westlichen Welt war. Davon ließ ich mich nicht abschrecken und verließ das Flughafengebäude stolz, denn schließlich hatte ich es schonmal bis hierhin geschafft.
Ich nahm mir ein Flughafentaxi, Jahrgang: sehr alt, welches mich für USD 15 ins Zentrum der Hauptstadt brachte. Später nutzte ich die Ride App für Taxifahrten und kam für ein Fünftel des Preises zum Flughafen oder zu anderen Zielen in Addis. Ich hatte mich für 2 Nächte in ein Airbnb in einem Akrobatikzirkus eingemietet. In Addis Abeba war gerade Regenzeit und die Temperaturen lagen zwischen 18 und 20 Grad. Mir war recht kalt und Heizungen gab es nicht. Also hieß es, sich nach dem Zwiebelprinzip zu bekleiden und wenn das immernoch nichts half, es einfach auszuhalten. Das Zimmer, welches ich im Zirkus hatte, war recht dunkel und feucht, ich versuchte aber das Beste draus zu machen, denn ich reiste schließlich in einem 3. Welt Land. Die Kinder, die täglich zur Probe in den Zirkus kamen, waren so herzlich und heiterten mich augenblicklich auf. Der Fekat Zirkus befindet sich im District Piazza, sehr zentral in Addis Abeba. Fussläufig zu erreichen sind einige gute Cafés und Restaurants, u.a. auch das bei Reisenden bekannte Café Tomoca, indem der Kaffeeliebhaber voll auf seine Kosten kommt. Guten äthiopischen Kaffee bekommt man übrigens landesweit überall für wenig Geld.
In den ersten beiden Tagen in Addis Abeba habe ich keine Bäume ausgerissen. Ich wollte es ruhig angehen lassen, da mich die letzten Monate im neuen Beruf recht gefordert hatten. Schnell merkte ich aber, dass mich der Kulturschock in Anspruch nahm. Ich hatte auf meinen Reisen zuvor zwar schon sehr viel gesehen, doch das, was sich mir in der äthiopischen Hauptstadt zeigte, toppte nochmals alles. Die Unterschiede zwischen arm und reich sind in Äthiopien enorm. Bezahlt wird im Land mit dem Birr, allerdings will ihn niemand wirklich. Stattdessen ist der Dollar heiß begehrt und wird auf dem Schwarzmarkt fast doppelt so hoch gehandelt, wie in jeder Bank. Auch ich konnte auf dem sogenannten Black market den USD 1:100, anstatt 1:58 tauschen. Danach hingen mir die Schultern runter, weil ich so viele Scheine in der Tasche hatte. Wer träumt nicht davon, 1x im Leben reich zu sein? Ich hatte plötzlich „20 000“ einstecken. Dafür hätte ich mir z.B. ein Schaf oder eine Ziege auf dem Viehmarkt mitten in der ostafrikanischen Hauptstadt kaufen können 😅. Ein Taxifahrer erzählte mir, dass es in Addis üblich sei, am Wochenende zum Markt zu kommen, sich ein Tier schlachten und zerlegen zu lassen und anschließend ein Familienbarbecue zu machen. Andere Länder, andere Sitten. Gegessen wird das zerkleinerte Fleisch übrigens mit der rechten Hand, eingepackt in ein Stück Injera (dünnes, weiches Sauerteigfladenbrot).
Am zweiten Tag versuchte ich die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu erkunden. Ich begab mich zum Nationalmuseum, wo sich das Skelett von Lucy befindet, dem bisher wohl ältesten Fund eines Menschen. Nach der Besichtigung wurde ich von
2 lokalen Guides in ein Lokal geschleppt, wo ich dem äthiopischen Honigwein „Tej“ verfiel. Nachdem ich meine Trunkenheit, denn das Zeug hatte es wirklich in sich, wieder etwas in den Griff bekommen hatte, brachten mich die beiden zum Mercato, dem größten ostafrikanischen Markt. Besonders interessant fand ich den Recyclingmarkt, wo z.B. aus alten Reifen Schuhe hergestellt werden, oder Unmengen an Plastik aus Europa erneuert werden. Sehenswert.
Ich konnte in Addis Abeba sicher nur einen Bruchteil dessen sehen, was die Millionenstadt eigentlich zu bieten hat. Jedoch waren die vielen Begegnungen mit den Menschen, die in dieser Metropole leben, für mich mehr wert, als jede einzelne Sehenswürdigkeit.
„Amasseguénalo“ heißt auf amharisch, der Landessprache Äthiopiens, DANKE. DANKE für den ersten Einblick in ein besonderes Land. Ich bin überwältigt von den vielen Eindrücken.
Am Freitag, den 20. Juli flog ich weiter in den Süden Äthiopiens, wo ich mich zusammen mit einem Guide auf eine 6-tägige Tour zu den indigenen Stämmen begeben wollte.Read more












TravelerJa Hallo Du Liebe...
TravelerSchön von Dir,, zu lesen,, ich bin wie immer gespannt auf Deine Worte.
TravelerFühl Dich gedrückt 🤗
TravelerDanke 🙏