• mal schnell an die Ostsee

    August 15 in Latvia ⋅ ☁️ 20 °C

    Samstag, 15. August 2026

    Herrlich, Wochenende, lange schlafen, Frühstück gäbe es sogar bis 11 Uhr, wobei wir ja nicht übertreiben wollen.

    Bei der Planung hatte ich ein bisschen gehadert, dass uns ein dritter Tag fehlt – denn natürlich wäre es nett, auch mal einen kleinen Abstecher an die so nahe Ostsee zu machen. Nun haben wir gestern aber doch schon so viel gesehen von der Stadt, warum also nicht heute den Trip wagen und einfach sehen, wieviel Zeit dann später noch für Riga bleibt.
    Zum Bahnhof laufen wir ein Viertelstündchen, und auf dem Weg durch den moderneren Teil der Stadt gibt’s jede Menge Shoppingcenter. Alle unisono gesichtslos – große glänzende Fassaden mit dem üblichen Branchen- und Kettenmix. Wer in Riga also einkaufen möchte, muss damit vorlieb nehmen.
    Der Bahnhof selber ist noch uralt, bis die schicke neue Halle fertig ist, scheint noch zu dauern. Züge ins nur 20km entfernte Jūrmala fahren jede halbe Stunde, die Fahrt dauert auch etwa 30 Minuten und kostet ganze 2,30 Euro pro Person und Strecke.
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    Über die Düna und schon ist man raus aus der Stadt Riga – hier gibt es nichts großstädtisches, keine Stadtrandgebiete. Nahezu übergangslos geht die Fahrt in Kiefern und Birkenwald, alle 5 Minuten hält der Zug irgendwo. Jūrmala ist eigentlich nicht EIN Ort, sondern eine zusammengeschlossene Gemeinde aus mehreren kleinen Dörfern entlang des 30 Kilometer langen Ostseestrandes. Hauptort und unser Zielbahnhof ist Majori.
    Hierher kommen die meisten Touristen und Sommerfrischler, es gibt eine breite Flanierstraße, gesäumt von allerlei Läden und Boutiquen, teilweise noch in den typischen alten baltischen Holzhäusern. Rechts und links der Hauptstraße stehen an schmalen, baumbestandenen Zuwegen teils prächtige alte Villen, auch viele Holzbauten. Türmchen und Schnickschnack, verspielte Details, davor hohe Zäune. In vielen dieser Gebäude werden Appartments oder Hotelzimmer angeboten, andere sind wohl privat. Doch auch viel Leerstand gibt es, manches alte Haus müsste dringend saniert werden, auch die eine oder andere halbfertige Invest-Ruine gammelt vor sich hin.

    Schließlich erreichen wir einen schmalen Weg, der zum Strand führt. Und da sind sie ALLE.
    Dicht an dicht, Menschen über Menschen. Im flachen Wasser stehen sie, liegen und sitzen am Strand, manchmal kein Meter Platz dazwischen. Jeder hat sein Handtuch ausgebreitet oder einen Klappstuhl, vermietete Liegen oder Strandkörbe gibt es nicht. Wobei sicher auch sehr viele Letten hier einfach das Wochenende nutzen, wozu hat man schließlich die Ostsee vor der Haustür.
    Na ja, für uns wär das nicht die Vorstellung von Urlaub. Auch das Wasser sieht absolut nicht einladend aus, brackig-braun und flach bis weit draußen.

    Wir habens’ gesehn, und nein, hier brauchen wir nicht mehr Zeit.
    Da wünsche ich mir jetzt eher einen stürmischen Herbsttag oder kaltes klares Winterwetter – da könnte dieser ewig lange Strand zu einem Spaziergang einladen. So aber flüchten wir vor den Massen, gehen zurück zum Bahnhof und sind dann doch schon am zeitigen Nachmittag in Riga zurück.
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