• Über den Hohen Atlas nach Fès

    27.–30. jan., Marokko ⋅ ☁️ 17 °C

    Wir machen Halt auf einem Camping in Errachidia, wo wir einmal mehr ganz alleine stehen. Am nächsten Tag geht es von hier durch den Hohen Atlas Richtung Fès im Norden. Die Wettervorhersage ist gut, lediglich Wolken sind angesagt. Die Pässe sollen frei sein. Es geht vorbei an dem großen See Izourar, bis wir zu einem kleinen Tunnel kommen, der mit nur 3,5m Höhe angegeben ist. Ups... Erstmal rechts ran und die Lage checken. Rob will schon umdrehen, aber einen anderen Weg gibt es nicht. Ich schlage vor, die Dachbox abzubauen. Aber wir warten erstmal, ob hier auch LKW durchfahren und ja, tatsächlich. Sicherheitshalber geht Rob zu dem Militärposten, der vor dem Tunnel stationiert ist. Entwarnung! Er meint der Tunnel sei 4m hoch. Wir trauen ihm und es passt Gott sei Dank.
    Lange Zeit fahren wir durch das Hochplateau, bis es rauf auf den ersten Pass geht. Ein dunkles Wolkenband vor uns. Mit Regen haben wir Glück, auch der Schnee auf dem Tizi n'Talrhemt Pass bei knapp 1.900 Metern ist geräumt, aber mit jedem Höhenmeter wird es zunehmend nebeliger, so dass wir kaum noch Sicht haben. Was für ein Kontrast zu den letzten Tagen. Auch ich bin hochkonzentriert und einmal mehr froh, dass ich nicht fahren muss. Waghalsige Überholmanöver sowie Fußgänger im dichten Nebel kosten Nerven und so sind wir heilfroh, als wir nach der zweiten Passüberquerung des Col du Zad mit fast 2.200 Metern für einen Zwischenstopp in dem Höhenkurort Azrou ankommen. Am nächsten Tag geht es durch Ifrane. Hier fühlen wir uns auf einmal heimisch, denn alle Häuser sind ganz untypisch für Marokko mit Satteldächern gebaut. Daher wird der Ort auch als "Schweiz Marokkos" bezeichnet.
    In Fès angekommen geht es zunächst in die Altstadt. Die Gassen erinnern an Essaouira und Marrakesch. Kaum weicht man ab von den Tourigassen, sind die Gerüche teilweise kaum auszuhalten. Ganz anders ist es Gott sei Dank in dem Restaurant, dass wir entdecken. In Fès befinden sich einige der ältesten und größten Gerbereien der Welt, in denen Leder noch heute nach mittelalterlichen Methoden verarbeitet wird. Das wollen wir uns hauptsächlich anschauen. Die größte und bekannteste Anlage ist die Chouara-Gerberei, deren Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. Sie ist berühmt für ihre markanten, bunten Farbbecken. Wir werden auf eine Dachterasse direkt nebenan eingeladen. Hier hat man den besten Blick auf die ganzen Steinbecken. Wir erfahren, dass die Tierhäute (Kuh, Kamel, Schaf, Ziege) 20 Tage in einer Mischung aus Wasser, Kalk und Taubenmist eingeweicht werden, um sie weich zu machen und Haarreste zu entfernen. Anschließend werden sie gewaschen und dann weitere 20 Tage in die jeweiligen Farbbecken gelegt, wo sie jeden Tag von Hand gewendet werden, bevor sie 30 Tage lang zum Trocknen an den Häusern aufgehängt werden. Gefärbt wird nur mit natürlichen Farben wie Safran, Kohle, Indigo, Mohn, Henna oder Zedernholz. Insgesamt arbeiten 420 Mitarbeiter in dem Komplex, der auch Verkaufsläden beinhaltet. Wirklich interessant, den Hinterhof mit den ganzen Becken und dem Leder einmal live zu sehen.
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