• Lykischer Weg - Tag 12: hinauf

    May 8 in Turkey ⋅ ☁️ 15 °C

    17,1 km; 1.510 m aufwärts; 600 m abwärts

    Die Nacht auf unserer einsamen Lichtung war traumhaft. Je mehr Nächte wir draußen verbringen, desto mehr schätzen wir diese Einsamkeit. Am Morgen begegnen uns mehrere Hirten mit ihren Ziegen. Wir wandern zurück in die Dorfmitte und essen erst mal Müsli mit Wasser. Hier bringen sich auch Brunnen, wo wir das letzte Mal bis morgen Wasser auffüllen können. Mit 8 Litern wandern wir los. Der Weg kennt heute fast nur eine Richtung: nach oben.
    Schon am ersten Anstieg merken wir, dass unsere Beine erst warm werden müssen, gut, dass wir gestern etwas auf die Bremse gestiegen sind. Nach den ersten 200 Höhenmetern sehen wir in der Ferne schon unser heutiges Ziel. Aber jetzt geht es erst mal in eine kleine Senke. Unten angekommen hören wir Stimmen. Wenig später beim Gegenanstieg erfahren wir, woher sie kamen. Eine Wandergruppe aus Ankara mit 12-14 Männern ist gerade auch auf dem Weg. Sie sind ganz erstaunt, dass wir sie überholen. Noch einmal geht es ins Tal. Mitten auf ner Wiese stehen Ruinen von Alakilise, einer historischen Kirche.
    Von hier geht es erst mal nur bergauf. Im flacheren Teil kommen wir noch an mehreren Stallungen mit Ziegen und Schafen vorbei. Dann wird der Weg steiler und steiler, meist auf Geröll. Die Wegfindung ist schwierig, Markierungen manchmal schlecht zu finden. Wir sehen immer mehr von der Küste, an der wir vor zwei Tagen entlang gekommen sind. Unterwegs schlüpfen wir noch an einem weiteren Wanderpaar vorbei. Wir machen oft Pause und trinken was. Irgendwann haben wir das steile Stück hinter uns gebracht. Auch die Vegetation hat sich geändert, wir gehen zwischen hohen Nadelbäumen weiter. Vor einer Felswand wechselt der Weg auf einen Fahrweg, eine willkommene Abwechslung. Der Wald ist herrlich, auf dem ganzen Boden blüht es weiß. Bevor es an den Schlussanstieg geht, fällt der Weg noch ein wenig. Auf einer herrlichen Wiese zwischen imposanten Bäumen verweilen wir und genießen.
    Der letzte Anstieg wird noch mal knackig. Auf einmal wird alles kahl und weiß. Das ganze Gestein ist sehr hell und der Bewuchs sehr dürftig, es sieht aus als hätte hier vor nicht allzu ferner Zeit eine Apokalypse stattgefunden. Wir freuen uns, als der Weg leicht fallend nur noch zwei Kilometer ins Ziel führt. Wir finden auch gleich einen Zeltplatz für die Nacht und sind bis jetzt die einzigen. Morgen geht es dann die ganzen Höhenmeter wieder hinab nach Finike. Sobald das Zelt steht, fällt Hang in Sekundenschnelle in komagleichen Schlaf, Kraft für morgen sammeln.
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