• Goa - Indien für Einsteiger 🌅🛵💨

    Feb 11–15, 2025 in India ⋅ ☀️ 31 °C

    11.02.25 - ANKUNFT IM PARTYPARADIES [ANJUNA] 🌅🕺🏼

    Wir erreichen Mapusa nach einer langen Busfahrt zur Mittagszeit. Zahid hält Wort und möchte mir mit den lokalen Bussen helfen. Doch zuerst lädt er mich zu einem Frühstück ein 😋 (er ist flinker beim Bezahlen). Meinen Bus hätte ich vermutlich nie gefunden, an diesem zentralen Platz fahren ca. 50 Busse ab, vielleicht auch doch nur 45. Einige Angestellte rennen umher und schreien die Zielorte der abfahrenden Busse. Ich verstehe natürlich kein Wort ^^ . Ich muss etwas eher raus als Zahid, wir verabschieden uns und wollen uns die Tage nochmal treffen.
    Die nur 10min-Fußweg werden etwas länger, ich muss mich erst an die kurzen Strecken, versteckten Wege und verwinkelten Gassen gewöhnen. Es ist ruhig hier, sehr natürlich. Ich nutze die Gelegenheit, kurz mit Kelly videozutelefonieren, und laufe prompt zu weit. Macht aber nix, ich genieße die grüne Umgebung und ruhige Atmosphäre, und irgendwie komme ich mit dem Gesamtgewicht meines Gepäcks erstaunlich gut klar.

    Ich werde freundlich im Hostel Mandala aufgenommen. Dies war die Empfehlung Andrews, den ich in Mumbai kennengelernt hatte. Er chillt auf dem ausgebauten Dach (rooftop) mit ein paar Jungs, wir stellen uns vor und quatschen etwas. Heute Nacht steigt eine große Party, erzählen sie mir. Elektronische Musik, ist ja genau meins. Aber ich wollte ja nach Goa und wusste, worauf ich mich da einlasse 😉

    Ein Hostelgast, der bald abreist (ein junger Inder, dessen Name mir leider Probleme bereitete und den ich vergessen hab) nimmt mich auf seinem Scooter mit zum nördlichen Strand (Vagatorbeach), wo wir gemütlich in einer Strandbar ein Getränk der Wahl trinken und eine Weile quatschen, bis er los muss. Er setzt mich wieder ab, und ich wandere vorbei an Souveniershops und Restaurants zum nähergelegenen Strand Richtung Süden (Anjuna Beach). Der Anfang ist etwas felsig und die Kühe irritieren etwas, aber das gehört alles dazu! Der Strand wird sandig, ich suche mir ein Plätzchen, lege meine Sachen ab und springe ins warme Nass! Da der Rettungsschwimmer davon ausgeht, dass ich wie die meisten Inder nicht schwimmen kann, darf auch ich nicht tiefer als bis zur Hüfte ins Wasser. Es hält sich aber kaum einer daran, also rennt er springend und trillerpfeifend auf und ab 😄

    Danach genieße ich den Sonnenuntergang (natürlich!), gehe zurück zum Hostel (wobei ich sehr oft dem Modesport der jungen männlichen Inder zum Opfer falle: Selfies mit weißen Menschen! Ein landesweites Phänomen 😬) und mache mich partyfein. Ich treffe mich mit dem Jungs zum Essen, dann besorgen wir uns Wegzehrung (Feni, ein Taschenschnaps aus den Resten der Cashews. Eine kl. Flasche kostet umgerechnet ~50 Cent und passt ins Geheimfach der Bauchtasche 😉). Wir machen uns auf dem Weg zum Partytempel 'Shiva Valley'. Unterwegs werden wir von zwei Polizisten nach Drogen durchsucht. Sie werfen abwertende Blicke auf unseren Feni und meinen, wir sollen doch nicht das billige Zeug kaufen, das macht uns doch nur kaputt 😅 Eigentlich wollen sie wohl nur etwas plaudern. Wir ziehen weiter, und nach einigen Umwegen (es ist Flut, der Strandweg ist versperrt) kommen wir gegen Mitternacht an. Über den Strandzugang sparen wir rund 500 Rupien (5+€), der Eintritt ist mit 2.500 Rupien dennoch happig. Aber wir wollen ja auch lange feiern ^^

    Ich habe tatsächlich Glück mit der Musik, finde gut hinein. Es ist Goa-Trance, der ähnlich wie Metal aufgebaut ist und sich immer mehr steigert, ohne langweilig zu werden. Die Bierpreise sind auch okay, rund 3€ für einen Flaschenpint. Die Leute sind gelassen, viele helle Touris, aber auch viele Inder sind am Start, alle Altersgruppen (wirklich alle!) vertreten.

