• Stadtrundgang, Teil 2

    June 3 in the Netherlands ⋅ ☁️ 19 °C

    Von unserem Hotel aus spazieren wir in den südlichen Teil der Innenstadt. Erste Station ist die Teresia van Avila-Kerk, eine katholische Schlupfkirche. Nach dem 80jährigen Unabhängigkeitskrieg der calvinistischen Niederländer gegen die katholischen spanischen Habsburger gab es 1648 Frieden, und im „Spanischen Hof“ eröffnete der spanische Botschafter über der Remise seiner Kutsche eine katholische Kapelle. Nach und nach entwickelte sich diese Kapelle zum Zentrum der Haager Katholik:innen. Der Stadtrat von Den Haag nahm diese Kapelle hin, beharrte aber darauf, dass die Kapelle von der Straße aus nicht zu sehen sein dürfe.
    Als der Botschafter 1811 aus dem Spanischen Hof auszog erhielten die Haager Katholiken die Genehmigung, im Spanischen Hof eine neue große Kirche zu bauen, die 1841 im klassizistischen Stil vollendet wurde.
    Weiter führt uns unser Weg zum Denkmal für „Haagse Harry“, eine in den Niederlanden und besonders in Den Haag äußerst populäre Comic-Figur des Zeichners Marnix Rueb. Der Haagse Harry sollte die einfache Einwohnerschafz von Den Haag liebevoll abbilden: derb, etwas prollig, aber mit viel Herz. Der übergewichtige Harry mit Vokuhila-Frisur und buntem Trainingsanzug hat immer eine Spruch auf de Lippen und kommentiert Leben, Gesellschaft und Politik in Den Haag. Immer mit Herz für die, die wie er ganz unten sind. Und oft mit beißendem Spott für „die da oben“. Treibt man Harry mal argumentativ in die Ecke, dann beendet er den Kampf ums letzte Wort mit einem herzhaften „Halt den Mund, ich hab Recht!“ Als Marnix Rueb starb, gaben unzählige Fans den Zeichner das letzte Geleit genau so, wie Rueb es sich gewünscht hätte: Im „Haagse Harry“-Outfit, mit Transparenten mit seinen coolsten Sprüchen, mit viel Herz und viel Humor.
    Dann folgen wir der Wagenstraat in die größte Chinatown der Niederlande. Als das Stadtviertel in den 70ern zum sozialen Brennpunkt wurde, taten sich unzählige asiatische Geschäftsleute mit der Stadtverwaltung zusammen und investierten. Heute ist „Chinatown“ ein quirliges Viertel mit Gastronomie, Massage- und Tattoostudios, asiatischen Lebensmittelgeschäften jeder Spielart.
    Die jüdische Gemeinde von Den Haag wurde während der deutschen Besatzung brutal dezimiert. Unzählige niederländische Jüdinnen und Juden wurden in Konzentrationslager deportiert und ermordet. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die jüdische Gemeinde von Den Haag derart dezimiert, dass sie nur noch eine der ursprünglich drei Synagogen benötigte. Die Synagoge in der Wagenstrat wurde 1975 aufgegeben und stand einige Jahre leer - bis die türkisch-islamische Gemeine das Gebäude kurzerhand besetzt. Seit Jahren waren die Muslime aus Chinatown händeringend auf der Suche nach einer geeigneten Moschee. Und so ist die ehemalige Synagoge heute eine Moschee…
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