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  • Day126

    Rosa Flamingos in roten Lagunen

    May 3, 2019 in Bolivia ⋅ ☀️ 13 °C

    Der bolivianische Grenzposten schaut mich recht grimmig an, als ich ihm meinen Reisepass reiche. Auch mein freundliches Lächeln mit einem gut gemeinten “Buenos Dias“ lockert die Situation nicht wirklich auf. Dann greift er schließlich zum Stempel und versieht meinen Pass mit dem erforderlichen Siegel ohne auch nur einmal ansatzweise in das Formular zu blicken, welches ich zuvor liebevoll in Druckbuchstaben ausgefüllt habe. Yippee, ich darf nach Bolivien einreisen. Draußen bildet sich vor der kleinen Containerhütte bereits eine lange Schlange von Einreisewilligen, denn es ist gerade Stoßzeit für alle Tourenbusse, die ihren Weg von San Pedro in Richtung der Salar de Uyuni suchen. Unser Bus ist extra früh bereits um 6 Uhr morgens gestartet, um den Grenzübergang als einer der ersten zu erreichen. Der Plan ist leider nur halb aufgegangen. Zwar waren wir einer der ersten Busse auf dem Weg, mussten dann allerdings an einer Straßensperrung stoppen und eine gute Stunde warten, bis sich die chilenischen Caballeros schließlich aus ihrem Auto erhoben haben, um die Schranke zu öffnen (obwohl sie schon mindestens eine halbe Stunde davor in ihrem Auto gewartet hatten!!!). Ilse (eine Mitreisende aus Holland) erzählt mir, dass sie vor zwei Jahren auch ca. zwei Stunden warten mussten, weil der Grenzübergang anscheinend zugeschneit war. Als sie dann aber später am Grenzübergang ankamen, gab es kein Anzeichen von Schnee und die Grenzposten waren gerade dabei, eine Partie Tischtennis zu spielen. Hier weht halt doch ein anderer Wind... 😉

    Ich habe heute morgen meine dreitägige Tour von San Pedro zu der berühmten Salzwüste Boliviens gestartet. Ab jetzt leider wieder alleine, da Susi am gestrigen Tag wieder die Heimreise nach Deutschland angetreten hat und ich mich schweren Herzens erstmal von ihr verabschieden musste. Nach all der langen intensiven Zeit, die wir in den letzten Monaten miteinander verbracht haben, wird dies sicherlich eine Umstellung für mich sein und ich fühle mich noch ein wenig unsicher, was mich die nächsten Wochen erwarten wird. Zum Glück habe ich eine nette Gruppe für meine Tour erwischt: ein Pärchen aus Holland (Florian + Ilse), ein Pärchen aus England (Charlotte + Dan) (beide Paare etwa in meinem Alter) und ein junger Kerl aus Hong Kong. Alle sind sehr aufgeschlossen und wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut (und wir werden auch eine fantastische Tour miteinander verbringen 🙂). Mit unserem Guide haben wir ebenfalls mitten ins Schwarze getroffen: “Magic Mike” spricht sehr gut Englisch, ist lustig und ein guter verantwortungsvoller Fahrer. Insbesondere trinkt er während der Arbeit keinen Alkohol (was wohl bei den Fahrern hier nicht unbedingt selbstverständlich ist). Bereits im Vorfeld hatte ich schon einige ausgezeichnete Bewertungen über ihn bei TripAdvisor gelesen. Woher er seinen coolen Spitznamen bekommen hat, werden wir auf unserer Reise leider trotz einigen Nachbohrens nicht wirklich erfahren.

    Nachdem alle endlich ihren Stempel bei dem netten bolivianischen Grenzposten abgeholt haben, kann die Tour schließlich durchstarten. Wir quetschen uns zu siebt (also 6 Reisende plus unser Guide) in einen 4x4 Geländewagen, verstauen unser Gepäck auf dem Dach und düsen los über die rauhen Schotterpisten der Hochebenen Boliviens, begleitet von einem wilden Musikmix aus Mike‘s persönlicher Playliste (die aber durchaus Stimmung macht 🙂). Wir werden heute drei wunderschöne Lagunen auf unserer Fahrt bestaunen (Laguna Blanco, Laguna Verde und Laguna Colorada), die ihren Namen aus der charakteristischen Färbung des Wassers erhalten haben (Ursprung der Färbung sind übrigens die unterschiedlichen Anteile von Mineralien aus vulkanischem Ursprung), wir werden über dampfendes aktives Vulkangebiet laufen und uns schließlich bei einem Bad in heißen Quellen entspannen können, bis wir schließlich den Sonnenuntergang bei einer kleinen Pipi-Pause in den weiten Ebenen genießen können. Unsere Route liegt heute kontinuierlich in einer Höhe zwischen 4000m und 5000m. Die Sonne knallt ordentlich und die Luft ist dünn, so dass jeder kleine Spaziergang ordentlich Kraft kostet. Aber wir meistern die Höhe alle ausgezeichnet und außer ein paar Kopfschmerzen bleiben wir von sonstigen Symptomen der Höhenkrankheit zum Glück verschont. Vielleicht liegt es ja an den Unmengen von Coka-Tee, den wir inzwischen täglich zu uns nehmen?! 🙂 Magic Mike hätte aber auch für den Fall der Fälle auch noch eine Sauerstoffflasche an Bord gehabt. Wie beruhigend...😊

    Die Landschaft auf unserer heutigen Route ist einfach atemberaubend, so wild und doch so friedlich. Den ganzen Tag über können wir immer wieder aus dem Auto heraus Gruppen von Pequenas sichten, die friedvoll in den Hocheben grasen. Besonders beeindruckend zeigt sich uns die Laguna Colorada, die in einem rötlichen Farbton erstrahlt und Heimat von tausenden von Flamingos ist. Ein ganz besonderer magischer Ort, an dem wir uns ausreichend Zeit lassen und eine gute Stunde verbringen dürfen. Ich habe versucht, die Stimmung in einem kleinen Video etwas einzufangen, musikalisch untermalt von Susi (die mich trotz der Entfernung zum Glück weiterhin musikalisch auf meiner Reise begleitet 🙂).

    Am späten Abend erreichen wir nach einem beeindruckenden Tag schließlich unsere einfache, aber saubere Unterkunft. Nach einem leckeren Abendessen, einer heißen Dusche und ein paar Kopfschmerztabletten fallen wir alle geschafft ins Bett. Was für ein intensiver und wunderschöner Tag voller Eindrücke geht zu Ende. Auch wenn wir das Highlight der Tour mit der Salar de Uyuni erst am dritten Tag erreichen werden, war dieser erste Tag bereits der absolute Hammer und jeden einzelnen Dollar wert 😀
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    Gabriele Hasper

    Dann hätte ich sicherlich weniger Probleme mit den Gelenken.😏

    5/8/19Reply