• Ruinen, Luxus und ein Haarschnitt

    May 9–10, 2025 in Moldova ⋅ ⛅ 9 °C

    Heute blieb das Motorrad stehen – stattdessen war ich zu Fuß unterwegs, ganz klassisch auf Entdeckungstour durch Chișinău, die Hauptstadt Moldaus. Und das nicht zu knapp: Laut Komoot habe ich rund 25 Kilometer durch die Stadt zurückgelegt. Ein ganzer Tagesmarsch, der sich gelohnt hat – denn Chișinău zeigt sich von vielen Seiten.

    Die Stadt hinterlässt bei mir gemischte Gefühle. Einerseits wirkt vieles marode – alte Bauten, verfallene Häuser, teils unbewohnbare Ruinen. Man sieht der Stadt an, dass hier harte Jahrzehnte hinter ihr liegen. Doch dann ist da die andere Seite: die Menschen. Sie bringen Leben, Gefühl, Energie in diese graue Kulisse. Es herrscht eine spürbare Herzlichkeit, eine Wärme, die man nicht in Beton gießt, sondern nur erleben kann.

    Was sofort auffällt: Die Kluft zwischen Arm und Reich ist gewaltig. Alle paar Minuten rollt ein Luxusauto vorbei, jenseits der 100.000-Euro-Marke – kurz darauf sieht man alte Frauen am Straßenrand, die selbstgemachten Wein, Petersilie oder eingelegte Gurken verkaufen, um sich ein paar moldauische Lei dazuzuverdienen. Der Durchschnittslohn? Angeblich 600–700 Euro im Monat. Die Preise in den Restaurants oder Supermärkten hingegen erinnern eher an westeuropäische Verhältnisse. Ein Spagat, der im Alltag kaum zu übersehen ist.

    Ich habe mir heute außerdem einen kleinen persönlichen Meilenstein gegönnt – den ersten Friseurbesuch im Ausland! Premiere geglückt, die Haare sitzen, also dürfen ab sofort auch wieder Fotos von mir gemacht werden – ganz ohne Helmfrisur. 😆

    Was mich ehrlich begeistert hat: das Essen, der Wein und die Restaurants selbst. Man spürt, wie viel Mühe und Liebe die Menschen hier in Ambiente und Küche stecken. Ob im Innenhof mit Lichterketten oder in Backstein-Gewölben – überall herrscht eine Atmosphäre, wie man sie selten erlebt. Und geschmacklich? Einfach großartig!

    Ob es morgen weitergeht? Mal sehen. Nach 25 Kilometern Stadtwanderung werde ich ausschlafen und dann spontan entscheiden. Aber egal, wie’s weitergeht – Moldau hat heute Spuren hinterlassen...
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