Ankunft in Mumbai 🛬🇮🇳
Feb 7–10, 2025 in India ⋅ ☀️ 27 °C
07.02.25 ANKUNFT IN MUMBAI 😵💫
Nachdem ich im Flieger auf dem Platz neben mir noch einen hochdramatischen Bollywoodfilm mitverfolgen kann ("Keiner mag mich, weil ich reich bin und nicht tanzen kann! Deine Mutter guckt immer so böse!..."), lande ich etwas übernächtigt im geschäftigen Mumbai.
Punkt 1: Prepaidkarte besorgen! Ich möchte nicht ohne Internet in Indien standen. Der größte Anbieter soll hier einen Stand haben. Direkt neben dem Ausgang, tatsächlich! Ich komme auch bald ran. Die Frage nach der "lokalen Referenzadresse" (nicht Hostel!) lässt mich jedoch arg ins Straucheln kommen, wie soll ich eine solche als gerade Angekommener haben? Die nette Deutsche vor mir hilft mir jedoch, ich darf ihre Referenzadresse (ausgewanderte Schwiegereltern oder so) netterweise mit angeben. Ein unerwartetes Hindernis aus dem Weg geräumt.
Ich bin weiterhin optimistisch und verlasse mich auf Goooglemaps, um mich mit den lokalen Öffis aus dem Norden der Stadt in den Süden zu schlagen. Bus-Zug-Bus, alles klappt einigermaßen gut und kostet zusammen rund einen Euro für ca. 1,5h Fahrt. Die Busse halten kaum an, um die Leute hereinzulassen, man muss halt flink sein. Die Züge mit den typischerweise offenen Türen sorgen für frische Luft. Ich merke schnell, dass die Leute mich anstarren, und ein junger Student beginnt während der Zugfahrt ein nettes Gespräch mit mir. Beim Aussteigen aus dem Zug schwinge ich mein Monsterbaby von Rucksack gekonnt auf den Rücken, ein älterer Herr guckt und nickt anerkennend.
Im Hostel angekommen, kann ich auch direkt einchecken. Ich beschließe, eine Runde durch die Gegend zu drehen, obwohl ich direkt schlafen könnte. Das 'Gate of India' ist nur einen Steinwurf entfernt. Auf dem Weg dorthin komme ich an einer "Wasserpromenade" entlang. Ich starre in das schmutzige Wasser mit seinen Kloaken(?)strudeln, auf die zwei Flötenfische zuschwimmen. Beschließe es zu filmen, schwenke zum Gate of India und höre eine Explosion aus der anderen Richtung. Da wurde soeben eine riesige Farbbombe gezündet, bunte Schwaden verteilen sich über dem Wasser! 'Willkommen in Indien', denk ich mir, das muss wohl so. Vor dem Gate esse ich meinen letzten frischen Proviant aus Deutschland (Weltmeisterbrötchen mit Mozzarella 🥹🥲 und einen gefüllten elitären Pfannkuchen). Außerdem lasse mich von und mit wildfremden Menschen fotografieren, warum auch nicht? Auf dem Rückweg lasse ich mir NICHT professionell die Ohren auf der Straße reinigen, habe aber ein langes Gespräch mit einem Guide.
Ziemlich malade und gejetlagged gehe ich recht bald ins Bett, nur um einen eher unruhigen Schlaf zu haben...
08.02.25 PLANUNG, YAY 😬🌏➿️🧭
Relativ spät stehe ich auf und gehe in den Gemeinschaftsbereich und mache mich an die Planung durch Indien. Gegen eins schließe ich mich einer Gruppe von drei Leuten (ein Kanadier, zwei Inderinnen) zum Essen an, sie kennen ein leckeres günstiges Restaurant. Mit Andrew, dem Kanadier, hab ich auf Anhieb eine gute Verbindung, und wir reden viel und tauschen Nummern aus, bevor er mit den Mädels ins Kino geht (Bollywood, natürlich). Er hilft mir außerdem mit einigen Apps, zB zum Züge buchen, was echt eine Herausforderung in Indien ist. Nachmittags im Hostel bin ich mit meiner Planung nun soweit zufrieden, da schaut eine Inderin, die mir gegenüber gerade Abendessen isst, auf den Zettel, und fragt, ob ich Autor bin. Ich erklärte ihr alles, sie schaut sich meine Planung an - eine Augenbraue geht sehr(!) hoch, und dann legt sie los... Eine halbe Stunde später bin ich um zwei von ihr beschriebene Seiten und seeeehr viele Informationen eines Locals reicher. Dankbar mache ich mich an die Überarbeitung des Plans, werde jedoch nicht komplett fertig. Neben der Inderin sitzt noch Marie, eine Französin, mit der ich mich ebenfalls etwas unterhalte.
Die Inderin sehe ich leider nicht mehr wieder, um ihr nochmals zu danken. Aber Leute, genau dafür sind Hostels da. Um Menschen kennenzulernen und sich gegenseitig zu helfen!
