• Von allem zuviel

    April 26 in France ⋅ ☁️ 18 °C

    Beim Frühstück komme ich mit einem deutschen Ehepaar ins Gespräch. Sie erzählen mir, dass es weiter südwestlich wohl keine Mautstationen mehr gibt. Man muss das Geld innerhalb von 72 Stunden in Zigarettenläden oder im Internet bezahlen.

    Die heutige Route hat meine Naviapp zu einem großen Teil selbst festgelegt. Ich hatte den Parameter für kurvenreich auf Mittel eingestellt. Schon kurz nach Amiens werde ich auf kleinste Strassen gelotst. Sie sind so 1,5 Autos breit. Mit dem Motorrad kann ich noch eine halbwegs vernünftige Geschwindigkeit fahren, da ein Auto ja immer vorbeipasst.

    Es geht bei Sonnenschein durch herrliche Auen mit Bächen und über Hügel durch gelbe Rapsfelder. Kein Auto weit und breit. Die kleinen Dörfer bestehen zum Teil aus wunderschönen gelb-orangenen Fachwerkhäusern oder Backsteinhäusern. Obwohl man hier manchmal echt am A... der Welt ist hat man das Gefühl, die Leute wollen genau hier leben. Landflucht scheint kein Thema zu sein.

    Irgendwann komme ich in Rouen an. Eine Altstadt zum verlieben. Viel Fachwerk, viele Restaurants mit Leuten die draußen essen und natürlich auch eine große Kathedrale. Auf einem Platz spielt ein Musikant und nirgendwo ein Zeichen von Hektik.

    Hinter Rouen geht es wieder auf die kleinen Strassen. Jetzt gehen sie mir aber langsam auf den Geist. Immer wieder muss ich an Hauptstrassen halten, die ich überquere. In jedem Dorf sind eine oder mehrere Tempo 30 Zonen, manchmal werden willkürlich Stoppschilder hingestellt, wenn lediglich eine Wohnstrasse einmündet und den Höhepunkt bilden Tempo 30 Zonen 50 Meter vor dem Ortsausgangsschild. Ich setze jetzt auf dem Navi den direkten Kurs nach Entretat.

    In Entretat is die Hölle los. Ja es ist Sonntag und man sollte das berücksichtigen. Den Walk in Motorradklamotten auf die Klippen spare ich mir. Es ist ansonsten aber schön hier.

    Der nächste Ort ist Honfleur. Schon von weiten sieht man ein Riesenrad. Eigentlich sollte der Hafen sehr schön sein. Tatsächlich ist es aber eher der Ort. Eine Autoschlange quält sich in den Ort und die Andere wieder heraus. Man hat den Eindruck, wie auf einem Jahrmarkt. Zuviel ist zuviel. Ich fahre sofort weiter nach Caen.

    Mein Hotel liegt in einer Seitenstraße. Der erste Blick ist ernüchternd. Mein Zimmer ist jedoch ok.

    Heute waren es zu viele kleine Strassen und zu viele Touristen.
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