    Irgendwann gegen vier wechselt die Musik zu "forest", womit ich eher weniger anfangen kann, und um 6 verabschiede ich mich als erster von den PartyPeople. Die Nachtbusfahrt und Sonne des Tages fordern ihren Tribut, ich gebe auf! 😅 (Auch wenn ich so den Sonnenaufgang und das rituelle Anbaden ausfallen lassen muss.)

    Auf den Weg hoch zur Hauptstraße treffe ich einen netten Briten, der mich - ich kann mein Glück kaum fassen - auf dem Bike direkt zum Hostel fährt. Bis auf dass uns ein Rudel Hunde in einer Kurve angreift und wir uns mit Tritten wehren müssen, ist es eine angenehme Fahrt 😬😅 Totmüde falle ich ins Bett...

    12.02.25 - SCOOTERS UND SIGHTSEEING ⛱️🍹

    Ich beschließe, mir für die kommenden Tage ein Scooter auszuborgen (~5,50€/Tag). Es klappt auch, und ich treffe mich mit Sahid. Zusammen cruisen wir durch die Gegend, landen schließlich im Norden am 'Morjim Beach', der recht weitläufig ist. Gemeinsam trinken wir gesalzenes Zitronenwasser (das trinkt man hier so 💁🏼‍♂️), dann geht's wieder zurück. Die Straßen sind okay, der Verkehr geht klar - ich finde mich gut zurecht. Wir entdecken noch einen Aussichtspunkt, dann setze ich Zahid ab und düse zurück zum Hostel 🛵💨

    Gestern hatten wir es nicht geschafft: Ich hatte vorgeschlagen, den Sonnenuntergang vom Hügel südlich des Strandes aus zu sehen. Heute finden sich vier Leute dazu ein: Ich, Komal vom Empfang (die das Ganze als "Gästebetreuung" verbucht, es aber eigentlich natürlich als Arbeitsflucht nutzt 🤭), Adam aus Polen, Anna aus Uzbekistán und Pierre aus dem franz. Teil Kanadas, den wir spontan vorm Tor des Hostels mit einsammeln, weil er so verloren rumsteht, auf seinem Cyberphone herumdrückt und kein richtiges Ziel hatte 😅

    Der Ausflug ist ein voller Erfolg. Wir finden eine schöne Stelle, und sogar Komal, die hier schon eine Weile arbeitet, kennt den Ort noch nicht. Wir machen Fotos und sitzen einfach nur da, genießen die Ruhe und Harmonie. Es ist sehr trübe am Horizont, die Sonne verschwindet langsam im Dunst. Auf dem Rückweg fängt uns noch Lucien (FR) ab, mein Zimmergenosse, der gerade vom Essen kommt.

    Nach einem gemeinsamen Essen geht's früh in die Falle, alle sind noch recht knülle vom Vortag 😄

    13.02.25 - #SCOOTERBITCHES ON THE ROAD 🏞🛵💨

    Komal vom Empfang schlägt am Vormittag einen gemeinsamen Hostel-Ausflug auf Scootern vor; Die Idee entstand bereits am Vortag (wieder ihre "Gästebetreuung" 🤭). Ich schlage vor, dass etwas abgelegenes, natürliches doch schön wäre. Leider ist keine Wasserfall-Saison, also sind wir Touris etwas ratlos. Sie überlegt kurz, telefoniert herum, dann steht der Plan! Wir besorgen noch ein paar Scooter, trommeln die Crew zusammen, und der von Andrew zuvor eingeworfene Begriff "#scooterbitches" wird etabliert (grob übersetzt "#Scooter-Luder").

