Tag 12: Gokyo - Renjo La Pass - Lungden
October 8, 2023 in Nepal ⋅ ☁️ 3 °C
11,4 km, 630m auf, 1020m ab
Heute war der zweite große Zieltag: wir wollten die höchste und anspruchsvollste Etappe unserer 176km langen Tour meistern - den Renjo La Pass. Als letzter Teil des Three-Passes Track ist er bekannt für einen spektakulären Blick, bevor es den gesamten Weg wieder bergab - über mehrere Tage - ins das tiefe Tal zurück geht.
Zum Sonnenaufgang ging es wieder an die Wanderstöcke und wir liefen am strahlend blauen Gletschersee und weißen Berggipfeln entlang. Die Schritte heute fielen ein bisschen schwerer. Wir merkten beide den Aufstieg auf den Gokyo Ri vom Vortag in unseren Beinen. Die Devise lautete heute also wieder: Schritt für Schritt und viele Pausen. David nahm lieberweise noch ein paar Sachen aus meinem Rucksack ab. Er war heute fitter als ich und heimlich war ich dankbar darüber. Ganze vier Stunden sollte der Anstieg bis zum Sattel auf 5420m gehen. Wir hatten also eine ordentliche Route vor uns.
Es ging in steilen und schotterigen Spitzkehren nach oben. Langsam schoben wir uns wieder, wie die Schnecken, voran. Jede Kurve ein kleiner Erfolg. Die Natur wurde immer rauer, kein Baum oder Pflanze wuchs hier mehr. Wir durchliefen riesige Steinfelder. Furba spielte nepalesische Folklore-Musik auf seinem Handy ab und gemeinsam erreichten wir den oberen, finalen Abschnitt. Denn nun lag plötzlich recht frischer Schnee am Boden. Wir fühlten uns jetzt wie richtige Bergsteiger*innen - zwischen recht steilen Passagen, den Weg nach Schneespuren absuchend und mal wieder kaum Luft, ging es langsam aber stetig nach oben. David war recht schnell und war richtig glücklich so mitten drin in der rauen Natur. Er wartete auf mich kurz vor Erreichen des höchsten Punktes. Gemeinsam und jubelnd kamen wir ganz oben an.
Es herrschte Freudenstimmung. Alle waren erleichtert, verdammt stolz und einfach überglücklich einen unvergesslichen und sogar noch besseren Blick über den Himalya zu haben. Der Mount Everest wirkte noch höher, noch majestätischer und gebannt starrten alle in die Weite. Es war der Moment, auf den wir alle hingelaufen sind. Der höchste Punkt, den wir über hunderttausende Schritte nun erreicht haben. Wir umarmten fremde Menschen, klatschten uns ab und einige verneigten sich nochmal, bevor sie Abschied nahmen und auf der anderen Seite wieder bergab liefen. Lange blieben wir oben bevor es nun auch für uns weiter ging. Es lagen noch weitere drei! Stunden Abstieg vor uns und viele Kilometer.
Die Landschaft veränderte sich auf der anderen Seite schnell. Nachdem wir einen recht steilen Treppenabschnitt genommen hatten, kreuzten wir einen wunderschönen See und waren schnell wieder auf Wiesenwegen voller kleiner bunter Blumen unterwegs. Wir liefen und liefen und die Landschaft änderte sich gefühlt nach jedem Abschnitt. Erst kamen die Flüsse, dann sogar breite, feinsandige Strandanschnitte (wo kommt denn hier der Sand her ?!) und abschließend weite Blicke auf eine afrikaartige Steppenlandschaft mit einem Flussdelta inmitten von vorbeiziehenden Wolken und herausblitzenden weißen Schneegipfeln. Es war magisch und wir glücklich. Wie in der Hobbitlandschaft legten wir uns zur Pause mit unseren Backpacks auf kleine Hügel und freuten uns wie Kinder. Die Route schloss mit einem steilen, rutschigen Schotterberg ab, den wir aufgrund der starken Winde wieder eingepackt in unseren dicken Sachen mehr schlecht als recht runterstolperten. Wir spürten die lange Wanderung und erreichten Lungden hungrig und erleichtert. Hier blieben wir und ruhten uns den Rest des Tages aus.Read more





















