• Soltau

    Jul 11–12 in Germany ⋅ ☀️ 28 °C

    ​Das kleine Brauhaus-Einmaleins

    ​Man gönnt sich ja sonst nichts, dachte ich mir und bestellte in der Brauereigaststätte voller Vorfreude einen 1,5-Liter-Pitcher des hausgebrauten Hopfensaftes. Für stolze 15,50 € erwartet man schließlich Großes – oder zumindest die Menge, die auf der Karte steht.
    ​Der Krug, der kurz darauf an meinem Tisch landete, sah auch wirklich vielversprechend aus. Ein winziges Detail fehlte allerdings: der Eichstrich. Aber ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Man ist ja vertrauensselig, erst recht, wenn man zum Pitcher ein wunderschönes, amtlich geeichtes 0,3-Liter-Glas serviert bekommt.
    ​Die Mathematik des Abends schien bestechend simpel: 1,5 Liter geteilt durch 0,3 Liter macht genau fünf herrlich kühle Gläser Bier.
    ​Glas 1: Genuss pur.
    ​Glas 2: Die Stimmung steigt.
    ​Glas 3: Immer noch wunderbar.
    ​Glas 4: Ein Gedicht!
    ​Glas 5: ... Moment mal.
    ​Nach exakt vier Gläsern war der Pitcher plötzlich trockener als die Wüste Gobi. Die versprochenen 1,5 Liter hatten sich auf wundersame Weise bei exakt 1,2 Litern eingependelt.
    ​Nun frage ich mich ernsthaft: Herrscht in dieser Gaststätte ein derart extremes Mikroklima, dass 0,3 Liter Bier auf dem kurzen Weg vom Tresen zum Tisch einfach verdunsten? Oder ist das die viel zitierte „Angel’s Share“, die sich der Braumeister direkt aus dem Krug abzwackt?
    ​Vielleicht ist es aber auch einfach nur ein unheimlich kreatives Geschäftsmodell. 15,50 € für 1,2 Liter – da wird man als Gast doch glatt noch feuchtfröhlicher geschröpft, als man überhaupt trinken kann. Chapeau!
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