09.02.25 TEMPEL, MOSCHEEN UND PARTY 🛕🕌🍻
Heute möchte ich die Planung fertig bekommen, möglichst mit Zugtickets. Im Gemeinschaftsbereich treffe ich wieder Marie vom Vortag. Sie ist Fotografin und möchte einige Tempel/Moscheen/hl. Orte in Mumbai besuchen, sowohl für Studien- als auch für fotografische Zwecke. Meine Planung sieht mittlerweile ganz gut aus, und ich bin ja hier, um etwas von Mumbai zu sehen, nicht wahr? Sie verspricht mir einen absolut nontouristischen Trip in Wohngegenden, die zwischen hinduistischer und islamischer Kultur wechseln. Warum nicht, klingt vielversprechend! Doch zuerst gehen wir frühstücken.
Die 'Rikscha', wie die TukTuks hier genannt werden, setzt uns im zentralen Mumbai ab. Wir orientieren uns und laufen bald durch einige Seitengassen. Es ist voll, laut, müllig und diverse Tiere rennen umher. Also alles wie erwartet 😅 Die Zweiräder pesen durch die engen Gassen, Lebewesen werden einfach weggehupt, wenn sie im Wege stehen.
Wir erreichen eine geschlossene Moschee, eine andere recht kleine, und dann eine etwas stärker besuchten. Leider haben Frauen keinen Eintritt, und ich möchte mich nicht aufdrängen. Aber es ist dennoch sehenswert: Davor steht eine "Rauchschüssel", Menschen werfen Samen hinein und inhalieren den wohlriechenden Rauch. Ein älterer Herr steht gegenüber des Tempels und stimmt ein Singsang an. Frauen bekommen durch die Gitterstäbe der Fenster (gesegnetes?) Wasser gereicht (sie beten an der Moscheewand). Später erfahren wir in einer anderen Moschee, dass Frauen nur dort eintreten dürfen, wo nicht nur ein männlicher Heiliger beigesetzt ist, sondern auch dessen Frau(en) und Kinder. Eine andere sehr heimelige Moschee darf Marie betreten, zwei lustige ältere Herren führen uns umher. Wir dürfen fotografieren und werden Zeuge eines sehr privaten Gottesdienst eines jungen Mannes. Hier werde ich auch gesegnet (mit einem Wedel rundherum beklopft mit anschließendem Wassertrinken). Trotz meiner Einstellung zu Gottheiten habe ich eine leichte Gänsehaut.
Wir wandern weiter. In den Straßen spielen Gruppen von Kindern Cricket, was hier DER Volkssport ist. Eine Gruppe junger Männer spielt auf der Straße, müssen die Autos eben aufpassen! Beim Bus wird dann doch mal ausgewichen ^^
Nach einer weiteren kleinen Moschee mit Segnung kommen wir an einen Tempel, dessen marmorne Außenfassade kunstvoll verziert ist.
Wir treten ein, und ich muss meine Beine mit einer Art Sarong verhüllen. Drinnen erwartet uns ein wirklich atemberaubender Anblick: Alles ist verziert, Säulen überall, alles aus weißem Marmor. Über drei Etagen erhebt sich der Tempel, wobei in der Mitte alles offen ist. Ein großer Kronleuchter hängt über mehrere Etagen. Jeweils drei Götzenkammern gibt es wenigstens pro Etage, eher mehr noch in einigen Ecken. Wir werden aufgefordert, das wohlriechende Zündelholz spiralförmig in Richtung der Götter und Reliquien zu schwingen. Fotos machen ist verboten.
In einem tranceähnlichen Zustand verlassen wir das Gebäude (Shree Godiji Parshwanath Jain Derasar) und lassen die Moschee daneben erst einmal aus. Zu heftig sind die Impressionen, wir müssen das erst einmal verarbeiten.
Wir laufen weiter, entdecken einen kleinen Hindutempel. Darin sitzen zwei Personen: Ein Priester (?) und ein Gläubiger. Sie führen gerade ein langes Ritual durch, vermutlich für Wohlstand und Gesundheit? Eine kleine güldene Buddhastatue wird mit einer Blüte, die zuvor in Milch getaucht wurde geputzt. Dann wird die Milchschale mit Blättern ausgekleidet, eine Kokosnuss hineingesetzt (wie in ein Nest), das Ganze wird dann wieder mit Blättern garniert. Das fertige Werk wird dann auf einen kleinen Haufen ungekochten Reis gesetzt. Dazu immerzu der Singsang des Priesters. Obwohl es absolut abstrus wirkt, schwingt auch hier wieder eine Energie mit, die bei uns eine Gänsehaut auslöst. Wir wissen nicht, wie lange das Ritual dauert, und wandern weiter.
Einen Tempel finden wir noch neben einer dicken Straßenkreuzung, genau zwischen den Hauptstraßen. Dann sind wir erschöpft. Als Marie Geld abhebt und ich davor warte, schafft es ein Vogel, mir auf den Fuß zu kacken. 'Besser als auf den Kopf' denke ich und wische es weg. Überhaupt sind die Vögel in dieser Stadt beeindruckend: Es gibt so unglaublich viele Milane, dass sie in Schwärmen über der Stadt kreisen, manche nur zehn Meter tief.