    Zuerst geht es zu einem kleinen Restaurant, wo wir unter einem kleinen Holzdach direkt am Fluss sitzen. Es werden verschiedene Fischspezialitäten gebracht, jeder kann probieren. Für einige frittierte Fische gibt es eine spezielle Esstechnik. Alles ist sehr lecker. Danach fahren wir weiter, Ort (für uns) unbekannt. Komal hat Anna hinten drauf und fährt vorne hinweg. Wir anderen dahinter machen uns einen Spaß daraus, uns gegenseitig immer wieder zu überholen und dann wieder zurück fallen zu lassen, um anderen die Chance zum Überholen zu geben. Dabei haben wir einen Heidenspaß 😆🙈

    Schließlich kommen wir in einer entlegenen Gegend an. Ein großes Haus steht da, komplett im Grünen, einige Bewohner kommen heraus. Komal hält kurz Smalltalk, wir nicken freundlich und erhalten lächelnde Gesichter zur Antwort. Wir gehen ein paar Meter und kommen an einen kleinen Teich, gespeist aus einem Bächlein mit frischem Wasser. Als wir uns hinsetzen und die Füße reinhalten, kommen kleine Fischlis und knabbern uns an. Ein Gefühl, an das man sich erst gewöhnen muss. Irgendwann packt es uns Kerle, und wir gehen komplett ins kühle Nass! Es ist atemberaubend. Niemals hätte ich erwartet, im [sorry] dreckigen Indien so schnell solch einen wunderschönen Ort kennenlernen zu dürfen.

    Wir wollen uns nicht losreißen (vor allem Lucien genießt die Gegenwart seiner neuen knabbernden Freunde enorm und nimmt die Umgebung kaum noch wahr ^^), aber es gibt noch einen weiteren Ort, zu dem Komal uns führen möchte. Also, wieder auf die Scooter, Bitches!

    Wir erreichen pünktlich zum Sonnenuntergang eine Brücke, die über einen Fluss zu einer länglichen bewohnten Insel führt. Wir nutzen die Gunst der (goldenen) Stunde für ein Fotoshooting, dann betreten wir das Eiland. Die Brücke ist wegen Einsturzgefahr für Motorverkehr gesperrt, es ist also wirklich total rugig dort. Eine Straße führt vorbei an kleinen bunten Gebäuden. Während sich die anderen mit selbstgebastelten Blütenkränzen schmücken, möchte ich eine Orchidee fotografieren und entdecke dabei auf dem Baumstamm daneben eine enorm schnelle kleine saugut getarnte Gottesanbeterin (yay!).

    Wir laufen bis zum Ende der Insel (es kommen dann nur noch ein paar sehr einfach Baracken mit ärmlicheren Einwohnern), dann ist es auch schon arg dunkel, und wir müssen zurück. Die Einheimischen schauen uns an und lächeln, als wir vorbei gehen. Kemal hält noch etwas Smalltalk mit einer älteren Dame und erfährt um die schwierige Lage, die die einsturzgefährdete Brücke verursacht.

    Nachtfahrten in Indien sind ein großer Spaß: Kaputte Straßen, "Bumbs" (diese Schwellen auf der Straße), müde Kühe, wache Menschen, wandernde Hunde, Fahrzeuge mit Fernlicht, ewiges Getröte... Es ist alles dabei, was das Scooterherz begehrt 😄

    Nach der Rückfahrt besuche ich noch kurz Zahid zum Abschied. Wir fahren in eine Bar, trinken ein Getränk und reden etwas. Im TV läuft alte Rockmusik, mit der er komplett nichts anfangen kann. Ich ziehe ihn etwas auf, singe mit, und als wir später gehen, mache ich mit ihm eine kleine Polonäse, was ihm hochgradig peinlich ist 🤭

    Zurück im Hostel plagt Tommy der Hunger! Wir machen uns zu viert (mit Andrew und Lucien) auf, trinken ein Bier auf der Straße, und suchen ihm dabei ein Restaurant. Leider haben viele schon zu, Küche bereits geschlossen. Kurz vorm Aufgeben finden wir am Ende der Straße eins, allerdings wird dort auch getanzt. Zu indischer Popmusik 😅! Einige junge Herren sind emsig dabei, und während Tommy seine Nudeln verputzt, lasse ich mich überreden und tanze einfach mit. Warum auch nicht? Ich werde mit Moves konfrontiert, die ich noch nie gesehen habe, eine Mischung aus bayerischem Volkstanz und polnischer Folklore? Letzten Endes aber nur ein Ausdruck von Ausgelassenheit und Spaß! Die anderen drei sind knülle oder können mit der Musik nix anfangen, nur Andrew lässt sich kurz hinreißen 👍
    Sehr knülle und mit vielen Eindrücken im Kopf endet auch dieser Tag.

    14.02.25 - HALLO INDIEN! ODER: WAS ALLES SCHIEF GEHEN KANN... 😬

    Ich würde gerne noch länger bleiben. Aber nun geht es weiter nach Ahmedabad [gesprochen Amdabd]. Das erste Mal Fernzug in Indien. Mhm. Soweit die Theorie. Dann begann dieser komische Tag...

