• Leonardo und die Westernstadt

    2.–8. feb., Spanien ⋅ 🌧 9 °C

    In Spanien angekommen, wird uns nochmal bewusst, was für ein Glück wir hatten, schon Montagnacht nach Spanien überzusetzen. Die Fährverbindungen zwischen Tanger Med und Algeciras waren von Dienstag bis Donnerstag nämlich massiv beeinträchtigt und teilweise unterbrochen, da das Sturmtief Leonardo in der Straße von Gibraltar für Orkanböen von bis zu 50 Knoten (ca. 93 km/h), Starkregen und Wellenhöhen über drei Metern gesorgt hat. Nach der Ankunft haben wir nur 20 Kilometer nördlich von Algeciras an einer ruhigen Tankstelle übernachtet und sind morgens etwas unentschlossen erstmal weiter Richtung Norden. Die Wetterwarnungen galten auch für ganz Andalusien. Kurz vor Sevilla sind wir Richtung Osten abgebogen und bis nach Loja gefahren. Rob brauchte aufgrund von Ischias-Beschwerden eine Pause vom Fahren und die Warnungen vor Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutschen haben uns veranlasst, auf dem Parkplatz des Hotels Rural Llano Piña ganze drei Tage zu verweilen. Hier standen wir immerhin sicher, konnten duschen gehen, im Restaurant des Hotels essen und Wasser tanken. Währenddessen herrscht im Norden Marokkos ein noch größeres Chaos mit Überschwemmungen als in Spanien. Straßen, die wir zuvor noch passiert haben, sind überschwemmt, etliche Menschen evakuiert und auch die beiden Tierschutzvereine sind massiv betroffen. Shelter sind vom Regen zerstört, Gehege komplett geflutet, so dass die eigenen Tiere in Sicherheit gebracht werden müssen und man sich nicht noch um weitere Hunde kümmern kann. So bleibt das Schicksal des kleinen Blonden weiter ungewiss. Ich denke die ganze Zeit daran und schaue mir immer wieder Meldungen aus Marokko an. Hoffen wir, dass alle irgendwie einigermaßen gut durch diese Zeit kommen. Unserem Pacmo geht es soweit zumindest gut.
    Drei Tage nur im Fahrzeug haben uns dann aber auch gereicht. Wir schauen anhand der interaktiven Straßenkarte des Landes, wo Überflutungen und Sperrungen sind und fahren von Loja die A92 weiter Richtung Almeria, vorbei am Nationalpark Sierra Nevada bis zur spanischen Wüste Tabernas. Hier machen wir Halt an einer weiteren Filmkulisse namens Western Leone. Es ist ordentlich windig, aber zumindest scheint hier endlich die Sonne. Die Anlage wurde Ende der 1960er Jahre als Kulisse für den Klassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“ gebaut und für viele weitere Italo-Western genutzt. Rob fühlt sich sofort in seine Kindheit zurückversetzt. Ich mag die Westernatmosphäre mit den tollen Gebäuden aus Holz und die sagenhafte Landschaft. Mit ein paar anderen Wohnmobilen können wir direkt davor übernachten. Am nächsten Morgen läuft in der Westernstadt Filmmusik und es stehen Pferde an den Futtertrögen. Samstags scheint hier doch noch ein wenig mehr geboten, als nur ein Freigetränk im Saloon. Ich habe schon länger den Wunsch im Kopf, mich mal auf ein Pferd zu trauen. Also frage ich nach, ob man als Anfänger geführt eine kleine Runde reiten könne. Lange Zeit hatte ich Angst vor Pferden. Rob interessiert das erst nicht, er lässt sich dann aber überreden, als er hört, dass es geht. Wir haben zwar nur ein paar Minuten auf dem Pferd gesessen und uns gegenseitig rumgeführt, aber für uns war das schon spannend genug. Und dann noch bei der Kulisse. Wir erkunden an dem Tag noch einen Filmspot von Indianer Jones irgendwo im Nirgendwo und übernachten bei ordentlich Windböen nur ein Stückchen weiter mit tollem Ausblick in die Landschaft.
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