Auf dem Heimweg meint Marie, dass sie noch ein paar Freunde treffen will, ob ich nicht mitkommen mag? Die Planung kann ich auch morgen noch fertig machen, denke ich mir 😁 Zeit, ein paar Locals zu treffen!
Mit einer weiteren indischen Freundin (Apeksha) aus dem Hostel fahren wir in eine Bar. Dort sind bereits zwei weitere Inderinnen. Hier wird der Wodka/SaurerApfel pur bestellt und mit Sprite (separate Flasche) gemischt, hin und wi3der bekommt man einen Eiswürfel ins Glas geworfen. Ich bleibe bei Kingfisher, der lokalen bekanntesten Marke. Sie entschuldigen sich für die Kneipe, die wohlcetwas heruntergekommen sei. Ich denke an die Bretterbude und den Trinkteufel und muss schmunzeln. Dagegen wirkt der Laden hier edel. Aus der Jukebox kommen indische Schlager und Schnulzen, alle singen mit, auch die kräftigen vier jungen Inder, die eigentlich eher nach Bloodywood [Metal] aussehen ^^ Ich lasse mir die Liedtexte erklären, und wir reden über dies und das. Nach einigen Getränken beschließen sie (wir sind mittlerweile zu 7t, der einzige andere Kerl kann wohl nicht kommen), das Ganze Richtung Homeparty zu verlegen. Wir quetschen uns alle in ein Taxi (ja, alle in eins) und fahren ein paar Minuten. Die Gegend sei edler; wir müssen im Haustür leise sein, damit uns die Nachbarn nicht hören und müssen Fahrstuhl fahren, damit sie uns nicht sehen. Hilfe, was passiert hier? 😅
Die Wohnung ist recht spartanisch eingerichtet, eine der Frauen teilt sich die Wohnung mit zwei weiteren, die auch noch wach sind und dazu kommen. Wir trinken Wein, Gin/Sprite, es wird geraucht und dabei Musik gehört. Essen wird verteilt, Gespräche geführt und anschließend sogar getanzt. Ich sitze auf dem Sofa und bin ziemlich froh, mitgekommen zu sein, weil das echt viel für einen Tag war, die Gesellschaft wirklich angenehm und die ganze Situation total abgefahren ist. Ich empfinde Dankbarkeit, dass mir dieses Situationen gegeben wurden und ich mich ihnen nicht verschlossen habe... Gegen zwei machen wir uns (auf leisen Sohlen!) auf den Heimweg :-)
10.02.25 PLANUNG FERTIG!
Am nächsten Morgen wache ich recht okay auf. Ich spüre immer noch den Jetlag, weit mehr als die Homeparty. Ich schaffe es, die Planung zu finalisieren und auch die Züge zu buchen. Nur zwei Verbindungen mit Warteliste, was ist denn eine Warteliste? Oh boy... Naja, wird schon werden!
Marie und Apeksha sind unterwegs, also gehe ich alleine Frühstücken. So langsam bekomme ich doch etwas Zeitdruck, ich muss noch eine Ecke weit fahren. Der Nachtbus nach Goa hält irgendwo im nördlichen Mumbai. Mein Bus (danke Google!) kommt nicht. Am Ende bin ich gut in der Zeit (einige InderInnen helfen mir wieder mit den Verbindungen), laufe kurz vor dem Ziel durch dicke Menschenmassen und vorbei an wirklich traurig aussehenden Slums. Aber die Ortsbeschreibung auf dem Ticket ist zu ungenau, ich finde den Bus nicht. Ich erinnere mich, eine SMS mit Lifetracking-Hinweis gesehen zu haben (man bekommt sehr viele SMS von den Verkehrsbetreibern/Telefongesellschaften). Siehe da, weiter Richtung Norden, und der Bus bewegt sich nicht. Schließlich komme ich (nicht mehr ganz trocken) dort an und besteige den Nachtbus. Am Morgen war er noch halb leer, mittlerweile ist er ausgebucht. Mein Plan, ein Doppelbett für mich zu haben, schlug fehl, und ein etwas kräftigerer Inder guckt mich mit großen Augen an und rutscht zur Seite. Aber er ist nett, wir unterhalten uns etwas und versuchen dann zu schlafen. Die Betten sind übrigens genau 1,70m lang, 14 cm kürzer als ich. Yepp. Und die bequemste Position ist die stabile Seitenlage, weil der Bus seeehr schaukelt, vor allem, wenn er ziemlich schnell durchs Gebirge rast. Ich war sehr froh, dass es dunkel war und ich nicht rausgucken konnte.
Bei einer Pause gegen Mitternacht lerne ich Zahid kennen, aus dem Einzelbett schräg über mir. Er läd mich zu meinem ersten richtigen Chai ein, und wir kommen ins Quatschen, sogar bis zum Thema Religion (er ist Moslem und steht meinen Reinkarnationsideen eher skeptisch gegenüber ^^ ). Wir verabreden uns für 'später' und verbringen erst einmal eine unruhige Nacht in dieser Schaukelfalle von Nachtbus, immer weiter Richtung Süden, Goa entgegen...Read more






