    Meine Wäsche, gewaschen vom Hostel am Vortag, ist leider noch nass. (1.) Also verteile ich sie auf Stühlen auf dem Rooftop. Dabei werde ich von einer Krähe am Hinterkopf attackiert (2.). Zahid will mich ein paar Meter mit dem Scooter bringen, aber durch die nasse Wäsche gerate ich nun langsam unter Zeitdruck. Nun wird knapp auf knirsch kalkuliert, aber ich kann ja nicht 17h mit nasser Wäsche herumfahren (mehr Gewicht, fängt an zu stinken; der Weg nach Ahmedabad ist weit). Die Strecke ist mit den öffentlichen Bussen eigentlich gut machbar. Im zweiten Bus schwitze ich aber schon Blut und Wasser. Die letzten Meter zum Bahnhof werfe ich mich in ein Taxi, der Fahrer erkennt meine Not. Bäuchlings liege ich darin, alles andere dauert zu lange (schwerer Rucksack etc). Ein anderer Taxifahrer reicht mir mein Zelt ins Auto; Das habe ich gerade verloren (NICHT 3.! 😅). Im Bahnhof angekommen erkenne ich, dass alle Züge leichte Verspätung haben. Ein junger Mann bestätigt, dass der übernächste Zug meiner ist, so wie es auch auf der Anzeigetafel steht. Ich entspanne mich, beobachte den vorbeifahrenden nächsten Zug... und warte und warte. 30 Mins später bestätigt mir die Bahnhofsvorsteherin, dass eben dieser Zug meiner war. Was zur... (3., da isse). Die Züge für die nächsten 16 Stunden sind komplett ausgebucht, keine Chance! (4.)
    Notfallplan: Redbus, eine App, mit der man Reisebusse buchen kann. Ich finde eine annehmbare Alternative, will bezahlen,... "Unser Server hat Probleme mit der Kartenzahlung!" (5.). Jetzt keine Panik! Ich stehe bei 35°C mitten in Goa (der nächste Ort heißt Pirna, welch lustig' Detail) und versuche klarzukommen. Es gibt alternative Bezahlmethoden, so eine Art indisches Paypal ("UPI"). Kann man istallieren. Und verifizieren, mit Ausweis und Visastempel. Dauert nur ca. 24h. (6.). Aaaaber die Jungs hatten das schon benutzt. Andrew geht nicht ran, natürlich. Lucien wird der Retter der Stunde! Er bucht mir ein Busticket und ich paypale ihm den Betrag.
    Nun entspanne ich mich etwas, fahre zurück nach Mapusa, wo der Nachtbus abfährt. Die normalen Busse fahren hier übrigens tanken, egal ob noch Leute drin sitzen oder nicht. 😅 Dann muss ich noch ein paar Stunden totschlagen, esse etwas, suche den Abfahrtsbahnhof und unterhalte mich die restliche Zeit mit einem älteren Inder aus Chennai, der mich zuvor angesprochen hat. Dann bin ich eeendlich im Bus!
    Die Fahrt dauert etwas länger, rund 25 Stunden, aber ich bleibe im groben Zeitplan und komme zumindest weiter. Diesmal habe ich auch eine Einzelkabine ^^

    Auch wenn nun der nächste Tag beginnt, schreibe ich hier weiter. Ja, es ist noch nicht vorbei... 😶‍🌫️

    An die Pausen beim Nachtbus gewöhnt man sich irgendwann. Man kann pinkeln gehen und/oder kurz ruckelfrei schlafen. Diese Pause um 11 Uhr vormittags dauert allerdings etwas länger. Ich gucke raus und sehe Mitreisende, die sich eine Rikscha (TukTuk) nehmen. Moment, hier stimmt was nicht... Ich steige aus, und die Versuche, den Bus wieder zu bewegen, erinnern mich an eine eigene Erfahrung. Das klingt wie die Kupplung. Der Mechaniker, der gerufen wurde, bestätigt meinen Verdacht: Dieser Motor ist hinüber (7.). Wir sind noch nicht mal in Mumbai, ich habe also keine Chance auf eine Ersatzroute und muss wie viele andere auf den Ersatzbus warten. Insgesamt ungefähr 3,5h dauert der unfreiwillige Zwischenstopp, bis wir endlich weiter fahren... 🫠🇮🇳
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