• Unterwegs im Großraum Kairo

    May 24, 2023 in Egypt ⋅ ☀️ 33 °C

    Mit unserem Reiseführer für die drei Tage in Kairo hatten wir großes Glück. Er hat Germanistik und Ägyptologie in Kairo und Leipzig(!) studiert und engagiert sich neben seinem eigentlichen Job dafür, den Tourismus in Ägypten voranzubringen.
    Durch die sehr kleine Reisegruppe von gerade mal 4 Personen (uns eingeschlossen) und direkter Betreuung für einen Tag hatten wir viel Zeit für Gespräche. Von ihm erfuhren wir so einiges über die Verhältnisse im Land.

    Auf unseren Touren bewegen wir uns zwischen dem lebendigen Kairo mit verstopften Straßen und chaotischem Verkehr und dem Umland mit dörflichem Charakter. Dort hat sich das Leben seit 400 Jahren nicht verändert und die Menschen leben in extrem einfachen Verhältnissen.

    Aber auch in Kairo mit seinen aktuell 22 Millionen Einwohnern (jedes Jahr kommen 2 Millionen dazu) leben die Menschen zu großen Teilen unter für uns nicht vorstellbaren Bedingungen. Die Glücklicheren wohnen in Häusern, die man in Deutschland wohl abreißen würde.
    Und die Ärmsten der Armen wohnen auf dem riesigen arabischen Friedhof in der „City of the Dead“. Inzwischen ist das Wohnen in den Gräbern verboten, da solche Zustände kein gutes Licht auf das Land werfen. Die Bewohner sollen an den Stadtrand umgesiedelt werden.
    Mohammed zeigte uns ein Gebiet nahe den Pyramiden von Gizeh mit mehreren Hundert(!) illegal errichteten mehrstöckigen Wohnhäusern. Diese sollen innerhalb der nächsten zwei Jahren abgerissen und die Bewohner umgesiedelt werden.
    Überhaupt ist Kairo eine einzige Baustelle. Man hat jedoch nicht den Eindruck, dass die Objekte (bis auf wenige Prestige-Projekte) auch tatsächlich fertiggestellt werden.
    Vieles wird angefangen, wenig abgeschlossen.

    Korruption ist quasi ein zweiter Wirtschaftszweig und nicht nur im Zivilbereich sondern auch bei der Polizei weit verbreitet.
    Für ein Trinkgeld kann man hier alles möglich machen - Sicherheitskontrollen umgehen, Zutritt zu gesperrten Bereichen erhalten etc.

    Das Land wird noch immer vom Militär regiert. Der Zugang zu archäologischen Stätten wie Sakkara oder Dahschur ist nur mit Voranmeldung über einen Reiseveranstalter und das Passieren eines Kontrollpunktes mit bewaffneten Polizisten möglich. Oder gegen entsprechende Bezahlung …
    Weiterhin sind Kontrollpunkte mit schwer bewaffneten Polizisten an vielen Straßen eingerichtet, vor Hotels, Museen, Kirchen und weiteren Institutionen sowieso.
    Zusätzlich muss jeder, der diese Einrichtungen betreten will, durch einen Metalldetektor (auch wenn dessen Piepen keinen interessiert).

    Es gibt keine funktionierende Müllentsorgung. Die Abfälle werden an den Straßenrändern, den wenigen Grünanlagen oder in den Kanälen entsorgt. Bestenfalls werden sie am Straßenrand verbrannt.
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